<?xml version='1.0' encoding='UTF-8'?><?xml-stylesheet href="http://www.blogger.com/styles/atom.css" type="text/css"?><feed xmlns='http://www.w3.org/2005/Atom' xmlns:openSearch='http://a9.com/-/spec/opensearchrss/1.0/' xmlns:georss='http://www.georss.org/georss' xmlns:gd='http://schemas.google.com/g/2005' xmlns:thr='http://purl.org/syndication/thread/1.0'><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674</id><updated>2012-02-27T20:28:16.620-08:00</updated><title type='text'>Die Mahnung</title><subtitle type='html'></subtitle><link rel='http://schemas.google.com/g/2005#feed' type='application/atom+xml' href='http://bvnberlin.blogspot.com/feeds/posts/default'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default?max-results=100'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/'/><link rel='hub' href='http://pubsubhubbub.appspot.com/'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author><generator version='7.00' uri='http://www.blogger.com'>Blogger</generator><openSearch:totalResults>25</openSearch:totalResults><openSearch:startIndex>1</openSearch:startIndex><openSearch:itemsPerPage>100</openSearch:itemsPerPage><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-5586605660314447794</id><published>2012-02-11T11:39:00.001-08:00</published><updated>2012-02-11T11:41:26.098-08:00</updated><title type='text'>Unter Bäumen. Die Deutschen und der Wald</title><content type='html'>2011 war das Internationale Jahr der Wälder: Waldkulturerbe unter dem Motto „Der Wald braucht uns, vor allem aber brauchen wir den Wald“. 1, 2 Millionen Arbeitskräfte erwirtschaften 160 Milliarden Euro: auch das ist der deutsche Wald. So stellt er sich dar aus Sicht der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner, die nicht nur die Ausstellung gesponsert, sondern sich bereits das ganze Jahr 2011 über um den Wald bemüht hat: unter anderem mit einer „Waldfibel“ mit der Überschrift „Entdecke den Wald“ – auch als kostenlose Applikation für das iPhone ( www.bmelv.de/waldfibel oder www.wald2011.de ). Mit anderen Worten: Der deutsche Wald hat Konjunktur, inzwischen auch virtuell.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum zeigt sich hingegen weniger ambitioniert. Sie spielt mit dem Klischee: Der röhrende Hirsch – Symbol in allen Farben, rot auf dem Plakat, grün auf dem Katalog und in der Ausstellung schließlich mit Gold gesprenkelt oder in Pink: auch Kitsch ist schließlich deutscher Wald. So erschleicht sich dem Betrachter das Gefühl von Allem und Nichts: ein wenig Wissenschaftsgeschichte, ein wenig unbeholfenes Stochern in Politisierung und nationaler Mythenbildung und vor allem eine reiche Auswahl an herausragenden Gemälden, unbekannte und bekannte Werke deutscher Künstler: darunter ein ausgesprochen beeindruckendes Gemälde von Otto Dix, sowie natürlich Blechen, Caspar David Friedrich, Slevogt, Leistikow und die Hermannschlacht von Anselm Kiefer. So schön, dass man die unangenehmen Zeiten, in denen Juden in den deutschen Wäldern „nicht erwünscht“ waren, mit klammer Betroffenheit als absurde Verirrung wahrzunehmen bereit ist. Grün ist die Heide und grün ist der Wald – so erstaunt eigentlich nur die nicht geringe Anzahl der Künstler, die ihn rot portraitierten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zurück bleibt der Eindruck von einer etwas fantasielosen Ausstellung, die gerade noch rechtzeitig im Dezember 2011 eröffnet wurde und die sich darum bemüht, möglichst viele Aspekte der deutschen Wahrnehmung des Waldes zu dokumentieren. Einzig und allein die wahrhaft prächtige Leistungsschau deutscher Künstler lohnt den Besuch.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ausstellung ist noch bis zum 4. März zu sehen im Deutschen Historischen Museum Unter den Linden in Berlin. Zu der Ausstellung ist im Sandstein-Verlag ein umfangreicher kommentierender Katalog mit 320 Seiten erschienen. Die Museumsausgabe kostet € 25,--.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf der Internetseite zur Ausstellung gibt es einen recht monoton besprochenen Trailer, der nicht nur zum Besuch der Ausstellung – als Alternative an Regentagen, sondern auch zum Besuch des Waldes auffordert: http://www.dhm.de/ausstellungen/unter-baeumen/ und mit den Worten endet: „Machen Sie doch einfach mit“. Als ob wir nicht schon genug mitgemacht hätten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-5586605660314447794?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/5586605660314447794'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/5586605660314447794'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2012/02/unter-baumen-die-deutschen-und-der-wald.html' title='Unter Bäumen. Die Deutschen und der Wald'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-5157052293781044176</id><published>2011-12-21T14:12:00.000-08:00</published><updated>2011-12-21T14:15:24.931-08:00</updated><title type='text'>Verleihung des Internationalen Menschenrechtspreises Dr. Rainer-Hildebrandt-Medaille</title><content type='html'>Sie hat den Preis verdient: Am 13. Dezember 2011 hat Dr. Antonia Rados den Internationalen Menschenrechtspreis Dr. Rainer-Hildebrandt-Medaille 2011 erhalten. In ihrer wie immer ergreifenden Einführung zur Preisverleihung verwies Alexandra Hildebrandt nicht nur auf die Entstehung des Preises nach dem Tod ihres Mannes, dem Gründer des Mauermuseum Haus am Checkpoint Charlie im Jahr 2004, sondern sie erklärte auch ihre eigene Motivation, die aus dem Vermächtnis Dr. Rainer Hildebrandts entstand. So habe er ihr drei Dinge ans Herz gelegt: „1. Ich liebe dich. 2. Ich bin FDP-Mitglied. 3. Erhalte dir deine Unabhängigkeit“. Und frei nach Goethe: Um ein Werk zu Ende zu bringen genügt ein Geist und tausend Hände. Den Geist habe ihr verstorbener Mann gehabt – sie sehe es nun als ihre Aufgabe an für die Hände zu sorgen, denn: „Wir müssen alle an einem Strang ziehen. Diktatoren können bezwungen werden wenn viele tausend Menschen auf die Straße gehen. Nur gemeinsam können wir etwas bewirken und Schreckliches verhindern“. In ihrer Ansprache erinnerte sie auch an die Kampfgruppe gegen die Unmenschlichkeit und plädierte für ein gemeinsames Vorgehen gegen Extremisten – ob links oder rechts.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein kurzer Film gab Einblick in die Arbeiten der ausgezeichneten Journalistin und Kriegsberichterstatterin Antonia Rados, die den Balkankrieg, die sogenannten ethnischen Säuberungen in Bosnien, den Irakkrieg und zuletzt den arabischen Frühling mit ihrer Berichterstattung begleitete: „Sie stellt im richtigen Moment die richtigen Fragen“: So unter anderem an Muammar al-Gaddafi oder auch Mahmud Achmadinedschad – die Fragen, die, wie sie sagte, die Zuschauer interessieren. Die allerdings die Diktatoren nicht gerne beantworten. Kriege? Sind wie Sandkastenspiele: Der eine macht die Sandburg des anderen kaputt, und schon bricht die Krise über alle herein. Und: Nicht die Kriege machen ihr zu schaffen, sondern die Gewalt gegen die Schwachen. Eine ihrer bekanntesten Reportagen handelt von den Piraten in Somalia, eine andere von Frauen in Afghanistan, die sich selbst verbrennen weil sie keinen anderen Ausweg wissen. So gelang ihr ein Interview mit Gololai, einer Frau, die keine Überlebenschance hatte und bereits im Sterben kein Blatt vor den Mund nehmen musste. Besonders beeindruckend die Moralpredigt, die Verwandte daraufhin ihrem Mann zuteilwerden ließen. Seine lapidare Antwort vor laufender Kamera: „Wie kann ich denn wissen was gut oder schlecht ist“. Zumindest die Justiz befand sein Verhalten für weniger gut und bestrafte es mit drei Jahren Haft. Die Geschichten der Misshandelten zu erzählen – das hat sich Dr. Antonia Rados zur Aufgabe gemacht, und so bemüht sie sich, indem sie das Schweigen bricht, die Welt Stück für Stück besser zu machen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Laudatio hielt Hans-Dietrich Genscher, Bundesaußenminister a.D. Menschenrechte seien, so sagte er, längst nicht mehr eine Frage für einen überschaubaren Kreis sondern eine internationale Angelegenheit: Deshalb sei es eine wichtige Aufgabe, die Verletzung der Menschenrechte und Menschen weiter bekannt zu machen. In der Begründung zur Preisverleihung heißt es: „Berichte von Antonia Rados sind ein Zeugnis des Mutes und ihres ausgeprägten Gerechtigkeitssinnes. Sie stellt das Recht der Menschen in den Krisengebieten die Welt über ihre Not zu informieren sicher.“&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Muss eine Kriegsreporterin mutig sein? „Helden haben da nichts verloren“. Mit „geballter Faust in der Tasche“ hat sie den Diktatoren gegenüber gesessen – um Menschenleben zu retten. Ihre Aufgabe: Leute zum Reden zu bringen. In ihrer Dankesrede erinnerte Rados auch an die anderen, die keinen Preis bekommen haben, dafür aber ihr Leben lassen mussten: 59 Reporter waren bis dato 2011 bei der Ausübung ihrer Arbeit ums Leben gekommen. Wünschen tut sie sich mehr Interesse bei den Zuschauern: diese empfänden die Berichte oft als zu weit weg und zu grausam. Es sollte, so sagte sie, „eine freiwillige Pflicht geben, sich das anzuhören“.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-5157052293781044176?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/5157052293781044176'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/5157052293781044176'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/12/verleihung-des-internationalen.html' title='Verleihung des Internationalen Menschenrechtspreises Dr. Rainer-Hildebrandt-Medaille'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-7157569317565435493</id><published>2011-12-20T11:32:00.000-08:00</published><updated>2011-12-20T11:39:59.887-08:00</updated><title type='text'>Politische Unkultur</title><content type='html'>Die Deutschen hatten langfristig noch nie ein geschicktes Händchen in der Politik. Dabei hatte man in den letzten Jahren eigentlich die Hoffnung gewinnen können, dass das Schlimmste überstanden sei und man sich nun mit den Unbilden und Beschwerlichkeiten einer freiheitlichen Demokratie hatte anfreunden können. Dazu bei trugen eine klug ausgearbeitete Verfassung und die Installation der Gewaltenteilung, die sich auch in anderen demokratischen Ländern – allen voran Amerika  - bestens bewährt hat. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Offenbar hat man in Deutschland jedoch die Rechnung ohne den Wirt – beziehungsweise in diesem Fall wohl besser ohne die Journalisten gemacht. Investigativer Journalismus und öffentliche Meinung als eine Art vierte Gewalt sollten eigentlich dazu beitragen, Minderheiten zu schützen und die staatliche Gewalt von eklatantem Fehlverhalten abzuhalten. In Deutschland allerdings scheint sich die öffentliche Meinung in ein politisches Machtinstrument verwandelt zu haben, das Partei ergreift und politische Intrigen schmiedet. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Daran, dass die FDP seit Anbeginn ihrer Regierungstätigkeit niedergeschrieben wurde hat man sich inzwischen ja gewöhnt und sicher – die Akteure sind nicht völlig unschuldig daran, denn sie liefern tatsächlich gelegentlich das eine oder andere Eigentor. Mittlerweile führt dieses derart in der Öffentlichkeit ramponierte Image einer Regierungspartei dazu, dass verunglückte Floskeln im Alltagsgebrauch zu quasi geflügelten Worten geworden sind. Informationsgehalt: Null.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Angriffsflächen bietet jede in der Öffentlichkeit agierende Person; vielleicht auch  durch die Kurzlebigkeit und Schnelligkeit der Berichterstattung scheint es sich inzwischen zum Sport entwickelt zu haben, Politiker vorzuführen. Das Internet bietet neben der Boulevardpresse die geeignete Plattform. Aber auch beim besten Willen kann man nicht mehr behaupten, dass die Presse eine faire und objektive Berichterstattung der Regierungsarbeit bietet – Häme verkauft sich einfach besser. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der jüngste Coup der Presse übertrifft die vorangegangenen Plänkeleien allerdings bei weitem: Nach dem Motto „Moral verjährt nicht“ hat es kurz vor Weihnachten den Bundespräsidenten erwischt. Man mag zu ihm stehen, wie man will. Immerhin ist er seit dem 30. Juni 2010 der Repräsentant der Nation und er hat aktuell nichts getan, was nicht schon zuvor bekannt gewesen wäre: Der zweifelhafte Kreditvertrag wurde im Oktober 2008 unterzeichnet und war bereits Thema einer Anfrage der Grünen während Wulffs Zeit als Ministerpräsident. Offenbar ohne durchschlagenden Erfolg. Wenn also überhaupt, dann hat Wulff gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen – und im Februar 2010 eine Anfrage der Grünen möglicherweise nicht ganz korrekt beantwortet.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während es an allen Ecken und Enden in der Welt brennt lauten die ersten Schlagzeilen einer seriösen deutschen Tageszeitung: „Wulff verbrachte sechs Urlaube als Gast von Freunden“. Wie bitte? Der Iran bastelt an der Atombombe, die Taliban versuchen in Afghanistan Land zu gewinnen, China droht mit dem dritten Weltkrieg, in Russland werden die Wahlen manipuliert – um von dem, was in den arabischen und manchen südamerikanischen oder afrikanischen Ländern passiert gar nicht erst zu reden. Und auch in Deutschland wartet die Affäre um die Verstrickung des Verfassungsschutzes mit der NPD und NSU auf Aufklärung. Einzig und allein der Tod des nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Il ließ Wulff wenige Stunden an die zweite Stelle der Aufmerksamkeit der großen deutschen Printmedien im Internet rücken.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Da hieß es: „Der Bundespräsident verspielt all seinen Kredit“ – was der Überschriftenredakteur zwar mit Sicherheit witzig fand aber völlig frei von Sinn ist, oder „Wulff nähert sich der Lage, in der Guttenberg war“ sowie „Wulff stand bei „Oh du fröhliche“ plötzlich allein da“ und „Bedrängnis in Kredit-Affäre wird immer größer“. Das ist das Ergebnis einer tagelangen Medienkampagne, die offenbar von der Opposition mit großem Vergnügen inszeniert wird. Denn: Es hat sich nichts geändert seit jenem Tag im Juni 2010 als Christian Wulff vereidigt wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Man kann zu der Ernennung von Christian Wulff stehen wie man will. Meine erste Wahl war er nicht und ich habe mich seinerzeit oft genug kritisch geäußert. Nicht nur über die Wahl, wo ich eine gestandene Persönlichkeit lieber gesehen hätte, sondern auch später in Sachfragen wie etwa einer aus meiner Sicht verunglückten Weihnachtsansprache. Trotzdem: das ist so in einer Demokratie und ich muss damit leben. Über die gegenwärtig ausgefochtenen öffentlichen Schlammschlachten kann ich mich nur wundern. Die Sachlichkeit ist auf der Strecke geblieben. Es wird – zum Teil sicher mit Recht, aber auch ganz gewiss nicht ohne Absicht – in aller Öffentlichkeit gebohrt, und immer Neues an das Tageslicht gezerrt, was nichts zur Sache beiträgt. So etwa die Frage, ob die Frau des Bundespräsidenten ihr Geld möglicherweise mal im Rotlichtmilieu verdient hat. Ja und, wenn? Über das Tattoo der ersten Dame wurde ja bereits ausführlich in der Öffentlichkeit diskutiert.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Während die eine Zeitung sich mit einmal darum bemüht, ihre Schlagzeilen wieder etwas niederzuschreiben („Warum Wulff gehen müsste – aber bleiben wird“) bemüht sich die andere umso heftiger; der Spiegel schreibt unter der Überschrift „Zweifel an Wulff wachsen“ „Opposition und Rechtsexperten üben harsche Kritik, auch in den eigenen Reihen schwindet offenbar der Rückhalt“ um sein Heft 51/2011 mit der Schlagzeile zu schmücken: „Der falsche Präsident“. Wie bitte? Da kann ich nur sagen: Wer anderthalb Jahre für diese Erkenntnis braucht ohne neue Erkenntnisse zu liefern hat zu lange geschlafen und sollte besser für immer schweigen.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Dieses Gezetere kommt mir nur noch wie der geballte Selbsthass einer hilflosen Nation vor, die sich ganz und gar nicht leiden kann. Das mediale Geschrei ist peinlich, perfide und scheinheilig. Es geht hier immerhin um den Bundespräsidenten, der sich – soweit ich das beurteilen kann und soweit die Presse es berichtet – in seinem gegenwärtigen Amt nichts hat zu Schulden kommen lassen, was irgendwie auch nur ansatzweise strafbar wäre. Insofern wäre sein vorzeitiger Ruhestand auch noch eine weitere finanzielle Belastung für die Staatskasse: Nach dem Ausscheiden aus dem Amt werden die Amtsbezüge mit Ausnahme der Aufwandsgelder auf Lebenszeit als Ehrensold weitergezahlt. Soll er also ruhig noch ein wenig was tun für unser Geld!&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-7157569317565435493?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/7157569317565435493'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/7157569317565435493'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/12/politische-unkultur.html' title='Politische Unkultur'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-6716695826897236592</id><published>2011-12-10T00:20:00.000-08:00</published><updated>2011-12-10T00:23:04.869-08:00</updated><title type='text'>Fördern wir was wir fordern? Betrachtungen zum Tag der Menschenrechte</title><content type='html'>Die Weltgemeinschaft ist sich einig: Der 10. Dezember ist der Tag der Menschenrechte. Das ist erfreulich. Zumindest ist es erfreulich, dass nach einem verheerenden Krieg in einem langen Verhandlungsprozess weltweite Einigkeit über die Würde und Rechte des Menschen hergestellt und diese formal niedergeschrieben wurden. Dass allerdings die Realität mit den Wunschvorstellungen auseinanderklafft und zudem aus gut gemeinten Dingen auch wieder ganz neue Probleme erwachsen können hat die Geschichte wiederholt und in immer wieder neuen Varianten bewiesen. Nicht umsonst enthält die afrikanische Freiheitscharta neben Rechten auch Pflichten – darunter die Steuern zu zahlen und seine Arbeitskraft voll einzubringen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass man mit Hilfe von spitzfindigen kulturrelativistischen Entschuldigungen versucht, etwa die Rechte der Frauen in außereuropäischen Kulturkreisen anders zu definieren verwundert wenig – auch in Europa war es ein langer Weg, bis Frauen gleichberechtigt und vor den Gesetzen gleich gestellt waren – noch in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts war etwa eine verheiratete Frau in Deutschland trotz des freiheitlichen Grundgesetzes auf den guten Willen ihres Ehemannes angewiesen, wenn sie eine Arbeit aufnehmen wollte. Und noch immer wird sie steuerlich bei ihrem Ehemann veranlagt, auch wenn sie Hauptverdienerin in der Familie ist. Und immer wieder wird ganz generell versucht, Menschen das Recht auf ein selbstbestimmtes Leben in Freiheit mit Hinweis auf andere Sitten in anderen Kulturen abzusprechen. Das widerspricht dem Prinzip der universellen Gültigkeit und führt damit die Idee an sich ad absurdum.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei sollte man meinen, dass die Entdeckung der Menschenrechte als Basis für das friedliche gemeinsame Zusammenleben ein entscheidender Fortschritt in der Geschichte der menschlichen Zivilisation ist; Menschenrechte garantieren die freiheitlichen Bürgerrechte und die Menschenwürde des Einzelnen; zumindest auf dem Papier. Allerdings: der Staat, der diese Rechte garantiert, ist nur so gut wie die Menschen, die ihn ausmachen. Und auch der beste Wille zählt nicht, wenn Eigeninteressen – in der Regel persönlicher Macht- und Gelderwerb – im Vordergrund stehen oder wohl definierte Partialinteressen den Blick auf die Zusammenhänge verschleiern. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Europa erleben wir derzeit einzigartige Verschleierungsversuche von geradezu revisionistischen Ausmaßen. Nicht nur die Finanzpolitik hat sich inzwischen zu einem Buch mit sieben Siegeln entwickelt. Auch in der Gedenk- und Erinnerungsarbeit werden die historischen Wahrheiten einer neuen europäischen Geschichtsschreibung angepasst. Dabei wird sie in gewisser Hinsicht gerade vollkommen losgelöst von dem betrachtet, was sie eigentlich erreicht hat: der Etablierung der Menschenrechte als Grundlage für ein friedliches Zusammenleben im neuen Jahrtausend. Gedacht und erinnert wird wie es gefällt, und nach Möglichkeit nicht da, wo es wirklich wehtut, sondern da, wo es opportun erscheint. Die Erfahrungen der Betroffenen spielen dabei keine Rolle mehr – eigentlich haben sie das ja auch nie getan.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was folgt daraus? Menschenrechte als geschichtsloses Dogma haben alles Potenzial, sich zu einem eigenen neuen Kriegsgrund zu entwickeln, da sie in vielerlei Hinsicht die religiösen Bewegungen der vergangenen Jahrhunderte aufnehmen und sich der Rechtlichkeit entziehen. Die Ausarbeitung der juristischen Grundlagen – dazu zählen die Bürgerrechte und auf internationaler Ebene das Völkerrecht - steht in einem konstanten Wettstreit mit einschränkenden Auslegungen und neuen Realitäten. Und die nur noch für wenige Experten überschaubaren komplexen Regelungen verwischen das, was unseren Frieden erhält: klare Grenzen und Regeln für zwischenmenschliches Miteinander. Denn Menschenrechte bedeuten nicht automatisch menschliches Handeln. Sie haben sich inzwischen viel mehr zu einer Frage der Perspektive entwickelt: Der Opfer- und der Täterperspektive. Und da man nicht gerne Täter sondern lieber Opfer sein will verdreht man die Dinge lieber. Denn die Einteilung in Täter und Opfer bedeutet gleichzeitig eine klare Trennung in Böse und Gut und damit in Kategorien, die leicht begreifbar scheinen: Ein Phänomen, unter dem der israelische Staat seit seiner Gründung zu leiden hat. Die palästinensische „Opferperspektive“ hatte es daher ausgesprochen leicht, sich im europäischen Opferkonkurrenzkampf einen festen Platz – sozusagen in einer tragenden Nebenrolle – zu ergattern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte haben nichts mit Opfer zu tun. Sie haben etwas mit Verfolgung zu tun – und dem Schutz des Menschen vor Verfolgung. Kein Palästinenser auf der Welt wird verfolgt, weil er Palästinenser ist. Im Gegenteil, sofern sie nicht mit Raketen schießen oder das Leben der Israelis anderweitig bedrohen, können Palästinenser auch in Gaza friedlich – und das in der Hauptsache auf Kosten Israels und Europas – leben. Die Opferperspektive anzunehmen ist bequem. Und mit einer kleinen Drehung an einer Stellschraube kann man dann gleich noch die Menschenrechte instrumentalisieren und sie als unantastbares Maß aller Dinge zur Rechtfertigung von Terrorismus benutzen. Faszinierend, wie wendig die menschlichen Gehirne sind.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Menschenrechte sind keine Rechte im juristischen Sinne. Sie sind eine Willenserklärung. Und das ist gut so: denn der Wille ist was zählt. Gesetze sind fast immer interpretierbar. Der hinter der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte stehende Wille ist es nicht. Allerdings: Wo er nicht ernst genommen wird, verkommt auch der Wille zum Lippenbekenntnis. Die menschliche Würde ist immer auch die Würde, die einer dem anderen zuteilwerden lässt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verfolgten des Naziregimes, die das verbrecherische Regime überlebt hatten, haben diese Würde Zeit ihres Lebens nur in sehr kleinen Dosen erhalten. Dafür haben sie jahrelang gekämpft. Dabei ging es nicht nur um die Entschädigung für erlittenes Unrecht, sondern unter anderem auch darum, nicht als Opfer sondern als Verfolgte wahrgenommen zu werden. Die deutsche Mehrheitsgesellschaft allerdings erfreut sich am Opferbegriff nach wie vor und reduziert die Menschen, die als Individuum gelitten haben, der Bequemlichkeit halber noch immer darauf. Gelegentlich wird das pointiert auf den Punkt gebracht, etwa indem sich das Wort „Opfer“ zu einem Schimpfwort im Sprachgebrauch gerade bei jugendlichen Migranten etabliert hat; statt das als von außen wahrgenommenes Spiegelbild zu reflektieren und zu korrigieren stecken wir den Kopf in den Sand und jammern ob solch grober „Verdrehungen“. Oder aber auch nach dem Motto „Nur ein toter Jude ist ein guter Jude“: Das „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“ hat das Gewissen der Nation befriedet. Und damit gleich ein Dutzend neuer Probleme aufgeworfen, denn nicht nur Juden waren „Opfer“; verfolgt wurde, wer nicht in die „deutsche Volksgemeinschaft“ passte. Definiert wurde das von den Nationalsozialisten, die durch die Ausgrenzung unbequemer Zeitgenossen Machtpolitik betrieben und sich einer Mehrheitsgesellschaft versicherten, die den Betrieb reibungslos am Laufen hielt. Auch das einer der Gründe dafür, weshalb der Zusammenbruch des nationalsozialistischen Deutschlands nur mit äußerer Hilfe möglich wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und heute? Wir schreiben das Jahr 2011  - das ist fast achtzig Jahre nach der „Machtergreifung“ – oder korrekter Machtübertragung an Hitler und seine Vasallen. Man arrangiert sich. So errichtet man noch ein Denkmal für die verfolgten Homosexuellen, für die Sinti und Roma, für die Euthanasie-Geschädigten. Immer bürokratisch korrekt finanziell „gedeckelt“ um den Schaden zu begrenzen. Wer in der Lage ist, seine Interessen durchzusetzen, gewinnt. Wer durch das Raster fällt verliert. Und dass es heute ganz andere und neue Probleme gibt, die sich aus alten Denkmustern generieren, wird mancherorts dann lieber ganz vergessen. „Untermenschen“? Die gibt es nicht mehr, also wird ihnen auch kein Denkmal gesetzt – was zwar logisch und konsequent ist, allerdings zeigt, wo das Problem verortet ist: Die Ideologie bleibt. Heute verhandeln wir auf „Augenhöhe“. Aha? Rassismus hat es immer und in vielen Staaten gegeben. Er stellt nach wie vor ein Problem dar – aber er wurde auch im Gedenken zu einem absoluten Tabu stilisiert. So sehr, dass der Begriff Rasse nun abgeschafft werden soll, wie in einer seriösen Abhandlung des Deutschen Instituts für Menschenrechte ernsthaft gefordert. Nur: die Verbannung eines Begriffes mag zwar Bewusstsein für das Problem der Stigmatisierung schaffen, wie auch das Beispiel der Zigeuner zeigt, sie kann es allerdings nicht beseitigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Statt sich mit den Ursachen zu befassen und den Dingen historisch verortet auf den Grund zu gehen, um in einer besseren Welt und in Zukunft in einer besseren Gesellschaft leben zu können, wird an Symptomen herumgedoktert, die - mit Rücksichtnahme auf andere – als schlecht erkannt werden einzig und alleine aus dem Grund, weil sie dem „Ansehen“ schaden, nicht weil es ein Bedürfnis ist, sie zu ändern. Dass die deutsche Politik derartigem Druck von außen folgt ist gut so – wer weiß, wie es sonst bei uns aussehen würde. Dass trotzdem Allianzen zustande kommen, deren Grundlage zumindest vom moralischen Standpunkt her fragwürdig ist, zeigt nicht nur die traditionelle Verbundenheit mit dem Iran. Terrorregime? Das spielt keine Rolle. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Anzahl der Nichtregierungsorganisationen, die sich aus staatlicher Finanzierung speisen, ist mittlerweile kaum noch überschaubar. Eine Art neuzeitlicher Ablasshandel? Um zumindest keine den eigenen Interessen entgegenstehenden Aktivitäten zu fördern verlangt das Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend, in dessen Bereich viele Fördermittel vergeben werden, seit 2010 eine Demokratie-Erklärung, auch „Extremismusklausel“ genannt: Wer sich mit Staatsgeldern gegen Extremismus engagiert darf selbst kein Extremist sein oder hat „dafür Sorge zu tragen, dass die als Partner ausgewählten Organisationen, Referenten etc., sich ebenfalls den Zielen des Grundgesetzes verpflichten.“ Eine Selbstverständlichkeit? Mitnichten. Von Bespitzelung und Gesinnungsschnüffelei war die Rede. Ist es tatsächlich zu viel verlangt sich zu informieren, mit wem man zusammenarbeitet? Kein Mensch würde einem anderen Geld geben, damit dieser seinen Interessen zuwider handelt. Und ein Staat, der das tut, ist nicht nur nicht glaubwürdig, er ist quasi überflüssig weil er dazu beiträgt, sich selber abzuschaffen. Merkwürdig wird es auch wenn, wie kürzlich geschehen, eine Organisation ein Projekt fördert, das ihren Zielen widerspricht weil sie sich nicht mehr in der Lage sieht, die Projekte, die sie finanziert, zu evaluieren. Wie bitte?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es ist bedauerlich, dass der Staat Nichtregierungsorganisationen und Bürgerinitiativen fördern muss, damit diese arbeiten können. Dass Geld auch Macht und Verantwortung bedeutet wird in Deutschland gerne vergessen. Verantwortung ist lästig und wird delegiert – besonders gerne an den Staat. Und dann wieder von dem Staat an „Nichtregierungsorganisationen“. Stiftungen? Ja, aber bitte vom Staat finanziert. Oder wenigstens im Rahmen eines definierten Programmes mitfinanziert. So wird bürgerschaftliches Engagement gesteuert: von Menschen, die nicht wissen was sie tun – oder nur zu genau wissen, was sie tun? Welche der beiden Varianten die unangenehmere ist lässt sich schwer sagen. Nur eins: Ohne Staat scheint es in Deutschland nicht zu gehen. Deutsche Millionäre gehen so weit zu fordern, der Staat möge ihre Steuern erhöhen – wahrscheinlich weil sie nicht wissen, was sie mit ihrem Geld anfangen sollen. Das ist nicht gut. In Amerika finanzieren sich Nichtregierungsorganisationen privat– und sie sind daher eine tatsächlich unabhängige Kraft im Kampf um die Bürger- und Menschenrechte. Bürgerschaftliches Engagement braucht Mäzenatentum und privates Kapital. Sonst ergeht es uns in Deutschland auch so, wie derzeit in Europa: wir verwandeln uns in eine Diktatur der bürokratischen Vorgaben. Wir haben, so scheint es mir manchmal, in Deutschland ein sehr spezifisches Problem: Das Glücks- und Freiheitsgen ist zusammen mit den Kämpfern für die freiheitlichen Menschenrechte in die USA ausgewandert. Zurück geblieben ist Betroffenheit und ein Blick, der starr auf die Vergangenheit statt in die Zukunft gerichtet ist. Auch wenn es manchmal schon so scheint: aus den Ruinen auferstanden sind wir noch lange nicht.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-6716695826897236592?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6716695826897236592'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6716695826897236592'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/12/fordern-wir-was-wir-fordern.html' title='Fördern wir was wir fordern? Betrachtungen zum Tag der Menschenrechte'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-6534737537272029723</id><published>2011-11-20T10:52:00.001-08:00</published><updated>2011-11-20T10:54:40.626-08:00</updated><title type='text'>Für immer jung</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Für immer jung. 50 Jahre Deutscher Jugendfilmpreis&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Kooperation mit dem Kinder- und Jugendfilmzentrum Deutschland&lt;span style="font-style:italic;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nomen est omen? „Für immer jung“ ist der Titel der Ausstellung, mit der das Deutsche Historische Museum seinen neuen Präsidenten Professor Dr. Alexander Koch begrüßt. Der Generationswechsel ist vollzogen, und eine kurzweilige aber umfangreiche Ausstellung, die schon länger geplant war, hat Einzug in den Pei-Bau gehalten. Ein „kollektives Fotoalbum der Jugend“, ergänzt durch DDR-Jugendfotografien präsentieren die Ausstellungskuratoren Dr. Christin Pschichholz und Dr. Dieter Vorsteher-Seiler – und damit einen Gang durch die jüngste deutsche Geschichte.  Zu sichten und in stringente Zusammenhänge zu bringen waren etwa 10.000 Fotos von 2.500 Preisträgern – der Ausstellungsbesucher ist mit der Auswahl der ca. 600 Fotografien auf 1000 Quadratmeter Ausstellungsfläche gut bedient. Die liebevoll gestalteten Räume, die Sichtachsen ermöglichen und Motive spiegeln, laden zum Verweilen und Entdecken ein.&lt;br /&gt;1961 wurde der Preis ausgerufen, seit 1974 gibt es eine genaue Statistik. Das Ziel: Förderung der Medienkompetenz, die Handlungs- und kommunikative Kompetenz der Jugendlichen stärken. Experimentieren und Dokumentieren: Lebensgefühl und die zeitgenössischen Stimmungen sind das, was in erster Linie in die Fotos eingeflossen ist. Der Betrachter findet vereinzelt wahre Kunstwerke. Und gewinnt viele Eindrücke, die Erkenntnisse vermitteln und den eigenen Horizont erweitern können. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall, auch wenn der Titel der Ausstellung wohl Wunschdenken ist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;2. November 2011 bis 5. Februar 2012 Ausstellungshalle des Deutschen Historischen Museums; ÖFFNUNGSZEITEN: Täglich 10.00 - 18.00 Uhr, 24. und 25. Dezember geschlossen. Zur Ausstellung ist ein Katalog im DruckVerlag Kettler erschienen. Er kostet 25,80 Euro und hat 312 Seiten.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;a href="http://www.dhm.de/ausstellunge/fuer-immer-jung/ausstellung.html"&gt;http://www.dhm.de/ausstellungen/fuer-immer-jung/ausstellung.html&lt;/a&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-6534737537272029723?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6534737537272029723'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6534737537272029723'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/11/fur-immer-jung.html' title='Für immer jung'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-8511608046153391602</id><published>2011-11-19T10:54:00.000-08:00</published><updated>2011-11-19T10:55:29.247-08:00</updated><title type='text'>Alternativlos? Anmerkungen zur Lage der Nation</title><content type='html'>Politikverdrossenheit ist Trend. Das ist nicht seltsam, wenn man betrachtet, wie die Politik agiert: nur selten bereit, zuzuhören und immer bereit, die eigene Macht auszubauen und zu verteidigen. Kann das auf die Dauer gut gehen?&lt;br /&gt;Anfang der achtziger Jahre probten die Grünen den Aufstand. Sie zogen ins Parlament – und sie entwickelten sich zu einer konservativen Partei, die sich liberale Werte zwar auf die Fahnen schrieb, sie zugleich aber mit den Füßen trampelte. Andersdenkende haben es schwer: Wie es sich anfühlt, wenn die Grünen an der Macht sind, bekommen die Berliner in Kreuzberg zu spüren, wo Bürgerrechte und Toleranz wenig zählen, wenn es um das vermeintlich Gute geht. Wie hieß das einst so schön in einem deutschen Lied? „Macht kaputt was Euch kaputt macht“. Rio Reiser und seine Band „Ton Steine Scherben“ standen für das Lebensgefühl einer Generation, deren Selbstverständnis in Folge der grauenhaften und oftmals unverständlichen Vergangenheit ihrer Elterngeneration erschüttert war. Protest gegen gesellschaftliche Normen und Hadern mit der eigenen Geschichte – das wurde Teil einer Jugendbewegung, die in eigenen Zirkeln zu einer Generation heranwuchs, die mit einem partiellen Realitätsverlust lebt. Alternativen? An die glaubte man zwar, allein: man fand sie nicht. Nur einer hat es wirklich geschafft: Er wurde vom Straßenkämpfer zum Staatsmann und kann nun die Pfründe seiner einstigen Macht genießen. &lt;br /&gt;Und nun? Protest 2.0: In Berlin schaffte es die Piratenpartei am 18. September 2011 aus dem Stand ins Parlament: 8,9 Prozent berlinweit – damit hatte niemand gerechnet. Das ist wohl weniger den Inhalten der Partei zu verdanken, die nun dabei ist, eine funktionierende Struktur aufzubauen und sich Gedanken um ihre politische Agenda zu machen, sondern mehr der allgemeinen Politikverdrossenheit. Ein Kollege von mir, ein Naturwissenschaftler und junger Familienvater, der sich am nächsten Tag als entsprechender Wähler outete, erklärte auf mein Statement, dass das Wahlprogramm ja wohl nur sehr lückenhaft und zudem die Forderungen wie etwa nach kostenloser Nutzung des Öffentlichen Personennahverkehrs nicht realistisch gewesen seien, ohne mit der Wimper zu zucken: „Sie werden schon was machen“. Politik als Überraschungspaket? Wir leben in einer Demokratie, in der wir uns ganz offenbar so sicher fühlen, dass es uns egal ist, was eine Partei macht – Hauptsache, es ändert sich was, denn: zufrieden sind wir nicht mit der Politik. Das erklärt auch, wie es gelang, in erheblichem Maße Nichtwähler zu mobilisieren und potentielle Nichtwähler von anderen Parteien abzuziehen – allen voran von den Grünen, ehemals „Alternative Liste“ mit 16.000 Stimmen, gefolgt von der SPD, der Linken, aber auch noch immerhin 6.000 von der FDP, die offenbar von den Bürgern derzeit als wenig liberale Alternative empfunden wird. Und das, obwohl die Wirtschaft boomt und es dem Land besser geht als in den Jahren davor. An dem subjektiven Wohl- bzw. Unwohlbefinden des Einzelnen scheint das nichts zu ändern, zumal die Presse Regierungserfolge lieber tot schweigt. &lt;br /&gt;Protest 2.0: In Polen schaffte die „liberale Protestpartei“ (Welt online vom 10.10.2011) „Ruch Palikota“ mit sensationellen zehn Prozent aus dem Stand den Einzug in das Parlament – landesweit. Spitzenkandidatin ist eine transsexuelle Politikerin, die vom Mann zur Frau wurde. Das alleine deutet noch nicht auf Liberalität hin, aber es ist zumindest ein Zeichen, dass auch hier ein politischer Aufbruch stattfindet und alternative Angebote zum festgefahrenen Politikbetrieb in der Lage sind, einen nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung zu mobilisieren. Willkommen in Europa!&lt;br /&gt;Derweil ist es mit Protestwählen alleine nicht getan – die Proteste sind auch handfest und real. Demonstrationen erfreuen sicher wieder steigender Beliebtheit: Atomkraft, „Freiheit statt Angst“, Stuttgart 21, der neue Berliner Flughafen und am 15. Oktober eine internationale Großdemonstration „for global change“ (gegen Ausbeutung, gegen soziale Ungerechtigkeit, gegen eine finanzmarkthörige Politik und für basisdemokratische Teilhabe) – alle großen Projekte, die Veränderungen – und damit sicher auch Gefahrenpotentiale oder zumindest Unruhe in sich bergen – werden von massivem Widerstand begleitet, gegen den sich die Politik bislang arrogant hinwegsetzen konnte. So ist der geforderte „Wechsel“ auch weniger als Aufbruch denn als Empörung gedacht – in erster Linie gegen die Politik und besonders gegen die Banken, deren Machtgebahren die Geduld ihrer Kunden derzeit arg strapaziert und die Politik in Bedrängnis bringt, die mehr oder weniger bedingungslos beispielsweise für die privaten Spareinsätze haftet. &lt;br /&gt;Sicherlich sind nicht alle politischen Maßnahmen für den Bürger auf Anhieb verständlich. Auch ist es versäumt worden, Sinn und Zweck politischer Maßnahmen immer ausreichend zu kommunizieren. Allerdings: Widerstand gegen Veränderungen gab es immer – so zum Beispiel schon gegen den Bau der Berliner Kanalisation im 19. Jahrhundert – und Überzeugungsarbeit ist unbequem. Vielleicht zählen Argumente für Fortschritt auch weniger wenn man satt ist, ein Dach über dem Kopf hat und im großen und ganzen eher zufrieden ist mit seinem Leben – denn Veränderung ist immer auch unbequem, selbst wenn Leben und Fortschritt ohne sie nicht möglich ist. Nachgedacht wird derweil auch in der Politik sehr ernsthaft darüber, wie der Bürger wieder mehr in politische Entscheidungen einbezogen werden kann – denn Arroganz der Macht erodiert auf lange Sicht die Demokratie. Und die Gewaltenteilung erscheint oftmals nur noch als Feigenblatt, wenn an entscheidenden Positionen ausschließlich Menschen mit genehmen Parteibüchern platziert werden, die nach Möglichkeit keine eigene Meinung haben und ihr Gewissen der Parteiräson unterordnen.&lt;br /&gt;Wir leben heute in einer globalisierten Welt, die für unsere Großeltern noch jenseits der Vorstellungsmöglichkeiten war, und die nicht nur mit Hilfe des Internets, sondern auch mit schnellen Verkehrsmitteln Geschwindigkeit zu einem wesentlichen Faktor für Handeln macht. Dabei bleibt die Nachhaltigkeit gelegentlich außen vor. Das ist bedauerlich. Derzeit zeigt die Eurokrise, dass Einigkeit und putative Alternativlosigkeit nicht immer die besten politischen Ergebnisse bringt. Opfer der Rettungsversuche: Griechenland, das dank gefälschter Bilanzen Mitgliedsland des Euro – der europäischen Währungsunion wurde. Unterschiede sind dazu da, überwunden zu werden, und sicher war es gut gemeint, die Griechen trotz Bedenken in den Währungsbund einzubeziehen – die Praxis zeigt jedoch, dass dieses Vorgehen aller Voraussicht nach ein böser Irrtum war – die Unterschiede waren eben zu groß. Umkehren? Daran mag keiner denken. Der ESM-Vertrag liegt unterschriftsreif bereit und es ist eine Frage der Zeit, dass er ratifiziert wird. Ein Vertrag, der allerdings Fragen aufwirft: Transparenz und Verantwortung werden damit abgeschafft, ein weiteres bürokratisches Monster geschaffen, dessen Kontrolle qua Amtes quasi unmöglich ist – ein schlechtes Zeichen für das Demokratieverständnis der Beamten und Politiker, die an der Ausarbeitung beteiligt waren. Wer aufbegehrt wird entweder in die rechte Ecke geschoben nach dem Motto „ewig gestrige Euro-Gegner“ oder als Abweichler diffamiert und nach Möglichkeit mundtot gemacht - der Stil, den sich die Politik in Deutschland angeeignet hat, ist nur noch schwerlich zu ertragen. Nachdem Bundestagspräsident Norbert Lammert in demokratischem Selbstverständnis den Abweichlern bei einer Debatte am 29. September über die Freigabe einer weiteren Tranche des „Eurorettungsschirms“ Redezeit einräumte, die ihre Fraktionen ihnen nicht zugebilligt hatten, wurde von seinen Parteigängern die Untersuchung dieses Vorfalls durch externe Gutachter gefordert: Volksvertreter dürfen öffentlich reden auch wenn sie eine von ihrer Fraktion abweichende Meinung haben? Skandal!&lt;br /&gt;Sicher: wir brauchen die Europäische Union, wir brauchen auch den Euro, aber ganz genauso  brauchen wir eine funktionierende Demokratie und ein System – die Piraten nennen das im Neudeutsch des Computerzeitalters so schön ein „politisches Betriebssystem“, das zum Funktionieren beiträgt und Korruption, Filz und die Möglichkeit von Vetternwirtschaft soweit wie möglich verhindert. Das ist zwar bitter, weil es unter Umständen in bestehende Machtverhältnisse eingreift, es gilt aber zu bedenken, dass Macht nie etwas auf Dauer angelegtes ist und dass es immer Änderungen im Machtgefüge geben wird. Und in der Opposition kann man dann nur froh darüber sein, wenn Einsicht, Kontrolle und die Möglichkeit gegeben sind, die Funktionsträger, die an wichtigen Schaltstellen sitzen, auch zur Verantwortung zu ziehen – denn nur so funktioniert Demokratie. Der ESM-Vertrag sieht das nicht vor – er schafft eine weitere Behörde, dies autark, sanktionsfrei und nur scheinbar kontrolliert wirtschaften und über einen nicht ganz unbeträchtlichen Etat von über 700 Milliarden Euro verfügen soll – der „erweiterte Rettungsschirm“. Der Gedanke an ein „Ermächtigungsgesetz“ kann sich da schon aufdrängen.&lt;br /&gt;Macht korrumpiert. Ohnmacht macht machtlos – und wo die Hoffnung gestorben ist, stirbt auch ein Teil des Verstands. Und verursacht ein Problem, mit dem wir immer wieder und immer mehr zu kämpfen haben werden: Extremismus und Terrorismus in seinen verschiedensten schillernden Formen und Farben. In Berlin hat er gerade mit einer überheblich-arroganten Anti-Macht-Anmaßung nach dem etwas wirren Motto „Wir sind im Krieg, wer Widerstand leistet, ob friedlich oder militant, wird von bewaffneten Klonen niedergemacht. Sie haben Waffen, wir das Feuer“ ein „Hekla-Empfangskomitee“ (benannt nach dem isländischen Vulkan) glücklicherweise erfolglos versucht, Berlin in den „Pausenmodus“ zu versetzen. Die meisten Brandsätze zündeten nicht, ein zerstörter Verteiler auf der Bahnstrecke Berlin-Hamburg sorgte allerdings für erhebliche Verspätungen und empfindliche Einschränkungen im Bahnverkehr. Dass von den Folgen weniger die als Zielgruppe avisierten Politiker betroffen waren sondern vielmehr normale Bürger, scheint den Urhebern egal gewesen zu sein. Auch die Tatsache, dass sie Menschen, die einer ihnen nicht genehmen Tätigkeit nachgehen das Menschsein absprechen, indem sie sie in Manier eines traditionellen Herrenmenschendenkertums als Klone bezeichnen, ist befremdlich, wenn auch nicht wirklich überraschend. Wenn das kein Rassismus ist, was dann? Teile des Manifests lassen sich dabei als zumindest partiell wahrscheinlich durchaus mehrheitsfähige und legitime Kritik an bestehenden Verhältnissen lesen – wenngleich die zugrundeliegende Implikation „Krieg dem Krieg“ einem simplifizierenden Trugschluss unterliegt: „Jeden Tag werden über die Schienen Waffen und Kriegslogistik transportiert. Mit unseren Tickets finanzieren wir dies mit. Jeden Tag werden in der europäischen Hauptstadt Geschäfte abgeschlossen, die den Hunger und die weltweite Verelendung verlängern und vergrößern. Während eine Milliarde Menschen hungern wird dazu gepflegt gefeiert. Jeden Tag werden Menschen, meist Frauen und Kinder, vergewaltigt. Meistens von Männern. In Kriegen immer. Das hat nichts mit Dir zu tun? &lt;br /&gt;Jeden Tag ist jedes fünfte Kind in Berlin von Armut bedroht. Normal. Jeden Tag zerbrechen Menschen am Leistungsdruck und Arbeitszwang. Burn Out. Jeden Tag landen Schwarzfahrer_innen im Knast, weil sie sich die kostenlose Beförderung „erschlichen“ haben. In Berlin sind 60% der Ersatzfreiheitsstrafe Absitzenden Schwarzfahrer_innen. Jeden Tag werden Hartz IV-Bezüge gekürzt, während Menschen die Mülltonnen nach Verwertbaren durchsuchen. Alltag. Jeden Tag läuft was grundsätzlich falsch.“&lt;br /&gt;Politisch korrekte Schreibweise, wie sie auch in den Amtsstuben von Friedrichshain-Kreuzberg mit Rücksicht auf das „dritte“ Geschlecht gepflegt wird. Was schon ein erstaunliches Schubladendenken voraussetzt. Ja, es ist ärgerlich, dass es schwer ist, die Welt zum Guten zu verändern. Es ist noch ärgerlicher, dass noch immer Frauen die Leidtragenden sind. Dass dies in unserer Gesellschaft besser geworden ist, war ein langer Kampf, der in anderen Teilen der Welt noch ausgefochten werden muss. Soweit scheinen die Verfasser des Manifests nicht zu denken. Auch nicht daran, dass der Hunger weltweit bekämpft wird, wozu technischer Fortschritt – auch auf der Grundlage von Geschäften – ganz erheblich beiträgt. Ganz offensichtlich leiden sie allerdings unter Schuldgefühlen und Angst vor der Zukunft, und sie haben die Hoffnung auf politische Veränderung aufgegeben, wenn sie schreiben: &lt;br /&gt;„Zur prägenden Kategorie dieses Alltags wird die „Alternativlosigkeit“. Die Energieversorgung der Metropole, ob sie nun atomare Verseuchung oder den Kollaps des Weltklimas mit sich bringt, sei alternativlos. Die Abschottung Europas gegen diejenigen, die am Reichtum teilhaben wollen, die Angriffe auf die erkämpften sozialen Standards, die Privatisierungen: alternativlos. Drei Jobs gleichzeitig und das Geld reicht trotzdem nicht: alternativlos.&lt;br /&gt;In der Finanz- und Schuldenkrise scheint die Alternativlosigkeit zum Dogma geworden zu sein. Die Märkte als übermächtiges Gefüge, dessen Vorgaben zu erfüllen alternativlos sei ...&lt;br /&gt;Die Funktionsfähigkeit dieser Gesellschaft aufrecht zu erhalten, bedeutet die Katastrophe, auf die diese Gesellschaft hinausläuft, alternativlos zu machen. In diesem Sinne ist die Krise keine Krise und die Katastrophe gar keine Katastrophe. Krise und Katastrophe sind der Normalzustand in einer Gesellschaft, in der Krisen und Katastrophen als alternativlos gelten.“&lt;br /&gt;Dem muss ganz entschieden widersprochen werden: Es gibt immer Alternativen. Und ohne die Funktionsfähigkeit der Gesellschaft nutzt aller „erkämpfter“ (?) sozialer Standard nicht – denn der erkämpfte soziale Standard beruht immer noch auf der Arbeit einzelner Menschen. Manche Dinge erfordern ihre Zeit. Viele gesellschaftliche Veränderungen gehen in Wellen. Es gibt Fortschritte und Rückschritte. Am Ende allerdings hat die Geschichte gezeigt, dass Nutzen und Fortschritt überwiegen: Strom aus der Steckdose, fließend warmes Wasser, Zentralheizung, öffentliche Verkehrsmittel, Telekommunikation – kaum jemand wird auf diese zivilisatorischen Errungenschaften noch verzichten wollen. Sie sind das Ergebnis jahrzehntelanger Aufbauarbeit. Sie führen allerdings auch zu einer Abhängigkeit des Individuums, die deutlich stärker ist als das Leben in Zeiten der Kohleofenheizung, wo man sich den Kohlehändler aussuchen konnte und es warm hatte, wenn man regelmäßig selbst für den Nachschub sorgte. Allerdings: Feuer in der Höhle hatte nur, wer Feuer machen konnte …&lt;br /&gt;Nicht nur das vernetzte Leben, auch das Zusammenrücken der Welt erfordert globale Strategien. Ganz sicher erfordert es keine Brandstifter. Die Welt wird eben, das hat die Vergangenheit gezeigt, eher in kleinen Schritten besser. Sonst gibt es einen Ruck und sie gerät aus dem Gleichgewicht. Terrorismus, in welcher Form auch immer, erhebt einen totalitären Anspruch, dem sich jeder Mensch, der selbstbestimmt und in Freiheit leben möchte, auf das energischste widersetzen muss.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-8511608046153391602?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/8511608046153391602'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/8511608046153391602'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/11/alternativlos-anmerkungen-zur-lage-der.html' title='Alternativlos? Anmerkungen zur Lage der Nation'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-3716874734273929402</id><published>2011-07-26T11:50:00.000-07:00</published><updated>2011-08-14T12:45:11.776-07:00</updated><title type='text'>Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat. Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum</title><content type='html'>Einmal mehr beherbergt das Deutsche Historische Museum eine Ausstellung, die in enger Kooperation mit einer externen Einrichtung zustande kam: der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster.  Die Initiative hierzu ging von den Innenministerien der Länder aus, die auf der Innenministerkonferenz am 18. April 2008 den Beschluss zur Initiierung des Projekts „Die Polizei im NS-Staat“ fassten. Denn: Polizei ist Ländersache.  Idealerweise soll aus der Ausstellung eine Wanderausstellung entstehen, damit das Thema auch nach dem Ende der Ausstellung in der Öffentlichkeit wahrgenommen und diskutiert wird. Darüber hinaus bildet die Ausstellung eine Grundlage für Unterrichtsmaterialien, die in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung zur Verwendung bei der Polizeiausbildung  erstellt werden. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eines vorweg: Es ist bedauerlich, dass die Resonanz auf diese Ausstellung im Vergleich zu der Ausstellung über Hitler doch deutlich geringer ist. Denn im Gegensatz zu der Ausstellung, die dem DHM ein volles Haus bescherte, hat sie sich intensiv damit auseinandergesetzt, wie es geschehen konnte, dass ganz normale Menschen, die bis dato unbescholten ein normales Leben gelebt hatten, zu Tätern in einem Terrorregime wurden – eine Epoche der deutschen Polizeigeschichte, die viele sicher gerne vergessen würden. Denn die Polizei spielte eine tragende Rolle im NS-System, so wie andere Berufsgruppen auch (dazu gehören besonders die Justiz, die Medizin und die Universitätsprofessoren). Dennoch: es ist gut und wichtig, dass eine Auseinandersetzung und Aufarbeitung im Kontext mit der deutschen Geschichte unternommen wurde: Besser spät als gar nicht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Welche Lehren können wir ziehen? Die Antwort ist simpel: Es gibt immer eine Handlungsoption, wie es auch die Gedenkstätte „Stille Helden“ zeigt, die das Leben von Menschen dokumentiert, die diese Option wahrgenommen und Menschenleben gerettet haben. Es ist kein Fall bekannt, in dem die Weigerung, an einer Erschießungsaktion teilzunehmen aktiv bestraft wurde. Sicher herrschte ein sozialer Druck und es war der persönlichen Karriere nicht förderlich. Dennoch: Jede Diktatur kommt einmal zum Ende … &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut und sie veranschaulicht dabei eindrucksvoll den schleichenden Prozess, den der Polizeiapparat nahm, um von einem modernen demokratischen Apparat zu einem Machtinstrument der Diktatur zu werden, das sich auf grenzenloses Morden spezialisierte. So wurde schon frühzeitig mit der in der Weimarer Republik etablierten Devise „Die Polizei Dein Freund und Helfer“ Schluss gemacht: Ein eindrucksvolles Foto (März 1933, Süddeutsche Zeitung) zeigt den jüdischen Rechtsanwalt Michael Siegel, der nach einer Beschwerde im Polizeipräsidium von der SA misshandelt und mit einem Schild durch die Straßen von München geführt wurde; auf dem steht in eher unbeholfener Handschrift: „Ich werde mich nie mehr bei der Polizei beschweren“. Ein weiteres Indiz dafür, wie ein mit perfider Zielsetzung erzeugter Gruppendruck zu sozialer Ausgrenzung genutzt wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Viele Karrieren verliefen gradlinig, und gingen auch nach dem Ende der Diktatur weiter. Werner Best, Leiter der Ämter Personal und Organisation, Verwaltung und Recht im Reichssicherheitshauptamt beispielsweise war in der Bundesrepublik nach Gefangenschaft und Prozess in Dänemark wieder als Jurist tätig. Adolf von Bomhard, Leiter des Kommando-Amtes im Hauptamt Ordnungspolizei, machte nach seiner Kriegsgefangenschaft Karriere als Bürgermeister in Prien am Chiemsee.  Widersprüchlicher dagegen verlief das Leben von Arthur Nebe, Leiter des Amtes Verbrechensbekämpfung (Kripo) im Reichssicherheitshauptamt. Als Direktor der Internationalen Kriminalpolizeilichen Kommission von 1938-1944 beteiligte er sich maßgeblich an der Entwicklung von Massenvernichtungsmitteln; so führte er unter anderem die ersten Experimente mit Kohlenmonoxid zur Ermordung Gefangener durch.  Die Experimente mit Sprengstoff hatten sich als unpraktisch erwiesen. Nebe war gleichzeitig auch in den Widerstand vom 20. Juli eingebunden.  Am 2. März 1945 wurde er durch den Volksgerichtshof verurteilt und wahrscheinlich am 3. März in Berlin-Plötzensee hingerichtet. In seinem Nachlass fand sich ein kurzer Film, der die Mordversuche an der Ostfront dokumentierte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ausstellung endet mit der Wiederkehr der verdrängten Vergangenheit. Dabei geht es um Neubeginn und Legendenbildung. Zum Schluss werden Fragen und Antworten an die Wand projiziert, die dazu geeignet sind, Vorurteile auszuräumen. Etwa: „Nicht alle Polizisten waren Nazis. Aber überdurchschnittlich viele Polizisten waren Angehörige der Partei“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wer die Gelegenheit hat, sollte sich die Ausstellung noch ansehen. Es ist ein ausführlicher Katalog erschienen mit einführenden Essays, der die Geschichte ebenfalls anschaulich dokumentiert. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat&lt;br /&gt;Eine Ausstellung der Deutschen Hochschule der Polizei &lt;br /&gt;und des Deutschen Historischen Museums&lt;br /&gt;Projektleitung: Dr. Wolfgang Schulte, Dr. Detlef Graf v. Schwerin &lt;br /&gt;Kuratoren: Florian Dierl, PD Dr. Mariana Hausleitner, Martin Hölzl, Andreas Mix&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1. April bis 28. August 2011, täglich 10:00-18:00 Uhr&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Katalog „Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat“ ist im Sandstein Verlag erschienen. Er kostet 19,80 Euro und hat 320 Seiten.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Das Katalog kann per E-mail (verkauf@dhm.de) über den Shop des Museums online bestellt werden, zzgl. 6 € Versandkosten.&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-3716874734273929402?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/3716874734273929402'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/3716874734273929402'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/07/ordnung-und-vernichtung-die-polizei-im.html' title='Ordnung und Vernichtung - Die Polizei im NS-Staat. Eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-1420325066007726558</id><published>2011-07-24T03:03:00.000-07:00</published><updated>2011-07-24T03:10:03.339-07:00</updated><title type='text'>Rede zum 20. Juli 2011 am Mahnmal des BVN Berlin</title><content type='html'>&lt;a onblur="try {parent.deselectBloggerImageGracefully();} catch(e) {}" href="http://2.bp.blogspot.com/-HcCrEYyRrvc/TivuvwgZ13I/AAAAAAAAGKU/bdcKUU8oOig/s1600/P7200016.JPG"&gt;&lt;img style="float:left; margin:0 10px 10px 0;cursor:pointer; cursor:hand;width: 320px; height: 240px;" src="http://2.bp.blogspot.com/-HcCrEYyRrvc/TivuvwgZ13I/AAAAAAAAGKU/bdcKUU8oOig/s320/P7200016.JPG" border="0" alt=""id="BLOGGER_PHOTO_ID_5632858263199012722" /&gt;&lt;/a&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Heute vor 67 Jahren scheiterte das Attentat weniger mutiger Männer auf Adolf Hitler. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nicht nur Wissenschaftler stellen sich immer wieder die Frage, wie die Geschichte verlaufen wäre, wäre es erfolgreich gewesen. Diese Frage wird unbeantwortet bleiben. Dennoch: die Frage ob Tyrannenmord ein legitimes politisches Mittel sein darf wird - seit Aristoteles - immer wieder diskutiert. Die Meinungen darüber sind vielfältig. Sie reichen von der prinzipiellen Ablehnung bis zur kompromisslosen Befürwortung. Das Deutsche Grundgesetz bietet mit Artikel 20 eine legitime Basis für den Widerstand. Und die Frage stellt sich bei allen Diktatoren, die ihr Volk knechten und einer friedlichen Lösung im Wege stehen immer wieder neu –davon gibt es derzeit nicht wenige, wenn man die Lage in manchen arabischen Ländern betrachtet: Die Tötung Osama bin Ladens löste eine neue Debatte aus.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Welt ist allerdings komplexer geworden, die Gefahren durch Al Quaida sind durch den Tod bin Ladens nicht gebannt. Und es sieht so aus, als ob auch der „arabische Frühling“ nicht mit der Freiheit des Einzelnen, sondern mit der Tyrannei der Islamisten enden könnte. Die Probleme sind vielfältig und neu, und doch dürfen wir die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich alles zum Guten wendet – auch wenn die Lage manchmal hoffnungslos erscheint.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gerade vor kurzen hat Stanley Greenberg in Kooperation mit dem in der Westbank ansässigen Palestinian Center for Public Opinion (PCPO) eine repräsentative Erhebung unter 1.010 Erwachsenen in den Autonomiegebieten durchgeführt. Die Ergebnisse dürften den  politischen Führern der Palästinenser durchaus passen:  73% der Palästinenser wollen demnach die Juden ausgerottet sehen, 80 Prozent schließen sich gar einem weiteren Auszug aus der Charta der Hamas an, demzufolge es der Bataillone aus der arabischen und islamischen Welt bedarf, um die Juden zu besiegen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das sind Daten einer gerade veröffentlichten Umfrage. Sie zeigt: Auch heute ist Freiheit nicht umsonst zu haben. Gestern abend liefen mir zwei Jungs über den Weg, die in irgendwelche Streitigkeiten verstrickt waren und ich hörte nur wie der eine zu dem anderen sagte: „Wenn … dann hole ich meinen großen Bruder“ – das saß, der Kumpel war eingeschüchtert. Schön, wenn es einen großen Bruder gibt. Was aber wenn nicht?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Verschwörer vom 20. Juli hatten ein Ziel: Der Mensch sollte als eigenverantwortliches Wesen wieder in den Mittelpunkt gestellt werden. Das ist die Lehre, die wir aus ihrem Handeln ziehen können: wir müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen. Das fällt nicht immer leicht. Friedrich Nietzsche sagte – ich zitiere aus „Jenseits von Gut und Böse“: "Wer mit Ungeheuern kämpft, mag zusehn, dass er nicht dabei zum Ungeheuer wird. Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist die bittere Wahrheit. Gerade deshalb ist es wichtig, die Teile der Zivilgesellschaft zu stärken, die in Frieden und Freiheit in einer Welt leben wollen, in der die universellen Menschenrechte und individuelle Freiheit als gemeinsamer Wertekompass zählen. Das gilt auch für die Schaffung eines palästinensischen Staates, die nur fehlschlagen kann, wenn sie Strukturen schafft, mit denen die Bevölkerung durch Unterdrückung noch effektiver zum Hass gegen einen unerwünschten Nachbarn erzogen werden kann. Schon Schiller stellte fest: "Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, // Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." - Wilhelm Tell IV,3 / Tell. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir Berliner blicken auf eine lange Tradition zurück, die nicht immer einfach war. Es wechselten Zeiten der Toleranz und der Tyrannei. Aber wir Westberliner waren in unserem Glauben an die Freie Welt unerschütterlich. Im Sommer 1950 wurde der Beschluss gefasst, im Turm des Schöneberger Rathauses eine Freiheitsglocke aufzuhängen. Über 16 Millionen Amerikaner spendeten und unterzeichneten den Freiheitsschwur:&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;"Ich glaube an die Unantastbarkeit und an die Würde des einzelnen Menschen. - Ich glaube, dass allen Menschen von Gott das gleiche Recht auf Freiheit gegeben wurde. - Ich schwöre, der Aggression und der Tyrannei Widerstand zu leisten, wo immer sie auf Erden auftreten werden.- Ich bin stolz darauf, am Kreuzzug für die Freiheit teilgenommen zu haben. - Ich bin stolz darauf, dass ich zur Herstellung der Freiheitsglocke beigetragen habe und diese Freiheitserklärung unterschrieben habe, dass mein Name nun ein ewiger Bestandteil des Freiheitsschrein in Berlin sein wird, und dass ich mich den Millionen Männern und Frauen in der ganzen Welt angeschlossen habe, denen die Sache der Freiheit heilig ist."&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mit diesem Schwur bin ich aufgewachsen – zumindest die ersten drei Sätze wurden jeden Sonntag im Rias verlesen, zusammen mit dem Glockenläuten.&lt;br /&gt;Stauffenbergs letzte Worte sollen der Ausruf „Es lebe das heilige Deutschland” gewesen sein. Heilig ist out, Unheilig ist Zeitgeist. Trotzdem sollten wir die Freiheit, die wir haben, nicht als gegeben hinnehmen, sondern dankbar für sie sein. Wir genießen sie – auch im unheiligen Zeitgeist. Wenn wir sie behalten wollen, müssen wir in der Lage sein, sie zu verteidigen. So wie es unsere Bundeswehrsoldaten heute Abend geloben werden. Sie verdienen unser Ansehen und unseren Respekt – und unsere Dankbarkeit für ihre Bereitschaft, diese Verteidigung im Notfall nicht nur mit Worten, sondern auch mit Waffen zu übernehmen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir haben keinen großen Bruder mehr, der uns hilfreich zur Seite springt. Wir sind erwachsen geworden und werden selbst zur Hilfe gerufen. Mag das Gedenken am heutigen Tag dazu beitragen, dass wir uns der Bedeutung der Eigenverantwortung bei allen unseren Entscheidungen und Handlungen aktiv bewusst werden. Damit das Leiden unserer Vorfahren nicht umsonst gewesen ist und auch künftige Generationen in Freiheit leben können. Wir gedenken heute am 67. Jahrestag des 20. Juli unserer Toten, die ihr Leben gegeben haben: Für die Freiheit des Einzelnen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Nikoline Hansen, Vorsitzende BVN Berlin e.V.&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-1420325066007726558?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/1420325066007726558'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/1420325066007726558'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/07/rede-zum-20-juli-2011-am-mahnmal-des.html' title='Rede zum 20. Juli 2011 am Mahnmal des BVN Berlin'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author><media:thumbnail xmlns:media='http://search.yahoo.com/mrss/' url='http://2.bp.blogspot.com/-HcCrEYyRrvc/TivuvwgZ13I/AAAAAAAAGKU/bdcKUU8oOig/s72-c/P7200016.JPG' height='72' width='72'/></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-6122890745229713799</id><published>2011-07-12T14:58:00.000-07:00</published><updated>2011-07-12T15:00:15.134-07:00</updated><title type='text'>60 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - Verantwortung für den Flüchtlingsschutz</title><content type='html'>Am 17. Juni erklärte die europäische Kommission in einer Presseerklärung: „Am 19. Juni wird Cecilia Malmström, EU-Kommissarin für Inneres, an der Eröffnungszeremonie des Europäischen Unterstützungsbüros für Asylfragen (EASO) in Valletta, Malta, teilnehmen. Das neue Büro, das im November 2010 einige seiner Tätigkeiten aufgenommen hat, ist ab Sonntag in vollem Umfang einsatzbereit. Das EASO wurde eingerichtet, um die praktische Zusammenarbeit in Asylfragen zu intensivieren und die Mitgliedstaaten bei der Erfüllung ihrer EU-weiten und internationalen Verpflichtungen zum Schutz von Menschen in Not zu unterstützen. &lt;span style="font-style:italic;"&gt;„Ich bin sehr glücklich, das Europäische Unterstützungsbüro für Asylfragen eröffnen zu dürfen. Das Unterstützungsbüro, das sich mit operativen und praktischen Fragen der Asyl- und Migrationspolitik auseinandersetzt, ist von großer Hilfe für die Mitgliedstaaten, da es die praktische Zusammenarbeit in allen Bereichen der Bewertung von Asylanträgen und der Aufnahme von Asylsuchenden erleichtert. Es unterstützt Mitgliedstaaten, die sich unerwarteten Zuströmen von Asylsuchenden gegenüber sehen, bzw. die ihr Asylsystem einfach gerechter und effizienter gestalten müssen. Das Büro ist ein unverzichtbares Instrument auf dem Weg zu einem umfassenderen und schützenderen gemeinsamen europäischen Asylsystem. Da die Verfahren zur Aufnahme von Asylsuchenden je nach EU-Mitgliedstaat sehr unterschiedlich sind, müssen wir viel mehr dafür tun, um eine größere Konvergenz zwischen den verschiedenen Konzepten zu erreichen. Das Unterstützungsbüro wird hierzu einen wichtigen Beitrag leisten”, sagte Cecilia Malmström.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, denn damit hat die EU endlich eine zentrale Anlaufstelle für die Flüchtlingsprobleme geschaffen, die auf Europa zukommen. Nicht jeder Flüchtling kann in seine Heimat zurückgeschickt werden. Denn Tatsache ist auch: Ein Mensch verlässt seine Heimat normalerweise nicht ohne Not. Entwicklungshilfemaßnahmen und Kampf gegen den Hunger sind eine Maßnahme um Flüchtlingen vorzubeugen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Nichtgewährung der universellen Menschenrechte sind jedoch ein nur schrittweise politisch lösbares Problem. Angesichts der großen Anzahl korrupter und tyrannischer Unrechtsregime auch in unserer unmittelbaren Nachbarschaft wird es weiter an Bedeutung gewinnen, wenn wir Diskriminierung, Verfolgung und Willkür ungestraft zulassen. Ein Mensch, der diskriminiert, verfolgt oder bedroht wird hat ein Recht auf Hilfe – und damit auch ein Recht auf Asyl. „Mauern verletzen Flüchtlingsrechte“ übertitelt Pro Asyl e.V. (http://www.proasyl.de/ ), ein 1986 gegründeter Verein, der das Thema seit Jahren immer wieder auf die Tagesordnung setzt, in einer anlässlich des “Tag des Flüchtling 2011“ herausgegebenen Broschüre. Dagegen droht Dänemark aus Angst vor illegaler Einwanderung mit einem Rückzug aus dem Schengen-Abkommen, das die innereuropäischen Grenzen durchlässiger gemacht hat.&lt;br /&gt;  &lt;br /&gt;Auf Einladung der Evangelischen Akademie Berlin zu Berlin diskutierten am 20. und 21. Juni in Berlin Vertreter von Nichtregierungsorganisationen mit Politikern über die Erfahrungen mit der Genfer Flüchtlingskonvention und die Zukunft der europäischen Asylpolitik. Dabei wurde deutlich, dass dieses Spannungsfeld zwischen Sicherheitsbedürfnis und humanitärer Hilfe nicht nur ein reales, sondern in vieler Hinsicht auch ein politisches beziehungsweise psychologisches Problem darstellt: Es geht um die Souveränität der Staaten und die eigenen Ressourcen.&lt;br /&gt;Dr. Hans-Peter Friedrich, MdB, Bundesminister des Innern, stellte in seinem Beitrag fest, dass die europäischen Interessen nicht ausgewogen seien – und wies damit auf das ursächliche Problem der europäischen Asylpolitik hin. Denn in der Realität hat Italien deutlich weniger Asylbewerber zu verkraften als Deutschland. Und auf Malta können schon wenige hundert Flüchtlinge das Land überdurchschnittlich belasten – weshalb Deutschland freiwillig über das festgelegte Kontingent von 100 Flüchtlingen hinaus weitere fünfzig Flüchtlinge aufgenommen hat. Das hat, wie die Zahlen zeigen (jährlich kommen etwa 80.000 Asylsuchende nach Deutschland) wirklich kaum mehr als Symbolwert. Friedrich stellte fest, dass man nicht mehr tun könne als ein Zeichen zu setzen; die Bereitschaft zu helfen sei bei anderen europäischen Ländern aber offenbar gering. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Aufnahme von Asylbewerbern ist die eine Seite. Frontex ist die andere Seite der Medaille: eine europäische Agentur mit Sitz in Warschau, die unter dem Motto „Libertas, Securitas, Justitia“ die europäischen Grenzen in einer koordinierten Operation sicherer machen soll. Ein kleiner Stab von derzeit etwa 280 Mitarbeitern ( http://www.frontex.europa.eu/faq/ ) soll dafür sorgen, dass die Außengrenzen der EU undurchlässig werden – so die gängige Meinung der Gegner, die auch vor dem fantasievollen Ausmalen obskurer Verschwörungstheorien auf medialer Ebene nicht zurückschrecken. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Tatsache ist allerdings auch: die Verantwortlichkeit für die Grenzsicherung selbst liegt trotz Frontex noch immer bei den betroffenen Nationalstaaten, und Deutschland hat es in dieser Hinsicht bequem: Als europäische Außengrenzen gelten hier nur die Flughäfen, die von außereuropäischen Ländern aus angeflogen werden. Die Außenstaaten tragen die Verantwortung für die Sicherung der Grenzen also alleine: Griechenland und Italien sind besonders betroffen, aber auch Polen, Rumänien und Bulgarien. Besonders Italien ist in letzter Zeit immer stärker in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit gerückt: dazu trugen die Bilder der Mittelmeerflüchtlinge bei, die auf Booten aus Nordafrika nach Europa gelangen. Bilder, die sich einbrennen und die in vielen Fällen tragisch sind: denn die meisten Boote sind kaum seetauglich und das Risiko bei der Überfahrt zu ertrinken ist hoch. Die Zahl der Toten ist mittlerweile vierstellig. Restriktive Maßnahmen der italienischen Regierung haben dazu geführt, dass Schiffsbesatzungen, die rettend tätig werden könnten, lieber wegsehen und die Menschen dem Tod überlassen. Die UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees), die UNO-Flüchtlingshilfe, die sich im Rahmen der Genfer Flüchtlingskonvention weltweit um Flüchtlinge kümmert, hat deshalb eigens eine Broschüre „Rescue at Sea“ veröffentlicht, in der sie eine prinzipielle Checkliste zum Umgang mit Flüchtlingen auf hoher See zusammenstellt. Die Situation ist in der Tat deprimierend. Und muss einen andererseits erstaunen: Denn wenn man sich die Zahlen der Asylsuchenden ansieht, ist Italien nicht gerade überdurchschnittlich belastet. Die Hauptlast tragen Deutschland und Frankreich mit 40% der in Europa Asylsuchenden.&lt;br /&gt;Fazit: es gibt noch viel zu tun. Asylpolitik bedeutet das Bohren dicker Bretter. Sie ist nicht nur eine Frage der Politik, sondern erfordert auch das Engagement der Zivilgesellschaft, denn: Es geht um das Schicksal einzelner Menschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Nikoline Hansen&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-6122890745229713799?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6122890745229713799'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6122890745229713799'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/07/60-jahre-genfer-fluchtlingskonvention.html' title='60 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention - Verantwortung für den Flüchtlingsschutz'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-1957565143194711550</id><published>2011-05-24T06:28:00.000-07:00</published><updated>2011-05-24T06:29:33.709-07:00</updated><title type='text'>Das Versagen nach 9/11 - Rezension</title><content type='html'>Das Versagen nach 9/11&lt;br /&gt;Mit besseren Strategien gegen den Terror&lt;br /&gt;Ein Standpunkt von Gernot Erler&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Nichts ist mehr wie zuvor“ – das trifft wohl auf viele Eckpunkte der Weltgeschichte zu. Von manchen weiß man es gleich, von manchen erst später. Der 11. September war ein Einschnitt in der Weltgeschichte, dessen Impakt schnell deutlich wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gernot Erler hat seinen Essay sicher vor dem 2. Mai 2011 begonnen, doch hat er die Tötung Osama bin Ladens noch einfließen lassen können – als weiteren Eckpunkt in der Geschichte eines Terrorkampfs, der uns zunehmend beeinflusst und den er als Erfolg im Kampf gegen den Terrorismus nach einer längeren Pause bewertet. Dieser Kampf dauert inzwischen allerdings schon einige Jahre, und er ist uns mal mehr und mal weniger präsent: „Nicht alle Anschläge finden dieselbe Aufmerksamkeit oder bleiben für lange Zeit im Gedächtnis“ (12). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deshalb ist es gut, dass Erler einen kleinen historischen Abriss vornimmt, nicht ohne auf die verschärften Sicherheitsmaßnahmen in Deutschland einzugehen, die nach einer Terrorwarnung im November 2010 zu erheblichen Einschnitten im öffentlichen Leben führten: die Reichstagskuppel wurde gesperrt, Bundestagsmitarbeiter und Politiker zusätzlichen Kontrollen unterzogen, die Offenheit unserer Demokratie ist seitdem eingeschränkt und behindert: Besucher müssen sich vorher anmelden und werden durchleuchtet wie man es sonst nur vom Flughafen oder jüdischen Einrichtungen kennt. Überhaupt: „Bei Überreaktionen drohen Freiheitsverluste und andere Beeinträchtigungen der bisher gewohnten Lebensweise, die – als Fernwirkung bloßer Terrordrohungen – auf die Dauer keine Gesellschaft akzeptieren wird.“ (15) Ja – aber?? Israel lebt schon lange mit Kontrollen in jedem Supermarkt, die Terrorgefahr gehört zur gewohnten Lebensweise, sie ist Alltag geworden und die Gesellschaft hat sehr wohl gelernt sie zu akzeptieren – was wäre die Alternative? Schön und wünschenswert ist das natürlich nicht, und eine hundertprozentige Sicherheit kann es auch nicht geben –das ist wohl wahr. Nur welche Handlungsoptionen ergeben sich daraus? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erler kritisiert die amerikanische Politik, die sich nach dem Anschlag in den Verteidigungsfall versetzt sah als unzulänglich. Er fordert Rückbesinnung auf den Entschließungsantrag der Bundesregierung, der sich überzeugt zeigte, „dass eine „überwältigende Mehrheit der Muslime in der Welt“ den Terrorismus ablehnt, und fordert einen intensiven Dialog zwischen den Kulturen und Religionen“ (23). Nur: lässt sich Dialog vorschreiben oder staatlich institutionalisieren? Muss er nicht letztlich dem Bedürfnis der Betroffenen entspringen, um erfolgreich zu sein und darf nicht vom Hintergedanken der Machtkämpfe um die Vorherrschaft auf einer politischen Bühne getragen werden? Letzte Instanz der globalen Weltbühne soll der Internationale Strafgerichtshof zur Ahndung von Völkermord, schweren Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit werden. Darüber hinaus:“könne der ISTGH zu einem Instrument der Terrorismusbekämpfung werden“: „Er ist auch geeignet, bei Terroranschlägen wie in New York, Washington und Pennsylvania als ‚ausgedehnten oder systematischen Angriffen gegen die Zivilbevölkerung‘ tätig zu werden“ (23). Nur – wie soll das geschehen? Eine Erklärung liefert der Essay dafür nicht, und so bleibt das wohl vorerst eine utopische deutsche Wunschvorstellung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Essay strotzt vor interessanten Ideen und simplifizierten Gründen für das Scheitern der amerikanischen Anti-Terror-Strategie, die sicher in den Ansätzen gut begründet sind. Dass die Amerikaner die Balkankrise lösen mussten wird als erstes Stolpern europäischer Gehversuche begriffen, die durch die kontinuierliche Erweiterung der Europäischen Union überwunden werden können. Nahost? Ein Konflikt, der gelöst werden muss. Und Israel? Es dient als Beispiel der „Sackgassen der Dialogpolitik“ – eine Lösung? Es gibt sie – „atomwaffenfreie Zonen für Großregionen oder komplette Kontinente“, aber sie wird „so vermutlich niemals eintreten“ – das ist das Bedauerliche an den Denkansätzen, die dieser Essay bietet und die in der Forderung münden: „Wir müssen Wege suchen zu einer neuen Wahrnehmungskultur von politischer Verantwortung und politischem Handeln“ (104).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das stimmt: Wir müssen umdenken. Der Essay ist nicht nur interessant geschrieben, sondern er liefert auch eine Fülle an historischen Informationen über die Entwicklung der Politik seit dem 9. September 2001. Schon deswegen lohnt es sich, ihn zu lesen, um die Ereignisse noch einmal Revue passieren zu lassen. Ob die Politik wirklich nur versagt hat und ob es tatsächlich bessere Strategien gibt, das steht auf einem anderen Blatt. Es erscheint mir wenig sinnvoll auf alte Strategien zurückzugreifen, die nicht funktioniert haben; auch die Verknüpfung von Terrorismus und Islam ist wenig hilfreich um zu Lösungsansätzen zu kommen. Einstweilen werden wir uns darauf einrichten müssen, uns um uns selbst zu kümmern: Die EU ist noch nicht an ihren Grenzen angekommen. Der kleine Exkurs über die Türkei macht das deutlich. Die Defizite der 2005 begonnenen Verhandlungen sind erschreckend. Von 35 Kapiteln konnte bislang nur eines im Bereich Wissenschaft und Forschung zu einem vorläufigen Abschluss gebracht werden – und das bereits im Juni 2006. Hier gilt: Stillstand muss unbedingt vermieden werden! Dieser Schlussfolgerung des Autors kann ich nur zustimmen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Und noch eines werden wir uns angewöhnen müssen: der Beachtung von Bürger- und Menschenrechten wieder eine höhere Priorität einzuräumen. Nicht nur wegen der Glaubwürdigkeit, sondern ganz einfach um das Zusammenleben der Menschen im globalen Rahmen auf Dauer verträglich zu gestalten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das Versagen nach 9/11. Mit besseren Strategien gegen den Terror. Ein Standpunkt von Gernot Erler&lt;br /&gt;Edition Körber-Stiftung Hamburg: Mai 2011 ISBN 978-89684-143-8 € 10,--&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-1957565143194711550?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/1957565143194711550'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/1957565143194711550'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/05/das-versagen-nach-911-rezension.html' title='Das Versagen nach 9/11 - Rezension'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-7680327426387075102</id><published>2011-05-22T15:09:00.000-07:00</published><updated>2011-06-04T11:54:13.666-07:00</updated><title type='text'>Recht und Freiheit</title><content type='html'>Recht – das ist eine der Erfindungen der Menschheit, die unser Leben regeln soll. Recht beruht auf Gesetzen, die sich der Mensch zu eben diesen Zwecken geschaffen hat. Um das Zusammenleben in einer Gemeinschaft besser zu machen. Das ist die Utopie. Recht kann aber auch zu Unrecht werden: wenn die Gesetze schlecht gemacht sind oder wenn sie gar solches bezwecken: etwa Gesetze, die der Tyrannei und der Einschränkung individueller Freiheiten und damit dem Machterhalt Einzelner dienen. In Deutschland, in Europa und in den USA haben wir die Gesetze der Freiheit gewählt. Dazu gehören die universellen Menschenrechte. Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, Recht auf sexuelle Selbstbestimmung, Freiheit von Diskriminierung – das sind Kernpunkte unserer freiheitlichen westlichen Werteordnung, wobei zu gelten hat: die Freiheit des Einzelnen hört dort auf, wo sie der Freiheit des anderen entgegensteht. Das sind die Grundregeln unserer gesellschaftlichen Ordnung, die sich über Jahrtausende herausgebildet haben und zu Glück, Wohlstand und Zufriedenheit geführt haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Gesetz und Ordnung –Tugenden, die auch im 21. Jahrhundert als prägender Bestandteil der deutschen Gesellschaft empfunden werden - sofern es sich nicht um die Steuergesetzgebung handelt. Im internationalen Rahmen sind wir allerdings federführend, ganz nach dem Motto: wir sind die Guten, wir haben gerechte Gesetze, und alles wird gut. Nur, was können Gesetze wirklich? Der Zusammenbruch einer Krankenkasse hat gerade viele ältere Menschen in Verzweiflung gestürzt – sie haben Probleme, in einer neuen Kasse unterzukommen. Der zuständige  Gesundheitsminister sagt im Interview: „So hat damit keiner gerechnet weil die Rechtslage eigentlich eindeutig ist“. Ist sie tatsächlich, nur damit sind in der Praxis noch nicht alle Probleme gelöst. Beispiel Iran: zwei deutsche Reporter werden wegen Visavergehen verhaftet. Die Rechtslage ist eindeutig. Und nun? Die Länge der Haftstrafe und die Umstände ihrer Freilassung deuten darauf hin, dass diese eindeutige Rechtslage eher eine Geiselnahme war, deren Gesetzeslage sich nicht an internationalen Gepflogenheiten orientierte. Aber das kann man natürlich auch anders sehen. So wie die überdurchschnittlich hohe Rate an Hinrichtungen im Iran eben der „Stabilisierung“ des Systems und damit eigentlich wiederum dem Weltfrieden dient. Juristisch einwandfrei, alles eine Frage der Interpretation und Auslegung. Beispiel China: Der chinesische Künstler Ai Weiwei sitzt über 60 Tage in Haft ohne Gerichtsverfahren. Er gehört zu den Regimekritikern, die mit ihrer Verhaftung gerechnet haben. Die chinesische Regierung lässt verlautbaren, Ai Weiwei sei wegen eines „Wirtschaftsverbrechen“ verhaftet worden. Dem deutschen Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Markus Löning, wird von der chinesischen Regierung beschieden, dass „alles nach Recht und Gesetz“ zugehe. Ai Weiweis Aufenthaltsort bleibt unbekannt.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Repressalien? In Deutschland ein Wort aus der Vergangenheit, das wir zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung offenbar komplett vergessen haben. Repressalien gegen Regimekritiker gab es auch in der DDR zur Genüge, viele wurden frei gekauft, viele mussten ihren Freiheitsdrang mit dem Leben bezahlen. Der Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik hat alle Hände voll zu tun, an diese jüngste deutsche Vergangenheit zu erinnern. Die DDR – ein Wohlfühlstaat für alle? In den Köpfen der Mehrheit spukt er offenbar längst als solcher herum. Der Nationalsozialismus? Auch gar nicht so schlecht, wäre nur die Judenverfolgung nicht so maßlos übertrieben worden. Die Grauzonen dessen, was geäußert werden „darf“ und was als absolut nicht gesellschaftsfähig gilt sind manchmal verblüffend. Nur selten wagt sich jemand aus dieser Grauzone heraus und wird zurück gepfiffen. Nicht weil er ein Neonazi mit knallharten politischen Interessen ist – die NPD ist nach wie vor erlaubt -, sondern weil er es in einem Anfall tumber Idiotie übertrieben hat, wie jüngst der dänische Regisseur Lars von Trier. Aber das gehört wohl dazu: Zu begreifen, dass auch Hitler ein Mensch war und zu versuchen, sein Verhalten zu verstehen, ist ein Tabu. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zumindest über eines herrscht heute in Europa gesellschaftlicher Konsens: der Nationalsozialismus war ein Unrechtsregime und Hitler ein Verbrecher und Diktator. So viel Konsens, dass einem greisen Naziverbrecher auch ohne neue Beweise in Deutschland der Prozess gemacht und er zumindest symbolisch verurteilt wird – um gleich wieder mangels Fluchtgefahr frei gelassen zu werden. Staatenlosigkeit kann von Vorteil sein. Andererseits ist gegen Naziverbrecher aufzustehen, sie zu jagen und gegebenenfalls handgreiflich zu maßregeln kein Verdienst, dem in unserer deutschen Republik Ehre zuteilwird. Beate Klarsfeld wurde zweimal für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen. Beide Male wurde der Vorschlag abgelehnt; erst von Joschka Fischer, zuletzt von Guido Westerwelle. Eine mutige Frau, die ihr Recht auf Widerstand wahrgenommen hat, weil ihr Anliegen anders nicht wahrgenommen wurde, hat so eine Auszeichnung wirklich verdient. Das sollte man zumindest meinen, denn für die Belange unserer Republik hat sie allemal gekämpft. Nur zugegebenermaßen: nicht ganz gewaltfrei. Gerechtigkeit ist eine Frage der Wahrnehmung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Recht ist eine Frage der Auslegung. Die wiederum von Richtern unternommen wird – in Amerika werden Urteile selbst wieder Gesetz, womit die Gesetzgebung näher am realen Leben als an politischen Dogmen orientiert ist. Das hat Vor- und Nachteile. Die Bürgerrechtsbewegungen in Amerika sind stärker ausgeprägt als bei uns – die American Civil Liberty Union setzt sich vehement gegen die Todesstrafe ein und ist ein starker Verteidiger der Bürgerrechte, damit eine regulierende Macht gegen Ungerechtigkeit und eine echte „NGO“ – eine Nichtregierungsorganisation, eine unabhängige moralische Instanz, die von privaten Spendern lebt. Anders in Deutschland: hier werden Initiativen, die sich engagieren, staatlich gefördert – in erster Linie gegen Rechtsextremismus, aber auch gegen Fremdenfeindlichkeit oder Homophobie. Das ist zwar gut so, zeugt aber davon, dass unsere Auffassung dessen, was staatliche Aufgabe ist, sehr weit geht. Menschenrechte sind kein bürgerschaftliches Bedürfnis sondern Staatsdoktrin – und damit steht nicht der Mensch, sondern das Recht im Mittelpunkt der Philosophie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Am 29. April gab der amerikanische Präsident Barack Obama den Befehl, den seit den Attentaten vom 11. September 2001 meist gesuchten Terroristen der Welt, Osama bin Laden zu exekutieren. Die Randbedingungen waren kompliziert: es konnte davon ausgegangen werden, dass sich bin Laden in einem Anwesen in Pakistan aufhielt – einem Land, dessen Verhältnis zu Amerika nicht einfach ist. Ein Land, in dem regelmäßig Politiker ermordet werden. Zuletzt am 3. März 2011 das einzige christliche Regierungsmitglied Shahbaz Bhatti, Minister für religiöse Minderheiten. Die Nachricht vom Tod bin Ladens führte am 2. Mai zu Jubelstimmung in Amerika, entlockte der deutschen Bundeskanzlerin die Floskel „ich freue mich“ und wurde in Deutschland mit herber Kritik nicht nur an der Kanzlerin, sondern überhaupt an der Rechtmäßigkeit einer solchen Aktion aufgenommen: die Amerikaner hätten bin Laden schließlich gefangen nehmen und einem ordentlichen Gerichtsverfahren zuführen können. Stattdessen: kurzer Prozess und Versenken der Leiche im Ozean. Woraufhin eine Debatte über die Kriterien islamischer Bestattungsriten vom Zaume brach.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein Bild ging um die Welt: ein Bild, das die Verantwortlichen beim Verfolgen der Operation zeigt – ernste Gesichter, von Freude keine Spur. Der Gesichtsausdruck der amerikanischen Außenministerin kann – auch wenn sie das dementieren ließ – als erschreckt interpretiert werden. Die Stimmung ist zumindest angespannt. Ein Bild ging nicht um die Welt: das des toten Osama bin Laden. Kein später Sieg – den Eindruck von Rache wollte man vermeiden. Dafür ein Schachzug in einem Krieg, den wir in Deutschland nicht wahrnehmen wollen. Ist Tyrannenmord erlaubt? Oder muss er den Gerichten überlassen bleiben? Im Fall Osama bin Laden stellt sich doch konkret die Frage nach dem Szenario, das sich bei einer Verhaftung ergeben hätte: Pakistan hätte die Auslieferung verlangen müssen oder eine schwere Regierungskrise herbeigeführt. Ein fairer Prozess hätte wohl nach völkerrechtlichen Gesichtspunkten kaum stattfinden können, es hätte allenfalls ein Dilemma gegeben, das zu weiteren internationalen Verwicklungen und Erpressungsversuchen in Form von terroristischen Anschlägen geführt hätte, die weitere Menschenleben gefordert hätten. Und dazu ein langjähriges Zerren um die Rechtmäßigkeit der amerikanischen Aktion. Das Urteil war also kurz und schmerzlos, sowohl für bin Laden als auch für Amerika. Während es für den einen eindeutig ausfiel, ging die Meinung bei dem einst hoch gelobten Friedensnobelpreisträger auseinander. Die Hoffnung auf eine andere Politik ist mit dem Tod des „Topterroristen“ wohl so endgültig gestorben wie die Hoffnung auf einen baldigen Weltfrieden. Hätte man Osama bin Laden deshalb am Leben lassen sollen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die globale Weltgemeinschaft ist momentan in Aufruhr. Im Guten wie im Schlechten. Die arabische Welt versucht sich im Aufstand gegen die Tyrannen. Die Nato versucht sich in Libyen. Derweil möchte der amerikanische Präsident weiter am Rad der Geschichte drehen, nein, genauer gesagt möchte er mit einmal zurück drehen: Israel und Palästina sollen zwei Staaten werden, und dazu soll sich Israel in die Grenzen vor 1967 zurückziehen. Eine gewagte Forderung nach dem Tag der Nakba, der „großen Katastophe“ 2011, an dem syrische Palästinenser versuchten, in israelisches Staatsgebiet einzudringen. Die UNIFIL-Truppen schauten zu, israelische Soldaten schossen auf Zivilisten, das Ganze war ein ausgesprochen unschöner Vorfall an Israels Grenze, der in seiner Inszenierung an eine Neuauflage der Gaza-Flotille auf dem Landweg erinnerte. Und dennoch muss diese Frage gestellt werden: Ist Israel wenn es die Golan-Höhen aufgibt noch beziehungsweise wieder in der Lage sich selbst zu verteidigen? Wer garantiert Israels Grenzen? Kann eine solche Zweistaatenlösung der Schlüssel für den Frieden im Nahen Osten sein? Es ist schwer vorherzusagen, wie ein Frieden im Nahen Osten aussehen wird. Aber es wird ihn geben müssen. Und es muss ihn mit Israel geben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Noch weiß niemand wie dieser Frieden aussehen wird. Iran, China, Nordkorea, Russland, Brasilien … - und Deutschland? Die Koalitionen sind unübersichtlich. Sicher ist nur: wir sind die Guten. Wir stehen zu Israel, wir sind gegen Krieg und wir sind ganz eindeutig gegen „Selbstjustiz“. Vordem Schießen steht nicht mehr die Diplomatie sondern das Gerichtsverfahren. Auch aus diesem Grund empfinden wir nicht nur das amerikanische Vorgehen als verwerflich, sondern auch ganz besonders das israelische Vorgehen gegen die Gaza-Flotille als „Piraterie“. Im Angesicht vom Tod Osama bin Ladens relativiert sich sogar die unrechtmäßige Entführung Eichmanns durch den anschließenden gerechten Prozess. Das Völkerrecht gibt so einiges her und es ist interpretierbar wie so manches Recht – mitunter auch das Menschenrecht. Welcher Wille hinter der Gesetzgebung einst stand gerät angesichts der vielfältigen Probleme der Gegenwart leicht in Vergessenheit. Widerstand? Der ist im Grundgesetz so fest verankert, dass wir lieber gegen uns selbst widerstehen als gegen Tyrannen und Verbrecher. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir werden künftig wieder mehr als wir es uns vielleicht wünschen unser persönliches Urteilsvermögen gebrauchen müssen, um zu entscheiden was richtig und was falsch ist. Die Gesetzgebung ist zwar immer weiter ausdifferenziert, aber trotzdem nicht in jedem Fall gegen entsprechend böswillige Interpretationen oder Missbrauch gefeit. Manchmal erscheinen Gesetz und Recht als eine deutsche Obsession in vielen Akten. Dabei vergessen wir gerne: nicht das Gesetz, der Mensch ist das Maß der Dinge. Gesetze sind nur so gut wie die Menschen, die sie machen. Ein „Restrisiko“ bleibt – wie im richtigen Leben. Und Frieden erfordert in jedem Fall Stärke – und Kraft. Denn schon Schiller erkannte: „Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, // Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." - Wilhelm Tell IV,3 / Tell&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-7680327426387075102?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/7680327426387075102'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/7680327426387075102'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/05/recht-und-freiheit.html' title='Recht und Freiheit'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-6121146769333527832</id><published>2011-05-03T13:39:00.000-07:00</published><updated>2011-05-03T14:20:25.297-07:00</updated><title type='text'>Freiheit für Ai Weiwei</title><content type='html'>Das Verhältnis von China und den Menschenrechten ist, um es mal vorsichtig auszudrücken, kompliziert. Gerne und immer wieder wird die Ausrede der kulturellen Andersartigkeit ins Feld geführt, wenn es um konkrete Menschenrechtsverletzungen geht. Aber was ist daran „anders“, wenn die Freiheit eines Menschen eingeschränkt wird, der sich um Menschenrechte bemüht – und es wagt, an eine Demokratie nicht nur dem Namen nach zu denken? China und der Westen – so weit auseinander sind sie doch schon lange nicht mehr. Chinesen leben friedlich und glücklich in Amerika – die „westlichen Werte“ scheinen sie dort nicht zu stören und sie stören sie auch nicht. Oder in Deutschland – nicht nur die vielen Chinarestaurants zeugen davon. Auch aus der Kunst und Wissenschaft sind Chinesen nicht mehr wegzudenken – sie beleben die kulturelle Landschaft und leisten einen wertvollen Beitrag zum technologischen Fortschritt. Auch ein Chinese hat an der Entwicklung der Charta der Menschenrechte mitgearbeitet. Und es ist ein Chinese, der ein Manifest zur Demokratisierung Chinas geschrieben hat und dafür in China inhaftiert wurde. Es sind chinesische Künstler, die eingesperrt und chinesische Journalisten, die verfolgt werden; es ist ein chinesischer Nobelpreisträger, der nicht zur Preisverleihung in Norwegen anreisen durfte. Dabei  geht es nicht nur um die Freiheit der Kunst und der Meinung, es geht um Politik, um die individuelle Freiheit und um die Demokratie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Vergabe der olympischen Spiele an Peking sollte ein Zeichen der Weltgemeinschaft sein, dass man an die Möglichkeit einer Verbesserung der Menschenrechtslage glaubte – indes, die Spiele fanden statt, die Menschenrechtslage besserte sich trotz einer groß angelegten Kampagne von Amnesty International nicht. Es sind nicht nur wirtschaftliche und wissenschaftliche Beziehungen, die mit China zu Recht gepflegt werden. Es gibt auch einen regen kulturellen Austausch. Hier allerdings stellt sich mehr als in allen anderen Bereichen die Frage was nützt ein solcher Austausch, wenn er nicht in Freiheit des Denkens stattfinden kann? Wenn die chinesischen Künstler, mit denen wir kooperieren, Repressalien ausgesetzt sind und verschwinden?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Künstler sind schon ein seltsames Völkchen. Politiker aber noch viel mehr. Die Förderung des deutsch-chinesischen Dialogs lässt man sich da schon mal einiges kosten: Am 1. April wurde im frisch renovierten Nationalmuseum in Peking eine Ausstellung mit 600 Exponaten aus Deutschland unter dem Titel „Kunst der Aufklärung“ eröffnet. Der deutsche Sinologe Tilman Spengler, der die Konzeption mit erarbeitet hatte, wurde ausgeladen und musste in Deutschland bleiben. Zwei Tage später wurde der chinesische Künstler Ai Weiwei auf dem Flughafen verhaftet, als er auf dem Weg nach Deutschland war um in Berlin eine Ausstellung vorzubereiten. Die Ausstellung in Peking bleibt, das Leben geht weiter. Obwohl sie von Deutschland hoch subventioniert ist, ist sie die einzige, für die im Nationalmuseum Eintritt verlangt wird – der Besuch verläuft Medienberichten zufolge deshalb schleppend. Also nur der Versuch, das eigene Gewissen zu beruhigen nach dem Motto „wir tun was“?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ai Weiwei hatte vorsorglich Instruktionen für den Aufbau seiner Ausstellung im Fall seiner Verhaftung gegeben und laut Galerie ausdrücklich darum gebeten, sie auch in seiner Abwesenheit zu zeigen. Am 29. April wurde deshalb im Rahmen des Gallery Weekend Berlin in Berlin eine Ausstellung eröffnet. Abwesend war der Künstler. Anwesend war Guido Westerwelle, Außenminister. Anwesend waren Galleriebesitzer und eine Menge Menschen, die sich in Berlin für wichtig halten. Eine Ankündigung der Solidaritätsveranstaltung für Ai Weiwei am 1. Mai im Martin-Gropius-Bau gab es trotz ausdrücklicher Bitte nicht. Geladen hatte der Direktor des Martin Gropius Baus Gereon Sievernich zu einer Podiumsdiskussion mit dem Titel „Why we urgently need Ai Weiwei“. Freie Plätze gab es dort im Gegensatz zur ausgebuchten Podiumsdiskussion wenige Abende zuvor in der Akademie der Künste am Pariser Platz mit dem Thema „Ai Weiwei und die Kunst der Aufklärung. Eine deutsche Debatte“ dann zur Genüge. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Günther Uecker hat ein rotes Banner mit einem markanten weißen Schriftzug entworfen auf dem steht „Freiheit für Ai Weiwei“. Es hängt über dem Eingang des Martin-Gropius-Bau, direkt gegenüber vom Berliner Abgeordnetenhaus und flattert ungerührt im Wind. Solidarität ist ganz offensichtlich weniger interessant als „deutsche Debatte“. Gast der Podiumsdiskussion war unter anderem Hans-Olaf Henkel, der ausgesprochen resigniert wirkte: Amnesty International habe mittlerweile keinen Einfluss mehr in China, es wäre wichtig, wenn die Wirtschaft Druck ausüben würde – das tut sie nicht. Teils aus durchaus legitimen Gründen, wie Henkel eingestand. Und doch: Öffentlichkeit schaffen, nicht nachgeben, Druck ausüben – das sei das einzige, was helfen könne – auch wenn er persönlich nicht sehr optimistisch sei was Ai Weiwei angehe. Zugleich erklärte er, dass er das Konzept der „Stillen Diplomatie“, das die Regierung Schröder/Fischer in der deutschen Außenpolitik eingeführt habe für gescheitert halte.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Die Resonanz auf einen „Berliner Appell“, der Anfang April gestartet wurde, ist eher bescheiden. Deutschland muss noch üben in Sachen Menschenrechte. Engagement für andere ist rar, es erschöpft sich im Wissen darum, was gut für andere ist. Nach dem Motto: Wir akzeptieren Menschenrechtsverletzungen in China, weil das dort Tradition ist. Wer sagt denn, dass asiatische Länder keine Demokratien sein können? Japan, Südkorea und Indien machen es vor. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Derweil ist Deutschland schon einen Schritt weiter: Deutschland rüstet ab – es wirbt damit die „Abrüstungsdynamik“ zu unterstützen. China, ein Land in dem die Menschenrechte und die individuelle Freiheit des einzelnen nichts gelten, rüstet derweil auf. Bei dieser Verschiebung des militärischen Kräfteverhältnisses sollten wir uns zumindest unwohl fühlen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zudem bleibt am 3. Mai, einen Monat nach seiner Verhaftung die entscheidende Frage: &lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Wo ist Ai Weiwei?&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;http://www.berlinerappell-freeaiweiwei.com/&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-6121146769333527832?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6121146769333527832'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6121146769333527832'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/05/freiheit-fur-ai-weiwei.html' title='Freiheit für Ai Weiwei'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-1542632098988827260</id><published>2011-04-06T15:43:00.000-07:00</published><updated>2011-04-07T01:53:27.680-07:00</updated><title type='text'>Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift.</title><content type='html'>Zafer Şenocak wurde 1961 in Ankara als Sohn eines Verlegers und einer Lehrerin geboren. Er wuchs in Istanbul auf, kam 1970 nach München und lebt seit 1989 als Schriftsteller in Berlin. In dem vorliegenden Band „Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift“ versucht er die Gradwanderung zwischen persönlicher Erfahrung und den Defiziten der deutschen Integrationspolitik und Gesellschaft immer wieder mäandernd auf einen durchaus einleuchtenden Punkt zu bringen: Wir leben in einer Zivilisation, die sich über Jahrtausende gebildet hat, noch immer auf dünnem Eis. Die zivilisatorischen Errungenschaften, universelle Menschenrechte und individuelle Freiheit – noch gar nicht so lange daraus erwachsen – werden immer wieder durch die Mauern in den Köpfen gefährdet. In Deutschland herrscht die Lust am Scheitern.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Soweit so gut. Auch in der Ursachenanalyse findet sich ein psychologisch begründbarer Ansatz: Das Tätervolk sehnt sich nach dem Opferstatus. Durch die diversen Zivilisationsbrüche hat es an Souveränität verloren. Die Debatte über Leitkulturen ist ein Symptom dafür. Integration oder Assimilation? Assimilation ist „keineswegs ein Menschheitsverbrechen, wie es einmal der türkische Ministerpräsident Tayyip Erdoğan auf einem seiner zahlreichen Deutschlandbesuche formuliert hat“ (120). Aber: Assimilieren kann man sich nur in eine dominierende Kultur, und die „Deutschen dominieren … schlecht“. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Deutschen? Şenocak ist sich doch selbst ein Deutscher –  er besitzt einen deutschen Pass, er schreibt auf Deutsch, er hat die Liebe zur deutschen Sprache entdeckt kurz nachdem er in Deutschland angekommen war – sicherlich privilegiert durch privaten, persönlichen und engagierten Nachhilfeunterricht. Und er hat sogar den deutschen Hang zum belehrend-besserwisserischen verinnerlicht: unter Aufklärungsschrift geht es nicht. Er schreibt von doppelter Identität und den Chancen, die sie eröffnen kann und doch auch nicht eröffnet, und er stuppst mal etwas zögernd und mal direkt auf die Ursachen der Probleme, an denen wir elaborieren: etwa die Art und Weise, wie wir Gastarbeiter als „Heloten“ nach Deutschland holten: Kriterien waren Arbeitsfähigkeit und Gesundheit. „Mehr als in ihr Maul hat man nicht geschaut“ (139). Das ist so wahr wie die Feststellung, dass diejenigen, die mit zusätzlichen zehntausend DM in der Tasche wieder in die Heimat zurück gegangen sind diejenigen waren, die sich das leisten konnten und deren Verbleib in Deutschland uns weniger Probleme bereitet hätte. Sicher stimmt es auch, dass auch Istanbul inzwischen vom Einfluss der deutschen Kultur geprägt ist: dorthin gehen in Deutschland aufgewachsene und gut ausgebildete Türken gerne zurück–überhaupt wandern sie gerne wieder aus. Und – auch diese Feststellung über Deutschland trifft den Nagel auf den Kopf: „Dieses Land hat im letzten Jahrhundert fast seine gesamte weltoffene bürgerliche Elite verloren. Wer öfter durch die USA reist, begegnet dort den Kindern und Enkeln dieser Elite. Sie sind amerikanische Staatsbürger“ (129). Das alles ist richtig, aber reicht es zur Aufklärung? &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Freiheit – Wohlstand – Angst: „Himmelhoch jauchzend und tief betrübt ist das deutsche Gemüt, ein manisch-depressives wie emsiges Volk, das auch sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges, zwei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung, keineswegs mit sich selbst im Reinen ist. Die Deutschen werden nervös, wenn sie sich mit anderen beschäftigen müssen, denn sie brauchen die ganze Energie für sich selbst“ (114). Und zuvor: „Selten kann eine Einwirkung von außen jene Kraft entfalten, die Elemente der Selbstzerstörung enthalten“ (68). Das ist wohl wahr, so wahr wie die Annahme, dass die jüngsten Versuche der Regierung, das Ausländerproblem zu einem der Religion zu machen, das mit einer „Islamkonferenz“ zu lösen wäre, absehbar zum Scheitern verdammt sind. Nein, da hat Şenocak Recht: es zählt das Individuum und die individuelle Geschichte. Nur der einzelne integriert oder assimiliert sich – je nachdem wie es seine Bedürfnisse zulassen. Ihn als Gruppe zu stigmatisieren kann da nicht hilfreich sein. Die Angst der deutschen Bevölkerung steht auf einem anderen Blatt, sie ist so irrational und unbegründet wie der Autor sie beschreibt, aber auch diese Beschreibung wird keine Probleme lösen – wie irrational und hysterisch wir gewillt sind die Welt zu betrachten hat unsere Reaktion auf die Atomkatastrophe in Japan einmal mehr gezeigt. Beruhigen tut das alles nicht. Dass es in der Schilderung des deutschen Wesens zu irritierenden Verkürzungen kommt, wenn der „Gutmensch“ von heute als Nachfolger des „liberalen Philantrophen, der an die Macht der Bildung und den zivilisatorischen Fortschritt glaubt“ (62) präsentiert wird, mag der Tatsache geschuldet sein, dass das deutsche Wesen eben doch etwas komplizierter ist und sich nicht in wenigen Worten mit platten Stereotypen beschreiben lässt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei weisen die anfänglichen Gedanken des Buches sehr wohl auf die möglichen Konfliktlösungen hin: es geht um Kommunikation, miteinander reden, ins Gespräch kommen, Widersprüche denken und zulassen. Bedrohlich ist das Unbekannte. &lt;br /&gt;So wie der Autor mit einem Blick von außen die deutsche Seele interpretiert, ist er hier allerdings noch nicht angekommen –auch wenn er das Land liebt und glaubhaft eine innige Verbundenheit beschreibt, die er auch aus familiären Zusammenhängen konstruiert: Sein Großonkel fiel im ersten Weltkrieg mit Goethe und Koran im Marschgepäck. Der Begegnung mit seinem „ersten Türken“ in Deutschland haftet der Hauch von Fremdheit an, der zeigt, dass er zwischen den Stühlen sitzt: nicht Türke, nicht Deutscher. Ein säkularisierter moderner Türke, der sich zum Islam bekennt und Zweisprachigkeit und die doppelte Staatsbürgerschaft fordert. Welche Sprache mit welchem Recht? Türkisch, weil drei Viertel der Muslime in Deutschland Türken sind? Weil der türkische Islam als modernisierte Religion dem europäischen Lebensstil näher steht als etwa der „arabische“? Ich bezweifele, dass die Etablierung eines türkischen Islams in Deutschland eine Antwort auf die freie Gesellschaft sein kann  - vielleicht kann sie eine Brücke über brüchiges Eis sein, aber das Eis verfestigen wird sie wohl kaum. Dazu sind unsere Gemüter derzeit noch immer viel zu erhitzt. Und einen Beitrag zur Freiheit des Individuums und zu den Menschenrechten leistet das nicht. Auch da hat der Autor Recht: Das tut nur der diskriminierungsfreie Umgang mit dem Mitmenschen. Und der wiederum „basiert aber auf der Zivilisierung des Menschen, auf seiner Erziehung zur Mündigkeit“ (189).&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Das Leben kann niemals ohne Risiko gelebt werden. Dieses Risiko kann jedoch in geschlossenen Denksystemen aufgefangen werden, zum Beispiel mit Religiosität“ (169). Ja: „Offene Gesellschaften sind immer unübersichtlich“ (59). Das ist nun mal auch das Wesen der Demokratie, die nur durch Diskurse, Diskussionen und Kommunikation lebensfähig ist. Freiheit und Demokratie sind Risiko – wie jeder persönlich dieses Risiko auffangen möchte sollte jedem Menschen selbst überlassen werden. Dieses Buch ist leider genauso unübersichtlich wie eine offene Gesellschaft, obwohl es eine Fülle interessanter Denkansätze bereit hält, über die nachzudenken sich lohnt. Damit passt es in unsere Zeit; es ist locker geschrieben und liest sich zügig: zumindest keine Zeitverschwendung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zafer Şenocak&lt;br /&gt;Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift.&lt;br /&gt;Hamburg: Edition Körber Stiftung 2011, ISBN 978-3-89684-083-7 € 16,--&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-1542632098988827260?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/1542632098988827260'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/1542632098988827260'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/04/deutschsein-eine-aufklarungsschrift.html' title='Deutschsein. Eine Aufklärungsschrift.'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-7518151183037668259</id><published>2011-04-05T06:24:00.000-07:00</published><updated>2011-04-05T06:28:13.142-07:00</updated><title type='text'>Justice and Peace: Eine Konferenz im jüdischen Museum in Zusammenarbeit mit Human Rights Watch</title><content type='html'>Recht und Frieden – ein großes Thema, das zugleich komplex und kompliziert ist. Vielleicht deshalb ließ die Resonanz auf die Einladung zu wünschen übrig, zumal an einem Werktag mitten in der Woche. Dazu kam: das Hauptaugenmerk der Konferenz richtete sich auf Afrika – und hier, das wurde deutlich, war das Interesse wiederum fast ausschließlich professioneller Natur: es gibt eine Handvoll auf das Völkerrecht spezialisierter Anwälte, die sich auf die Verteidigung der Protagonisten verlegt haben – ob Beklagte oder Klagende, auch vor deutschen Gerichten werden in Afrika begangene Menschenrechtsverletzungen verhandelt.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Die Konferenz selbst befasste sich mit Serbien und Ruanda, der Demokratischen Republik Kongo und Afghanistan. Einen wunderbaren Auftakt bildete das Grußwort von Kati Marton, Journalistin, Menschenrechtsaktivistin und Witwe von Richard Holbrooke, die mit ihren persönlichen Schilderungen aus Serbien, aber auch geprägt von den Erfahrungen ihrer Familie, die während der Zeit des Nationalsozialismus aus Ungarn fliehen musste und nach Amerika gelangte einen lebendigen Einstieg in das Thema vermittelte. Als eines der Hauptprobleme hielt sie fest, dass der Frieden in der Regel von jenen verhandelt würde, die den Krieg begonnen hätten und die an der Macht hängen würden. Ihre persönliche Schilderung der diplomatischen Bemühungen um den Frieden in Serbien schilderte sie mit einem Augenzwinkern, aber auch einem klaren Kompass: aus dem „nie wieder“ sei auf dem Balkan ein „hier passiert es schon wieder“ geworden. Die amerikanische Intervention sei notwendig geworden, um die – wie sie sagte – amerikanischen Werte zu verteidigen. Und der Schlüssel hierzu seien nun einmal die Menschenrechte. Trotz des „menschlichen Faktors“, der Tatsache, dass man mit eben jenen verhandeln musste, die den Krieg begonnen hatten, konnte es mit Hilfe der internationalen Gerichtsbarkeit gelingen, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit aufzuklären und einen Friedensprozess einzuleiten. Sehr deutlich wurde: persönliches Fingerspitzengefühl und Augenmaß sind Voraussetzung für den nachhaltigen Erfolg eines solchen Prozesses. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Bedingungen der internationalen Gerichtsbarkeit, die faire Prozesse nach gesetzlichen Regelungen ermöglichen, erläuterte Richard Dicker, Direktor des Programms für internationales Justizwesen der Organisation Human Rights Watch. Als jüngstes Beispiel nannte er den Prozess gegen den sudanesischen Präsidenten Omar Al-Bashir, gegen den am 12. Juli 2010 vom Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag Haftbefehl wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im anhaltenden Darfur-Konflikt erlassen wurde.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die folgenden Panels erwogen zwei Theorien: den Einfluss der Bestrafung vergangener Verbrechen an den Beispielen Serbien und Ruanda sowie den Preis, der aus der Straflosigkeit resultierte: Die Diskussion drehte sich darum, ob ein starker Wille zum Frieden rechtfertigen könne, auf Rechenschaft zu verzichten. Francesc Vendrell, ehemaliger Beauftragter der Europäischen Union für Afghanistan und persönlicher Vertreter des Generalsektretärs und Sonderbeauftragten der UN für Afghanistan zeichnete ein eher düsteres Bild: noch immer herrschten Betrug und ein Höchstmaß an Korruption. Die Bevölkerung habe kein Interesse an der Frage, wer das Land regiert: Keine gute Voraussetzung, um ein demokratisches politisches Parteiensystem aufzubauen. Auch in Kongo ist die Lage nicht zum Besten: Menschenrechtsverletzungen und gezielte Tötungen sind an der Tagesordnung. Westliche Hilfsmaßnahmen sind nicht immer willkommen, die Tradition der örtlichen Gerichtsbarkeit ist ausgeprägt und so mussten Wege gefunden werden, diese örtlichen Traditionen in die Friedenverhandlungen zu integrieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Allerdings: Menschenrechte funktionieren nur mit Menschen. Und zwar mit engagierten Mitmenschen, die sich für ihre Erhaltung einsetzen. Sie sind ein Anker in unserer Welt, in der die Würde des Menschen ein universeller und unveräußerlicher Wert ist. Ihre Verteidigung durch Nichtregierungsorganisationen, im Zweifelsfall aber auch durch die Staatengemeinschaft sollte uns allen ein Anliegen sein, denn nur ihre Anerkennung schafft die Voraussetzung für ein friedliches Zusammenleben ohne Diskriminierungen und Gewalt gegen Minderheiten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Podiumsteilnehmer waren sich einig, dass sowohl Afghanistan als auch der Kongo Beispiele für das Scheitern der internationalen Gemeinschaft sind. Ihr Fazit: Frieden kann ohne Gerechtigkeit nicht nachhaltig gelingen. Darüber hinaus beantworteten sie die Frage, ob die Strategie, „einen leichten Fußabdruck zu setzen“ richtig gewesen sei, übereinstimmend mit einem klaren Nein. Aus heutiger Perspektive wäre es wohl besser gewesen, entschlossen mit aller Kraft zu intervenieren. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Konferenz fand am 17. März statt. Inzwischen ist es in Libyen zu einer entschlossenen Intervention gekommen. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Handeln dem lybischen Volk tatsächlich eine friedliche Perspektive liefern kann, die den internationalen Standards der Menschenrechte gerecht wird. Es wäre in jedem Fall zu wünschen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;© Die Mahnung 2011  Nikoline Hansen&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-7518151183037668259?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/7518151183037668259'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/7518151183037668259'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/04/justice-and-peace-eine-konferenz-im.html' title='Justice and Peace: Eine Konferenz im jüdischen Museum in Zusammenarbeit mit Human Rights Watch'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-4249961257994240600</id><published>2011-02-13T13:22:00.000-08:00</published><updated>2011-02-13T13:41:23.808-08:00</updated><title type='text'>Helfer, Retter und Netzwerker des Widerstands</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;3. Internationale Konferenz zur Holocaustforschung in Berlin&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;In Zusammenarbeit mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand und dem Kulturwissenschaftlichen Institut Essen veranstaltete die Bundeszentrale für Politische Bildung am 27. und 28. Januar die dritte Internationale Konferenz zur Holocaustforschung in Berlin. Diesmal war das Thema neben der historischen Forschung auch der Praxis gewidmet: es ging in erster Linie um die sozialen und psychologischen Aspekte, die die Helfer und Retter, oftmals in Netzwerken, zum Widerstand und zur Rettung Verfolgter motiviert hatten. „Prosoziales“ Verhalten unter totalitären Bedingungen – ein Schlagwort, das einer der Teilnehmer sehr zu Recht monierte: wäre es nicht genauer, dieses Verhalten als „prohuman“ zu bezeichnen? Wie auch immer man es dreht und wendet, auch dieser Bezeichnung wohnt das Paradox inne, dass Menschen sich nicht immer „menschlich“ verhalten – was eben auch eine menschliche Eigenschaft ist. Es waren nur wenige, die vom Zuschauer zum Helfer wurden – weniger als jene, die den aus sozialen Erwägungen heraus leichteren Weg wählten, dem gesellschaftlichen Druck nachgaben und zum Täter wurden. Was nun macht den entscheidenden Unterschied? Eine eindeutige Antwort konnte die Konferenz nicht geben, wohl aber vielfältige Muster erkennen lassen, die sich, wie Professor Dr. Johannes Tuchel zusammenfassend feststellte als Handlungsbereiche identifizieren lassen, „für die du dich eigenverantwortlich entscheiden kannst“ – ob das die Organisation von Unterkunft, Lebensmitteln oder Fluchthilfe war – entscheidend war der Wille zur Hilfe. Den Einführungsvortrag hielt Ladislaus Löb, der sein Überleben als elfjähriger Junge Reszö Kasztner verdankt, einem ungarischen Juden, der „Geschäfte mit dem Teufel“ abschloss – nämlich mit Adolf Eichmann persönlich. 1670 jüdische Männer, Frauen und Kinder wurden hierdurch gerettet. Löb hat darüber ein Buch geschrieben, die deutsche Ausgabe ist 2010 im Böhlau Verlag erschienen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das zeigt: Die Konferenz widmete sich nicht der Mehrheitsgesellschaft, der Entstehungsgeschichte des Holocaust oder den Tätern, sondern den sozialpsychologischen Aspekten, die zur Rettung Verfolgter beitrugen – ein Forschungsfeld, das erst relativ spät „entdeckt“ wurde. Es waren wenige, aber es waren entscheidende Heldentaten, die uns helfen, auch in der schmerzhaftesten Vergangenheit einen Lichtblick zu erkennen und daraus zu lernen. Thomas de Maizière, Bundesminister des Inneren eröffnete die Konferenz, noch unter dem Eindruck der Feierstunde im Bundestag stehend, zu der mit dem niederländischen Holocaust-Überlebenden Zoni Weisz erstmals ein Sinti als Vortragender geladen war. Er sagte, das Geschehen sei schwer in Worte zu fassen, dürfe uns aber nicht sprachlos machen: die Erinnerung darf nicht enden, sie muss auch künftige Generationen zur Wachsamkeit mahnen. Unsere Aufgabe ist es, eine Form der Erinnerung zu finden, die in die Zukunft wirkt. Die Helferforschung ist ein geeignetes Gebiet, und in den letzten Jahren entstand ein umfassenderes Bild, das über die Schilderung von bekannten Einzelfällen wie Hans Rosenthal und Inge Deutschkron hinausgeht und nun auch „ganz normale Menschen aus allen sozialen Schichten und Bevölkerungsgruppen“ umfasst. Allerdings: Es war nur eine kleine Minderheit, die so mutig handelte, die sich nicht in die schweigende Mehrheit einordnete sondern  sich autonom an ihrem eigenen Gewissen orientierte und die Verhaltensmuster der Mehrheit hinterfragte. De Maizière betonte, dass ein demokratischer Staat vom eigenverantwortlichen Handeln des einzelnen Bürgers lebt – aktives Engagement ist Voraussetzung zur Bewahrung der Demokratie, die nicht fehlerfrei, sondern auf eine offene und an Sachargumenten orientierte Auseinandersetzung angewiesen sei. Ein besonderes Anliegen sei die Vermittlung von Wissen auch an bildungsferne Jugendliche. So höre man wiederholt die Äußerung „Man kann seine Meinung über die NS-Vergangenheit heute nicht offen und ehrlich sagen“ und der Geschichtsunterricht übe ein „sozial erwünschtes Sprechen über die Epoche des Nationalsozialismus ein“. Um diesem Phänomen entgegen zu wirken und Impulse für demokratisches Engagement und Teilhabe zu setzen hat der Staat ein Programm aufgelegt, das im Rahmen von Präventionsmaßnahmen den Zusammenhalt durch Teilhabe in der Gesellschaft stärken soll - 18 Millionen Euro stehen für diese Maßnahmen zur Verfügung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der Sozialpsychologe Harald Welzer vom Kulturwissenschaftlichen Institut Essen stellte fest, dass unsere Vorstellung von der Vergangenheit nicht dem tatsächlichen Geschehen entspricht: Täter wurde man nicht von jetzt auf gleich, sondern in einem schleichenden Prozess. Zudem sei das Nicht-Täter-Werden das „asoziale“ Verhalten gewesen. Seine Untersuchungen der Autonomieskala von Personen zeige allerdings keine signifikanten Unterschiede im Verhalten in Bezug auf die Helferrolle. Sein Fazit: Es gibt keine „guten“ Menschen, aber es gibt Menschen, die in der Lage sind Handlungsspielräume zu erkennen und diese zu nutzen. Das moralische Handeln sei dabei kein universales sondern ein partikulares Phänomen. Johannes Tuchel schilderte die historische Entwicklung und erklärte das Schweigen, das auch nach dem Krieg noch lange angehalten habe: die öffentliche Meinung hatte sich mit Kriegsende nicht geändert, Hilfe für Juden galt noch lange als „Verrat“. Das Brechen des Schweigens sei von enormer Bedeutung gewesen, da es die Legende „man habe nichts machen können“ widerlegte. Erst 1953 wurde das Bundesentschädigungsgesetz geschaffen, Helfer gingen allerdings leer aus – selbst wenn sie einen Schaden nachweisen konnten. In Berlin war es der engagierte Innensenator Joachim Lipschitz, der die Initiative „Unbesungene Helden“ startete, eine Aktion, mit der Berliner geehrt wurden, die NS-Verfolgten Unterschlupf gewährt hatten. Das 1957 erschienene Buch „Unbesungene Helden“ von Kurt Großmann ist nach wie vor das einzige zum Thema. Großmann, der 1933 aus Deutschland geflohen war starb 1972 in Miami, USA. Am Zentrum für Antisemitismusforschung wurde schließlich mit dem Aufbau einer Datenbank begonnen, die einen quantitativen Überblick über die stillen Helden gibt und inzwischen wie die Gedenkstätte in der Rosenthaler Straße bei der Gedenkstätte Deutscher Widerstand angebunden ist. Die Namen von mehr als dreitausend Helfern sind bereits identifiziert; von den mehr als 73.000 Juden überlebten in Berlin 1.700. Mittlerweile ist die dritte Generation Historiker mit der Aufarbeitung der Akten beschäftigt. Und noch immer ist es nicht selbstverständlich, sich als „Retter“ gegen die Mehrheitsgesellschaft in der Öffentlichkeit zu erkennen zu geben. Eine der bekannten Ausnahmeerscheinungen war die Kreuzberger Tierärztin Maria Gräfin von Maltzan, die 1987 auch mit dem Ehrentitel „Gerechte unter den Völkern“ ausgezeichnet wurde. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dennis Riffel vom Verein „Gegen Vergessen für Demokratie e.V.“ wies darauf hin, dass es eine Dreiteilung der Erinnerung gab: bis 1965 schwieg die Mehrheit, erst mit den 68igern wurde das Schweigen beendet und seit 1995 findet eine kognitive Vermittlung der wissenschaftlichen Fakten durch das Schulsystem statt. Auch die Entdeckung, dass die Verfolgten traumatisiert waren kam erst in den sechziger Jahren aus Amerika – seit den achtziger Jahren befasst sich die Psychologie mit der Entwicklung entsprechender Therapien.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Über die Grenzfälle und Grauzonen der Hilfeleistungen berichtete Beate Kosmala von der Gedenkstätte Stille Helden Berlin. Auch die Tatsache, dass oftmals eine Gegenleistung – etwa in Form von Bezahlung erfolgte, macht die Forschung in Einzelfällen schwierig. In jedem Fall waren Netzwerke erforderlich, denn eine Einzelperson konnte die Rettung kaum leisten. Auch die europäische Dimension wurde beleuchtet: die Höhe der „Opferrate“ war in den einzelnen Ländern sehr unterschiedlich: sie reichte von 96% in den Baltischen Staaten bis zu Dänemark mit 6% und schließlich Finnland mit 3% - ein Zeichen dafür, dass die Befehle nur teilweise oder unvollständig ausgeführt und Handlungsspielräume genutzt wurden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einen lebhaften Kontrapunkt setzte Natan Sznaider. Er erklärte, die Suche nach Motiven der Retterforschung und die bausteinartige Suche nach einem psychologischen Profil käme nicht an die Sache heran – vielmehr sei ein transzendentaler Aspekt zu berücksichtigen, der durch Datenaquisition nicht erklärbar würde. Es handele sich eher um einen Akt von Freiheit, denn auch ein totalitäres Regime ist nicht hundertprozentig totalitär. Die Handlungspielräume ändern sich und sind nicht vollkommen zu verstehen. Es gibt weder psychologische noch soziologische Erklärungen, vielmehr sei es, wie Hannah Arendt bereits festgestellt habe, ein Wunder. Und ein Wunder könne man nicht zum pädagogischen Ziel machen: das geht nicht. Das Antrainieren abweichender Haltung bezeichnete er als absurd: Würden Sie Ihren Kindern nicht sagen, sie sollen sich die Nase putzen? Ein unschlagbares Argument - und das Ende der „Zivilcourage“? Nicht ganz, denn sein Plädoyer, Räume zum Selber Denken zu eröffnen ist in der Tat die einzige Alternative. Und wieder bleibt die Frage, wie diese Räume geöffnet werden können. Das menschliche Handeln ist von Interessen, Vernunft und Emotionen geleitet. Reine Vernunftgründe gibt es, wie die neuesten Forschungen auf dem Gebiet zeigen, nicht. Es bleibt das Wunder – und das Wundern, manchmal über das eigene Handeln.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es waren nur wenige. Und doch waren diese „stillen Helden“ jene, die uns heute helfen, der Zukunft mit Zuversicht entgegen zu sehen. Denn sie waren es, die sich mitmenschlich verhalten haben, und die uns heute als Vorbild dienen können, wenn es darum geht eigenes Verhalten auf den Prüfstand zu stellen. Dabei waren diese Retter nicht immer „Engel“ – vielleicht auch das ein Grund, warum sich die Forschung so lange so schwer damit getan hat, dieses Thema auf die Agenda zu setzen. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;An die Konferenz schloss sich das Praxisforum „Zivilcourage lernen“ an, das gut besucht war, vor allem auch von jungen Leuten, die sich das Berufsfeld „Trainer“ und das Thema „Demokratieerziehung“ auf die Fahnen geschrieben hatten. Um was es dabei im Einzelnen geht blieb mir etwas unklar, das Engagement war allerdings groß. Weniger die Belesenheit: Judith Kerrs Buch „Als Hitler das rosa Kaninchen stahl“ gilt zwar mittlerweile als Pflichtlektüre in der Schule, es war jedoch unbekannt. Gerade im Rückblick auf den Vortrag von Natan Sznaider erschlich sich mir da doch die Beklommenheit, dass wir uns mit der Erziehung zum Widerstand auf einen Holzweg begeben, wenn wir ihn nicht mit Inhalten füllen. Denn Marginalisierung und Diskriminierung von Minderheiten oder Andersdenkenden lassen sich nicht mit einem protestierenden Dagegensein beseitigen. Widerstand und Zivilcourage im Nationalsozialismus hatten völlig andere Implikationen als in unserer heutigen freiheitlichen Demokratie. Und das Böse im Menschen herauszukitzeln, der „Luzifereffekt“ wie ihn der amerikanische Psychologe Philip Zimbardo nennt (http://www.lucifereffect.org/ ), ist ein schleichender Prozess, den man selber unter Umständen nicht bemerkt – eine Tatsache, die man sich immer wieder vor Augen führen sollte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Im Rahmen des Praxisforums entschloss ich mich zum Besuch des Projekts 7xjung http://www.7xjung.de/ , ein Ausstellungsprojekt der Initiative  „Gesicht zeigen“ in Berlin-Moabit. In der Beschreibung heißt es: „7xjung ist eine künstlerische Ausstellung, die Erfahrungen von Ausgrenzung, Antisemitismus und Diskriminierung behandelt – und zeigt, was man dagegen tun kann. 7xjung inszeniert in sieben Themenräumen heutige Lebenswelten von Jugendlichen. Die Ausstellung schafft persönliche, emotionale und sinnliche Zugänge zur Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus“. Das Projekt ist aufwändig gestaltet, es wird von verschiedenen Sponsoren getragen – unter anderem der Deutschen Bahn, die die großzügigen Räumlichkeiten kostenfrei zur Verfügung stellt – und es bietet eine Reihe von interessanten Denkansätzen und Möglichkeiten, sich mit der zentralen Themenstellung auseinanderzusetzen. Allerdings zeigt es auch die Grenzen auf. So ist es zwar sehr ansprechend und auch für Jugendliche geeignet, die nicht in der Lage sind ein Buch von vorne bis hinten durchzulesen, indem es kurze Episoden aus den Leben Verfolgter erzählt – oft auch fiktiv auf die Bedürfnisse der Jugendlichen in der Gegenwart und die Themenräume zugeschnitten. Allerdings lebt und fällt der Lernerfolg sicherlich mit der pädagogischen Begleitung, die die Besuchergruppen in den Projekträumen erfahren. Denn die Möglichkeiten sind vielfältig, die Themen reichen von Vertreibung über Alltagsdiskriminierung und Ausgrenzung bis in die Gegenwart. Die dabei aufgezeigten Handlungswege sind nicht immer überzeugend. So werden im Hinblick auf die Umsetzung in sinnliche und emotionale Erfahrungen eher platte Vergleiche herangezogen: indem etwa das Wort Kontrolle als negativ konnotiert wird und in einen Gegensatz zu Heimat, Familie und Glück gestellt wird. Ganz so einfach ist das ja wohl nicht. Und gänzlich unzulässig ist der Vergleich, der mit Hilfe einer Parkbank gezogen wird – Leihgabe des Bezirksamts Treptow. Anheftbare Tafeln mit Fotos zeigen das historische Verbot für Juden, auf einer solchen Platz zu nehmen. Andere zeigen allerdings zeitgenössische Fotos aus dem Tiergarten, auf denen steht „Islam raus“. Ein seltsamer Vergleich, der wohl das Entstehen dieser Graffitis außer Acht lässt: Der Tiergarten hat sich bekanntermaßen zu einem Treffpunkt für Schwule entwickelt, und Homosexualität ist etwas, das der Islam nicht zulässt sondern in vielen Ländern der Welt mit dem Tode bestraft. Ich sehe diese Bänke regelmäßig, wenn ich vorbei jogge: da steht etwa „Islam raus aus Deutschland“ oder „Christian Wulf ein proislamische Schwein“ oder „Pro Islam. Der Präsident ist ein Schwein Ein Kollaborandt mit Islam ein verreter“ [sic] – ganz offenbar eine politische Reaktion auf Äußerungen unseres Bundespräsidenten, die ganz und gar nicht direkt gegen unsere muslimischen Mitbürger gerichtet sind sondern einen Freiheitswillen ausdrücken. Im Rahmen des 7xjung Projektes werden jetzt also diese Graffitis von den Parkbänken geputzt – mit dem Erfolg, dass sie sich inzwischen noch weiter ausgedehnt haben. Ein obskurer Grabenkrieg, der einmal mehr beweist: gegen etwas zu sein und sich gegen etwas zu engagieren führt selten zu einem sinnvollen Ziel. Solche Graffiti mit der Aufschrift „Nur für Arier“ zu vergleichen ist jedenfalls so an den Haaren herbeigezogen, dass man sich fragen muss ob die geforderte Empathie nicht zu einer Aufgabe eigener Werte führen kann und statt Aufklärung – wie sie in weiten Teilen der Ausstellung geleistet wird – in das Gegenteil umschlägt, wenn man seine eigenen Rechte oder die einer quasi „doppelt diskriminierten“ Minderheit schlicht gar nicht wahrnimmt. Inzwischen rüstet der unbekannte Graffitischreiber auf: „Ale Türken raus aus Deutschland“ – da kann ich nur sagen: lernt sie Deutsch!! Für jede Minderheit gibt es inzwischen Interessenvertretungen oder Verbände, die sich ihrer Anliegen annehmen. Sie müssen nur gefunden oder gegründet werden.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Es bleibt die Frage: wozu ist Demokratieerziehung gut, wenn sie ohne Inhalt und dergestalt oberflächlich bleibt? Was ist Zivilcourage ohne Wertevermittlung? Keiner weiß wie er sich in einem Zweifelsfall verhalten würde  - das hängt, wie die Forscher in akribischer Kleinarbeit beschrieben haben, von der Situation, dem Umfeld und dem Charakter der beteiligten Personen ab. Es gibt Grauzonen, die schwer zu beurteilen sind, Abhängigkeiten, die im Nachhinein gar nicht mehr nachzuvollziehen sind. Was die Erziehung unserer Kinder betrifft hilft nur eins: Aufklärung. Vermittlung der Geschichte und guter Sprachkenntnisse, damit man sich differenziert ausdrücken und in die Gesellschaft einbringen kann. Und die Schlüsse, die wir als Gesellschaft im Laufe der letzten Jahrzehnte daraus gezogen haben: das Eintreten für eine freiheitliche Demokratie, zu der es gehört, auch anders denkende zu Wort kommen zu lassen, und die universellen Menschenrechte ohne Abstriche zu vertreten. &lt;br /&gt;Berlin, im Februar 2011&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Konferenz ist ausführlich im Internet dokumentiert:&lt;br /&gt;http://www.konferenz-holocaustforschung.de/&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-4249961257994240600?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/4249961257994240600'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/4249961257994240600'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/02/helfer-retter-und-netzwerker-des.html' title='Helfer, Retter und Netzwerker des Widerstands'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-4023321238122936996</id><published>2011-02-12T15:05:00.000-08:00</published><updated>2011-02-12T15:08:13.515-08:00</updated><title type='text'>Verleihung der „German Jewish History Awards“</title><content type='html'>Zum 11. Mal wurden in diesem Jahr auf Einladung von Präsident Walter Momper im Berliner Abgeordnetenhaus die „German Jewish History Awards“ der Obermayer Stiftung aus Newton, USA verliehen. Der Preis wurde geschaffen, um das deutsch-jüdische Zusammenleben in der Vergangenheit zu zeigen und für die Zukunft anzuregen. Er wird an nicht-jüdische Deutsche vergeben. Die Preisverleihung fand im Rahmen einer Gedenkveranstaltung zum Holocaust am 24. Januar im Berliner Abgeordnetenhaus statt. Erstmals gab es keine Laudatio – zur Motivation der Preisvergabe und Biographie der Preisträger erschien ein kleines Heft, das auch im Internet verfügbar ist. Dafür begeisterten die Preisträger mit eigenen Vorträgen, in denen sie ihre Arbeit vorstellten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Filmemacherin Sibylle Tiedemann aus Ulm drehte im Laufe ihres Lebens mehrere Dokumentarfilme über das jüdische Leben in ihrer Region, zuletzt über ein schwäbisches Ehepaar, Lore und Gustav Frank, die nach Chicago ausgewandert sind. Gustav David Frank, ein passionierter Hobbyfotograf, hinterließ zahlreiche Fotos, die Tiedemann mit Begeisterung durchforstete und zu einer Ausstellung zusammenstellte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Barbara Staudacher und Heinz Högerle stolperten im wahrsten Sinne des Wortes über den jüdischen Friedhof von Rexingen in Baden-Württemberg. Mit über 1000 Grabsteinen gehört er zu den größten in Baden-Württemberg und erweckte eine Neugier, die in eine umfangreichen Dokumentation und Recherchetätigkeit mündete. Zur Eröffnung der vom „Träger- und Förderverein Ehemalige Synagoge Rexingen“ gezeigten Ausstellung reisten 2008 auch Gäste aus Israel an. Bildungsveranstaltungen und ein Schüleraustausch mit Israel stehen ebenfalls auf der Agenda – ein ambitioniertes Projekt, das klein angefangen hat und nicht nur die Vergangenheit dokumentiert sondern auch einen Weg zur Völkerverständigung in die Zukunft weist. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Ein weiteres historisches Projekt verfolgt Brigitta Stammer. Sie ist Schatzmeisterin des "Förderverein Jüdisches Zentrum Göttingen" und engagiert sich für den Wiederaufbau einer zwischenzeitlich landwirtschaftlich genutzten Synagoge mit dem Ziel, jüdisches Leben nach Deutschland zurückzuholen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Peter Körner ist Initiator der Online-Datenbank „Juden in Unterfranken“&lt;br /&gt;http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/friedhoefe/HausWolfsthalplatz/phpneu/logininclude.php?action=start die derzeit noch im Aufbau ist und die er mit Teams aus Freiwilligen und Praktikanten weiter ausbauen möchte.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Auf die Zukunft ausgerichtet ist das Projekt von Michael Heitz, der im Alter von 15 Jahren begann, seine Nachbarschaft über ehemalige jüdische Nachbarn zu befragen. Die Auskünfte blieben spärlich, das Interesse war geweckt. Als Gründungsvorsitzender des Vereins "Jüdisches Leben Kraichgau e.V." arbeitet er nun an der Einrichtung eines Lernortes über das ehemalige jüdische Leben und jüdische Kulturerbe des Kraichgaus in der ehemaligen Eppinger Synagoge. Darüber hinaus engagiert er sich in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Rhein-Neckar/Mannheim und sorgt dafür, dass die Kontakte zwischen Deutschen und Israelis immer weiter ausgebaut werden. Ein engagierter Mann, der das Schweigen erfolgreich gebrochen hat.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Bemerkenswert der musikalische Rahmen, dargeboten von Schülerinnen und Schülern der Internationalen Musikakademie zur Förderung musikalisch Hochbegabter in Deutschland e.V. – junge Talente, deren Darbietung so manchen professionellen Musikern um Klassen überlegen war.&lt;br /&gt;Informationen über den Preis und die Preisträger im Internet unter&lt;br /&gt;http://www.obermayer.us/award/&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-4023321238122936996?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/4023321238122936996'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/4023321238122936996'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2011/02/verleihung-der-german-jewish-history.html' title='Verleihung der „German Jewish History Awards“'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-4764592216148647233</id><published>2010-12-12T13:45:00.000-08:00</published><updated>2010-12-12T13:48:59.401-08:00</updated><title type='text'>Begas – Monumente für das Kaiserreich. Eine Ausstellung zum 100. Todestag des Bildhauers  Reinhold Begas (1831-1911)</title><content type='html'>Aus Anlass des 100. Todestages von Reinhold Begas hat Dr. Esther Sophia Sünderhauf für das Deutsche Historische Museum eine umfassende Ausstellung kuratiert, die es sich zum Ziel gesetzt hat, diesen bedeutenden Künstler seiner Epoche ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zurückzuholen. Eine lohnenswerte Aufgabe, denn Begas Kunstwerke fallen auf. Sie sind von einem Leben erfüllt, das den Betrachter noch heute fasziniert. Dass er ein großer Künstler war ist daher unbestritten. Dass er in Vergessenheit geriet, hat politische Gründe: die letzte Monographie erschien 1901, die letzte Ausstellung fand 1911 in seinem Todesjahr statt. Es folgten mit zwei Weltkriegen bewegte Zeiten. Nun eine Kunstausstellung im Deutschen Historischen Museum?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ausstellung ist mehr als eine Kunstausstellung, denn sie zeigt auch Aufstieg und Untergang einer Epoche: Begas war der bekannteste Bildhauer des Kaiserreiches, der europaweit Anerkennung fand. 1898, ein Jahr nach der Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Nationaldenkmals, galt er als der bekannteste Deutsche. Noch heute ist in Berlin der Neptunbrunnen auf dem Alexanderplatz ein Anziehungspunkt für Berliner und Touristen, noch immer stehen viele bedeutende Werke in seiner Stadt. Mit seinem Namen verbindet man sie nicht mehr. Andere Werke wurden Opfer eines Bildersturms: 1945 zerschossen von russischen Soldaten, eingeschmolzen oder durch „kalte Schleifung“ auf Beschluss des Magistrats. Als ein durchaus typisches aber doch „merkwürdiges anthropologisches Verhalten“ bezeichnete Hans Ottomeyer, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum das Vergraben der Marmorstandbilder der Fürsten Brandenburgs und Preußens an der Siegesallee – dieses Projekt mit 32 Gruppen, dessen Federführung Begas oblag und an dem 27 Künstler beteiligt waren, war ein Geschenk des Kaisers für seine Haupt- und Residenzstadt Berlin. 1954 wurden diese im Volksmund „Puppen“ genannten noch verbliebenen Figuren drei Meter tief im Boden versenkt. 1978/79 wieder ausgegraben und in ein Lapidarium verbracht befinden sie sich nun auf dem Gelände der Zitadelle Spandau, wo ein Museum für Berliner Denkmäler entstehen wird, dessen Eröffnung für 2013 geplant ist.  &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Berlin, Stadt im Wandel: Interessant ist gerade auch der Umgang mit den Denkmälern. Die Ausstellungsmacher stellen fest: „Spezifisch für Berlin ist die Verschiebung von Denkmalen oder ihr Verschwindenlassen je nach politisch vorherrschender Meinung. Sie werden von ihren Standorten entfernt und an die Peripherie gesetzt, um sie aus der Aufmerksamkeit und Erinnerung zu nehmen.“ Ein Phänomen, das in der Tat noch immer anhält und die Irrungen und Wirrungen der deutschen Geschichte spiegelt.&lt;br /&gt;Reinhold Begas wurde am 15. Juli 1831 als drittes Kind des Malers Carl Joseph Begas geboren. Seine Mutter Wilhelmine galt als zeitgenössische Schönheit. Jugend und Familie dokumentiert die Ausstellung ebenso wie Lehrer und Ausbildung und den anschließenden Aufstieg und Erfolg. Prägend war auch der Aufenthalt in Italien, das er durch ein Rom-Stipendium kennen lernte. Arnold Böcklin, Anselm Feuerbach und Franz Lenbach waren zeitgenössische Künstler, mit denen er in freundschaftlichem Kontakt stand. Eine angedeutete Rekonstruktion des Ateliers, das er im Berliner Tiergartenviertel für seinen ersten Großauftrag, das Schiller-Denkmal auf dem Berliner Gendarmenmarkt errichten ließ, ergänzt den Eindruck, den sich der Besucher der Ausstellung jenseits der historischen Dimension von der künstlerischen Arbeit des Bildhauers Begas machen kann.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dabei tastet sich die Ausstellung mit Liebe zum Detail schließlich auch an die Rezeption von Begas in der Gegenwart heran: Eine wichtige und interessante Ausstellung, deren Besuch sich lohnt. Man wird in Zukunft mit offeneren Augen durch die Stadt gehen und das eine oder andere Denkmal noch einmal in seinem historischen Kontext entdecken können. So wirkt die Geschichte einmal mehr in den Alltag hinein und zeigt: große Kunst ist zeitlos. Zeitlos schön – so wie die beeindruckenden Details der Personen, deren realistisch und naturgetreu in Stein gemeißelte Details noch lange Zeit überdauern werden. So schafft es deutsche Kunst, auch wenn sie politisch in Ungnade gefallen ist, sich als eine konstante Größe zu erweisen: auch wenn die großen, überdimensionalen Monumente verschwunden sind – ganz aus dem Berliner Stadtbild getilgt wurden die Begas Werke nicht. Zum Glück der Betrachter. Geschichte lässt sich nicht begraben.&lt;br /&gt;Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog mit Werkverzeichnis erschienen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Nikoline Hansen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Begas - Monumente für das Kaiserreich. Eine Ausstellung zum 100. Todestag des Bildhauers Reinhold Begas (1831-1911)&lt;br /&gt; 26. November 2010 - 6. März 2011&lt;br /&gt;Deutsches Historisches Museum, Ausstellungshalle von I. M. Pei. Unter den Linden, Hinter dem Zeughaus, 10117 Berlin&lt;br /&gt;Öffnungszeiten Täglich 10 bis 18 Uhr, Sonderöffnungszeiten: Freitags 18-21 Uhr, 24. und 25. Dezember geschlossen Eintritt 6 Euro, Jugendliche bis 18 Jahre frei, Jahreskarte 30 Euro (berechtigt zur Mitnahme einer zweiten Person)&lt;br /&gt;Der Katalog „Begas - Monumente für das Kaiserreich“ ist im Sandstein Verlag erschienen. Er kostet 34 Euro und hat 416 Seiten und  kann per E-mail (verkauf@dhm.de) über den Shop des Museums online bestellt werden, zzgl. 6 € Versandkosten.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;© Die Mahnung 1/2011&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-4764592216148647233?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/4764592216148647233'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/4764592216148647233'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/12/begas-monumente-fur-das-kaiserreich.html' title='Begas – Monumente für das Kaiserreich. Eine Ausstellung zum 100. Todestag des Bildhauers  Reinhold Begas (1831-1911)'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-7130698385368759974</id><published>2010-11-13T14:41:00.000-08:00</published><updated>2010-11-13T14:44:49.298-08:00</updated><title type='text'>Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg</title><content type='html'>Erstmals erzählt die Ausstellung »Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg« die Geschichte der über 20 Millionen Menschen, die während des Nationalsozialismus Zwangsarbeit leisten mussten. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ausstellung zeigt an über 60 Fallgeschichten, wie die Zwangsarbeit als Teil der rassistischen Gesellschaftsordnung des NS-Staates funktionierte: Die propagierte »Volksgemeinschaft« und die Zwangsarbeit der Ausgeschlossenen – beides gehörte zusammen. Die Deutschen beuteten die  Unterworfenen rücksichtslos aus. Tag für Tag. Jeder Deutsche musste sich entscheiden, wie er den Zwangsarbeitern begegnete: mit Mitmenschlichkeit oder dem propagierten Abstand als Angehöriger eines vermeintlich höherwertigen Volkes. Die Ausstellung zeigt auch, wie Deutsche von ihren Handlungsspielräumen Gebrauch machten. Das sagt nicht nur etwas über die Einzelnen aus, sondern auch über die Verführbarkeit durch die nationalsozialistische Ideologie.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ausstellung schockiert und ist unbequem. Sie räumt mit dem Mythos des Unwissens auf. Und sie wirkt durch die sorgfältige Recherche, die Kombination der Bilderfolgen, die aus den Archiven geholt und vergrößert wurden sowie die Dokumente, die in deutscher und englischer Sprache transkribiert zum Studium einladen. Ergänzt wird sie durch einen Raum mit Berichten von Zeitzeugen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zeit nehmen und hingehen. Das erschüttert, aber es ist allemal lehrreicher und interessanter als ein Besuch der Ausstellung über „Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen“ im Deutschen Historischen Museum. Denn die Ausstellung tut das, was dringend angezeigt ist: Sie zeigt tatsächlich, wie die Deutschen, die sich der Volksgemeinschaft angehörig fühlten, die Zwangsarbeit organisiert haben. Ganz ohne Zwang und auch nicht immer sofort erkennbar als Verbrechen. So räumt sie tatsächlich auf mit Faszination und Mythos. Besser spät als nie. Sie führt uns auch vor Augen, was für ein Wunder es ist, dass wir Deutschen es geschafft haben, in so verhältnismäßig kurzer Zeit wieder ein gutes und vertrauensvolles Verhältnis zu unseren Nachbarn aufzubauen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Eine Ausstellung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora im Jüdischen Museum Berlin, initiiert und gefördert von der Stiftung »Erinnerung Verantwortung und Zukunft«&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;http://www.ausstellung-zwangsarbeit.org/&lt;br /&gt;http://www.jmberlin.de/main/DE/01-Ausstellungen/02-Sonderaustellungen/2010/zwangsarbeiter.php&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;28. September 2010 bis 30. Januar 2011&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Stiftung Jüdisches Museum Berlin, Lindenstr. 9-14, 10969 Berlin, Altbau 1. OG&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Eintritt: 4 Euro, erm. 2 Euro&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-7130698385368759974?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/7130698385368759974'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/7130698385368759974'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/11/zwangsarbeit-die-deutschen-die.html' title='Zwangsarbeit. Die Deutschen, die Zwangsarbeiter und der Krieg'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-8118734491840858354</id><published>2010-11-13T05:45:00.000-08:00</published><updated>2010-11-13T05:46:54.894-08:00</updated><title type='text'>Kein Entkommen</title><content type='html'>Arye Sharut Shalicar ist nach Deutschland zurück gekommen. Auf Lesereise: Er stellt sein soeben erschienenes Buch vor, eine Autobiographie, die sich aus Erfahrungen speist, die ein paar Jahre zurück liegen. Dabei ist der Autor selbst noch jung: 1977 geboren hat er als Kind doch das erfahren, wovor seine Eltern ihn durch ihre eigene Emigration eigentlich bewahren wollten: einen ausgeprägten Antisemitismus, der ihn, den säkularen Juden, der gar nicht wusste was Judentum ist, zu dem machte, was er heute ist: ein bekennender und gläubiger Jude, dem Traditionen und Bräuche so wichtig geworden sind, dass er darüber schon mal den Verstand vor das Herz schaltet. Zwar nicht orthodox, aber doch eben bewusst gläubig. Vielleicht liest sich das Buch deshalb teilweise ein wenig ruppig und unversöhnlicher, als sich der Autor im persönlichen Gespräch gibt – auch wenn er meint, seine Vergangenheit gut aufgearbeitet zu haben.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dass es ihm gelungen ist, sein Leben so in die Hand zu nehmen und dem kriminellen Milieu zu entkommen, in das es ihn aufgrund der Lebensumstände gedrängt hatte, ist allerdings schon erstaunlich genug, und aus dieser Perspektive betrachtet gebührt Shalicar aller Respekt, dass er nicht nur das geschafft hat, sondern inzwischen auch in der Lage ist, dies alles offen zu diskutieren und damit umzugehen. Die mir zugedachte Widmung: „Ich hoffe der Abend hat Ihnen gefallen und Sie werden Spaß am Buch haben“ hat sich nur in der Hoffnung bestätigt: die Erzählungen aus seinem Leben und die Ausführungen auf die Fragen im Rahmen der Lesung in Berlin waren weitaus erbaulicher als die Lektüre des Buches, die mehr geneigt ist, Entsetzen hervor zu rufen. Der Spaßfaktor war für mich jedenfalls gering. Dafür der Erkenntnisgewinn umso größer, wie es um unsere Gesellschaft bestellt ist – und vor allem welche Gefahren am Horizont lauern, wenn wir uns nicht massiv dagegen zu Wehr setzen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Deutschland als weltoffenes, tolerantes Land. Shalicars Eltern sind aus dem Iran nach Deutschland gekommen, und sie haben hier als iranische Juden eine Heimat gefunden. Sie lebten in Berlin-Spandau ohne Diskriminierung zu erfahren. Die Situation änderte sich nach dem Umzug in den Wedding: Mit einmal zählte, wonach nie zuvor gefragt worden war: die Religion. Welch abenteuerliche Wandlung  das Leben des Berliner Jungen daraufhin nahm kann man in der Biographie nachlesen. Man sollte es tun, denn dieses Buch leistet auch einen wichtigen Beitrag zur Bestandsaufnahme darüber, wie in Berlin die Integration der zugezogenen Ausländer vollkommen fehlgeschlagen ist. Es tut dies erstaunlicherweise, und ganz im Gegensatz zu den Thesen Thilo Sarrazins, der glaubt ohne zynisches Geschrei nicht gehört zu werden, ohne Bitterkeit und Hass, sondern sehr sachlich – und eben mit Verstand. Er zeigt die Individualität auf, über die sich menschliches Zusammenleben  organisiert – jenseits von Dogmen. Ohne die es manchmal dann doch noch nicht zu gehen scheint. Denn am Ende ist das Buch zugleich ein Plädoyer für den Staat Israel als jüdischer Staat. Der wird, das zeigt die Geschichte, dringend gebraucht.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wir sind noch weit von jeder Normalität im menschlichen Zusammenleben entfernt, wenn es darum geht, Anderssein zu akzeptieren. Da gibt es kein Entkommen. Umso wichtiger bleibt es, die universalen Menschenrechte jenseits juristischer Spitzfindigkeiten zu verteidigen und Toleranz zu leben, ohne die eigenen Bedürfnisse und  Interessen zu vernachlässigen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Arye Sharuz Shalicar&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;„Ein nasser Hund ist besser als ein trockener Jude“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;ISBN 978-3-423-24979-9 München 20010: dtv, € 14,90&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-8118734491840858354?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/8118734491840858354'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/8118734491840858354'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/11/kein-entkommen.html' title='Kein Entkommen'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-6230928114022699928</id><published>2010-11-07T03:33:00.000-08:00</published><updated>2010-11-07T03:51:14.222-08:00</updated><title type='text'>Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen - Gedanken über eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums</title><content type='html'>&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Hitler und die Deutschen. Ein Thema, das vorhersehbar provoziert und interessiert. Das noch immer und immer wieder fasziniert. Denn die Suche nach dem Grund dafür, wie es einem Menschen gelingen konnte, eine ganze Nation zu verführen, ist noch nicht abgeschlossen. Warum? Weil es eigentlich jeder weiß und keiner wissen will. Und weil wahrscheinlich die Frage an sich schon falsch ist – und ganz bewusst immer wieder falsch gestellt und an die falschen Personen gerichtet wird. Demokratie und Frieden – das sind zwei Zustände, nach denen wir strebten, die wir erreicht haben und die doch schwer zu verteidigen sind. Es brodelt und gärt derzeit mal wieder in der deutschen Republik: Im eigenen Land werden kleine asymmetrische Kriege geführt, die mit der Wahrnehmung des Rechts auf Widerstand begründet werden, in der Realität aber die Durchsetzung demokratisch getroffener Entscheidungen behindern. Die Suche nach Mechanismen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf juristischem und verwaltungstechnischem Wege zu verhindern hat in den letzten Jahrzehnten geradezu pathologische Züge angenommen. Man traut sich selbst und seiner eigenen Moral offenbar noch immer nicht und gibt deshalb sein Recht auf Handlungsfreiheit gerne auf. Vielleicht ist es auch einfach Angst vor der Verantwortung und dem Unwägbaren. Und vielleicht funktioniert deshalb das Prinzip der Propaganda mit Hitler auch ohne wesentliche Reklame: eine halbe Stunde beträgt die Wartezeit im Deutschen Historischen Museum mindestens, wenn man die Ausstellung ohne Führung sehen möchte – auch an einem sonnigen Tag. Das hat es noch nie gegeben im DHM. Das Lemming-Prinzip funktioniert zuverlässig.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hitler und die Deutschen. Bei dem Thema liegen offenbar noch immer die Nerven blank. Die erste Station unseres Ausstellungsbesuchs ist die Vitrine, in der „Mein Kampf“ präsentiert wird. Unser Führer wird bei dem Versuch in die Ausstellung einzuführen von einer hysterischen Dame angegiftet die erklärt, sie könne den Text ihres Audioguides nun nicht mehr verstehen und sie habe schließlich dafür bezahlt. Ihr Mann steht schweigend daneben und guckt etwas betreten. Dem Vorschlag auf die andere Seite der Vitrine auszuweichen kann sie nicht folgen. Dort ist kein Empfang. Unser Führer erklärt, auch er habe das Recht, hier und jetzt seine Einführung zu halten. Die Dame schaut verbissen. Krieg liegt in der Luft. Es bleibt beim Zähneknirschen, der Kampf  findet nicht statt. Wir sind glücklicherweise ausreichend zivilisiert. Der durchschnittliche Ausstellungsbesucher scheint nach reichlicher Wartezeit jedenfalls einigermaßen gereizt zu sein. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum? In erster Linie sicher deshalb, weil Hitler inzwischen eigentlich kein Thema mehr sein sollte. Im Pressetext heißt es: „Die Ausstellung thematisiert die große Popularität des NS-Diktators und seine langen Schatten, die bis in die Gegenwart reichen“. Das tut sie, aber sie greift dabei zu kurz um zu einem wie auch immer gearteten Erkenntnisgewinn beizutragen. Viel zu kurz. Denn es war nicht Hitler allein, sondern Hitler war ein Teil eines Macht- und Propagandaapparats, den aufzubauen allein er als Einzelperson nie in der Lage gewesen wäre. Das ist eine Tatsache, die schmerzt und die nur ungerne wahrgenommen wird. Und die immer wieder überraschend scheint: so unlängst im Oktober nach Erscheinen der Studie über das Auswärtige Amt während der NS-Zeit. Entsetzen und Beschämung, wie sie der Auftraggeber Joseph „Joschka“ Fischer und der amtierende Außenminister Guido Westerwelle angesichts der nun schwarz auf weiß nachlesbaren Ergebnisse öffentlich bekundeten zeugen von Verdrängung oder Realitätsverlust und Schuldbewusstsein, wo es eigentlich keine Schuldigen mehr geben sollte sondern bewussten Umgang mit und Verantwortung für eine Vergangenheit, in der Recht zu Unrecht wurde und Menschlichkeit verloren ging.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Warum immer wieder Hitler? Er erscheint als Obsession, als Mythos und als deutsches Schicksal. Dabei war er allein sicher nicht der allmächtige Diktator, als den wir ihn heute gerne betrachten, frei nach dem Motto: „nicht ich bin es gewesen …“. Hitler war ein guter Rhetoriker, ein Mann mit Charisma und ein Mann aus dem Volk – und damit genau die Person, auf die sich die Hoffnung auf eine bessere Zukunft fokussieren und dem Volk gegenüber glaubwürdig vermitteln ließ. Er war die Heilsversprechung, mit den alten Machteliten und dem Kaiser, der den ersten Weltkrieg verloren hatte, Schluss zu machen. Und damit auch die Niederlage und die mit ihr einhergehenden Repressionen ad acta zu legen. „Heil Hitler“ – das hieß wohl heile deutsches Volk, erlöse uns von den Wunden und den Verfehlungen der Kriegsbegeisterung, die uns in eine schwere Krise gestürzt haben. Wie konnte dann alles noch viel schlimmer kommen?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Unzufriedenheit gibt es immer wieder; sie ist das einzige treibende Motiv für den Wunsch nach Veränderung. Die Deutschen lebten auch in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts in einer Demokratie, sie hatten Freiheiten. Kunst und Wissenschaft gediehen. Aber sie konnten trotzdem keinen Frieden schließen. Sie wollten mehr. Rehabilitation und Satisfaktion. Zur Pressevorbesichtigung war die Ausstellung noch mit dem Untertitel „Volksgemeinschaft und Gewalt“ angekündigt – ein Titel, der nur wenig unsinniger ist als der nun gewählte „Volksgemeinschaft und Verbrechen“, denn wo bitte setzt das Verbrechen ein? Bei der Übergabe der Macht an die NSDAP? Bei der institutionalisierten Diskriminierung, etwa dem Erlass der Nürnberger Gesetze? Bei dem Versuch der Führungseliten und des Staatsapparates, die Macht durch Terror und einen unglaublichen Vernichtungskrieg zu behalten? Und auf wen beziehen sich die Verbrechen; die Volksgemeinschaft oder nicht doch eher die „geistige Elite“ und ihre willigen Helfer? Im Alltag gab es für die meisten Deutschen – sofern sie „arischer Abstammung“ waren - keine Verbrechen; es gab Repressionen, es herrschte auch Angst und Terror – aber nur bei Verweigerung der Gleichschaltung. Für eine überwiegend große Mehrheit gab es ein ganz normales Leben - ohne Gewalt oder Verbrechen. Die Volksgemeinschaft generierte sich freiwillig und sie speiste ihre Identität aus der Ausgrenzung der nicht Konformen, der anderen, in erster Linie der durch die Nürnberger Gesetze zu Juden erklärten Mitbürger, Personen, die aus politischen, rassischen oder religiösen Gründen verfolgt wurden, oder die anderweitig nicht ins Bild passten oder einfach jemandem nicht genehm waren, der die entsprechenden Beziehungen hatte um sie dann beispielsweise als „Schwachsinnige“ der „Euthanasie“ auszuliefern. Ein Vorgehen, das nicht immer ohne Proteste verlief.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erahnen lässt sich das in der Ausstellung alles nur durch spärlich beschriftete Gegenstände. Genauso wenig geht sie auf Hitler als Person ein. Ohne zusätzliche Erklärung ist sie kaum dazu geeignet, Wissen über das gestellte Thema zu vermitteln. Sie zeigt auf 1050 qm Objekte – „Fotos, Plakate und Ensembles von Objekten, die die zentralen Botschaften veranschaulichen“ und deutet den Weg des schleichenden Prozesses an, den Deutschland in den „Untergang“ nahm, wie ein deutscher Spielfilm 2004 den Weg des „Führers“ in die Selbstvernichtung treffend nennt. Ein Kamikaze-Unternehmen der Machteliten, die sich die Unterstützung der „Volksgemeinschaft“ sicherten, indem sie auf eine der zuverlässigsten menschlichen Fehlbarkeiten bauten: die Gier. Ein Phänomen, das Götz Aly in seinem 2005 erschienenen Buch „Hitlers Volksstaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus“ bereits zutreffend formulierte – und womit er auf teilweise heftigen Widerstand stieß. Was nicht verwundert weil – siehe oben – unangenehme Wahrheiten schmerzlich sind und lieber der Verdrängung anheim gegeben werden. Verwundern tut vielmehr, dass diese Debatte von den Ausstellungsmachern außer Acht gelassen wurde und nunmehr versucht wird, das Pferd wieder neu aufzusatteln. Das allerdings mit historischer Objektverliebtheit und Sorgfalt. Das ist gut so, reicht aber nicht aus und kratzt mal wieder nur an der Oberfläche. Die 2005 im DHM gezeigte Ausstellung „Legalisierter Raubmord“ des Fritz-Bauer-Instituts war da schon einmal deutlich weiter in der historischen Aufarbeitung.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die gegenwärtige Ausstellung wird im Untergeschoss des Pei-Baus gezeigt und ist in acht Teile gegliedert, die durch eine stringente Ausstellungsarchitektur mit Trennwänden in gedeckten Rot- (Terrakotta) und Grüntönen (Oliv) strukturiert wird – zeitgenössische In-Farben aus der Jetztzeit. Es beginnt mit „Führermythos und Führerbewegung“ und „Hitler und die NSDAP“. Mein Kampf in vielen verschiedenen Ausgaben und Übersetzungen in einer zentralen Vitrine als „Objekt-Ensemble“: dänisch, französisch, spanisch, englisch, portugiesisch, italienisch, norwegisch, schwedisch, finnisch, niederländisch: das heißt, nicht nur die Deutschen sondern auch der Rest der Welt hätte wissen können und müssen, was da droht? Auch ein satirisches Fahndungsplakat wird gezeigt: „If captured dead or alive, the reward will be freedom for the entire world and peace for all nations“.  USA 1942.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Das anschließende Kapitel „Machübertragung und nationale Revolution“ räumt mit dem Mythos der „Machtergreifung“ auf – allerdings nur halbherzig. Korrekt wird dargestellt, dass die Eliten die Macht sehr willig übertrugen – tatsächlich schlug der Versuch, Hitler für ihre Zwecke einzuspannen allerdings fehl und scheiterte an dem Ehrgeiz einer neu herangewachsenen jungen und machthungrigen Partei. Und an deren Versprechungen. Neben Massenmobilisierung und der allgegenwärtigen Propaganda insbesondere durch Einbindung der Jugend wird hier auch die völkische Ideologie herangezogen, die der Nationalsozialismus erfolgreich instrumentalisierte: Hoch über den Ausstellungsbesuchern schwebt, wenn man aus dem zweiten in den ersten Raum zurück schaut, eine Tischplatte aus verschiedenen Holzarten mit Hakenkreuzintarsien aus dem Besitz von Hermann Burte über dem Durchgang an der Wand. Ein faszinierendes Stück, das so platziert allerdings fehl am Platz wirkt. Burte ist ein heute wohl eher unbekannter Autor. Weshalb sein Buch „Wiltfeber – der ewige Deutsche. Die Geschichte eines Heimatsuchers“ am Anfang der Ausstellung steht bleibt daher der Fantasie des Besuchers überlassen. Mehr als diesen Buchtitel und den hübschen Tisch sieht der Besucher nicht – schade, denn einen Reim auf die Sache kann er sich so eigentlich nicht machen. Das ist nicht seriöse historische Präsentation sondern blickfängerische Inszenierung. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;„Die Deutsche Gesellschaft und Hitler“ thematisiert das Phänomen der Gleichschaltung, die ihren Impetus aus der Diskriminierung und Ausgrenzung zog: „Juden sind in unserem Ort nicht erwünscht“. Der Antisemitismus als Ton angebendes Merkmal völkischer Einigkeit wirkte – da half der spärliche Protest nichts. Weitsichtige Juden hatten dies schon kommen sehen und sich – auch um Karriere zu machen - ohne wirkliche religiöse Überzeugung taufen lassen – ein Umstand, der manchen das Leben rettete, aber eben auch nicht immer. Denn Willkür war Staatsdoktrin nach dem Motto „Wer Jude ist bestimme ich“ – auch ein Aspekt des Terrors, der in der Ausstellung nicht hinreichend thematisiert wird obwohl er in engem Zusammenhang mit der Person Hitler steht. Dafür die Inszenierung des Personenkults und die Industrialisierung: Hitlerbüsten in Massenproduktion und der Traum vom Volkswagen, mit dem Bürger um ihr Erspartes gebracht wurden. Ein Erfolgsmodell wurde hingegen der Volksempfänger: der Verbreitung der staatlichen Propaganda stand nichts mehr im Wege. Selbst das Kasperletheater und das Kinderspielzeug wurden auf die neue Politik ausgerichtet: Hitler, Goebbels und Göring als Spielzeugfiguren. Paul von Hindenburg fehlt ebenso wenig wie das mit einem Hakenkreuz geschmückte Rednerpult.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sodann thematisiert die Ausstellung den »Führerstaat« als Phänomen der Machtstrukturierung und –erhaltung. Der Reichsparteitag wird bescheiden in einer Vitrine mit Miniaturfoto angedeutet, das nach einer Lupe schreit. Nur nicht die Großmannsucht ausstellungstechnisch spiegeln scheint die Devise der Ausstellungsmacher zu sein. Einen Eindruck von der historischen Wirklichkeit dieses Ereignisses vermittelt das – ganz im Gegensatz zu der Ausstellung in Nürnberg, aus der man einige der Fotos und die Büsten kennt – eher nicht. Die „Meistersinger“-Schärpe und ein Klappstuhl sind die Utensilien, die als Teil des Ganzen für den Reichsparteitag dort in der Vitrine stehen. Andere Objekte sind Sammeltassen, Orden und Urkunden: Symbole, mit denen der „Führerstaat“ sich schmückte. Wahrscheinlich war der Personenkult tatsächlich genauso ausschlaggebend für den Erfolg der Diktatur wie der Wiedererkennungswert des Symbols Hakenkreuz – eine gelungene Inszenierung und erfolgreiche Propaganda. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Der sechste Abschnitt der Ausstellung widmet sich „Führerherrschaft und Vernichtungskrieg“ – auch hier ist die Reduktion auf die Person Hitler gänzlich unangebracht. Auf der Internetseite zur Ausstellung liest sich das so: „Mit der Durchsetzung seines Führerwillens und der Auflösung aller institutionellen Barrieren konnte Hitler seine Weltanschauungspolitik schrittweise verwirklichen. Sie deckte sich nicht nur weitgehend mit den Herrschaftszielen der traditionellen militärischen und wirtschaftlichen Eliten. Sie fand auch die Loyalität und Unterstützung der deutschen Gesellschaft, solange Hitlers Krieg militärisch erfolgreich verlief und »Lebensraum« sowie soziale Existenzerweiterungen versprach. Dass Hitlers Krieg sich nicht nur nach außen, sondern auch nach innen gegen Minderheiten und »Gemeinschaftsfremde« richtete und auf Ausbeutung, Deportation und Vernichtung ganzer Völkergruppen zielte, nahm man mit einer Mischung aus moralischer Indifferenz und Anpassungsbereitschaft hin“. Also wieder ganz in dem Sinne: Hitler war schuld. Und dann vielleicht noch das Militär und die Kapitalisten. Der Rest: Kollateralschaden. Es ist wohl war, dass sich über einen Krieg nur wenig Sinnvolles sagen lässt. Aber so ein Unsinn muss es in einem aufgeklärten Land, das versucht seine Vergangenheit angemessen darzustellen auch nicht gleich sein. Das Deutsche Historische Museum ist eine aus Steuermitteln finanzierte Stiftung, von der sich der Bürger ein gewisses wissenschaftliches Niveau erwarten kann – auch in einer Synopse im Internet. Der Berliner Tagesspiegel, der im Internet auf den Dialog mit dem Leser setzt, hat eine Umfrage zur Ausstellung verfasst: Bei abgegebenen 3730 Stimmen (Stand 6.11. 19:20) sagten 12% eine solche Ausstellung birgt die Gefahr des ungewollten Personenkults. 13% fanden, die Ausstellung sei notwendig, um den falschen Mythos zu brechen.75% erklärten, der zeitliche Abstand sollte inzwischen groß genug sein, diese Themen ohne Tabuisierung besprechen zu können. Das stimmt, entspricht aber leider nicht der Praxis. Erstaunlich, dass die Minderheit, die sich ernsthaft Gedanken macht, fast unentschieden ist zwischen der Gefahr des Personenkults und der Notwendigkeit, den Mythos zu brechen. In der Tat wäre das Aufräumen mit Überhöhung und Mythen ein legitimer historischer Auftrag – der aber tatsächlich mit der gewählten Fragestellung in dieser Ausstellung nicht unternommen werden konnte. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Den Zweiten Weltkrieg auf „Hitlers Krieg“ zu reduzieren ist ein Unding, das sich nach wie vor einer erheblichen Popularität erfreut und sogar noch immer weiter steigern lässt. So veranstaltet die Stiftung Erinnerung, Verantwortung, Zukunft vom 8.-10. November in Berlin eine internationale Konferenz unter dem Titel „Zwangsarbeit in Hitlers Europa“. Sehr populär sind derzeit auch Führungen durch „Hitlers Berlin“ mit echtem Gruselfaktor. Oder als „Digitale Stadtführung durch Hitlers Berlin“ – dabei handelt es sich um einen in diesem Jahr herausgegebenen Stadtführer mit den digitalen Rekonstruktionen des historischen Berlins auf DVD ( http://www.welt.de/kultur/article10759904/Digitale-Stadtfuehrung-durch-Hitlers-Berlin.html ). &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;War alles was zwischen 1933 und 1945 in Deutschland und Europa geschah nur ein Werk Hitlers? Ehre wem Ehre gebührt, aber Hitler war nicht mehr als die Gallionsfigur eines Terrorsystems, eine Person, deren Biographie man ergründen sollte – wie das ja auch bereits geschehen ist und die man statt sie weiter zu überhöhen endlich in die passenden Koordinaten der deutschen und europäischen Geschichte verweisen sollte. Vielleicht wäre es nicht einfach gewesen, Hitler zu ersetzen, aber eines ist sicher: In einem funktionierenden politischen System ist jeder ersetzbar. König, Präsident, Diktator - auch Hitler hätte einen adäquaten Nachfolger gefunden, hätte er Erfolgsgeschichte statt Untergang geschrieben. Dass er – zu unserem heutigen Glück Untergang schrieb ist nicht nur ihm, sondern auch dem Versagen der damaligen politischen Elite und allen voran den alliierten Streitkräften zu verdanken, die den angezettelten Vernichtungskrieg wenn auch spät gewannen. Warum sich die damalige deutsche Elite nicht früher gegen das Unrechtsregime zur Wehr setzte und der Widerstand an den entscheidenden Stellen so vereinzelt blieb ist die entscheidende Frage, der wir uns heute stellen sollten, statt einmal mehr und immer weiter alles Übel des Nationalsozialismus auf Hitler zu reduzieren. Denn auch die deutsche Nachkriegsgeschichte bleibt zu erforschen um das Geschehen zu verstehen – jenseits der Person Hitlers. Der war da ja tot.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Einen entsprechenden Verweis, dass neben Hitler auch noch andere Personen in das Geschehen eingebunden sein mussten, unternimmt die Ausstellung durchaus: die Umsiedlungspolitik ist Thema und das deutsche Eisenbahnnetz, das Richtung Auschwitz ausgerichtet war hängt an der Wand so wie die inzwischen zu einiger Bekanntheit gelangte Telefonnotiz von Fritz Sander, dem Oberingenieur der Firma „Topf und Söhne“, in der dieser Probleme mit der Be- und Entlüftungsanlage für den Gaskeller in Auschwitz beschreibt. Denn „Hitlers Krieg“ war am Ende doch auch ein Krieg der „Volksgemeinschaft“, die sich – aus welchen Gründen auch immer – darauf einließ. Mal mehr oder mal weniger freiwillig, mal mit der Hoffnung, dass der Spuk vorbei gehen möge, aber auch aus einer Überzeugung, die sich nur als irrationaler Glauben beschreiben lässt. Eine Utopie für eine Mehrheit, ein Alptraum für die Ausgegrenzten: Antisemitismus ist das Thema und die T4-Aktion im Rahmen der „Euthanasie“; der Terror gegen die politisch Andersdenkenden und die Deportation der „Zigeuner“ hingegen nicht. „Die Deutsche Gesellschaft im Krieg“ – das ist nicht nur der Feldzug gegen Russland, das sind nicht nur die Bomben auf deutsche Städte, das sind hier in erster Linie die Konzentrationslager: Theresienstadt und Majdanek. Und der Widerstand: Attentate und Attentatsversuche, Georg Elser und Claus Philipp Maria Graf Schenk von Stauffenberg. Der innere Krieg dominiert den äußeren – eine faszinierende Lesweise von „Hitlers Krieg“, dem Krieg eines Mannes, der in Wirklichkeit nicht mehr die leuchtende Führerfigur war sondern ein kranker, hässlicher Mann – wovon nur wenige Fotos zeugen. Eindrucksvoll das leider nach wie vor eher unbekannte Portrait von Klaus Richter, das Hitler 1941 bereits als einen derart von Krankheit gezeichneten Mann zeigt. Der Verfall war wohl so schleichend wie der faszinierende Aufstieg, nur ging er langsamer und weniger bombastisch vonstatten. „Hitlers Charisma verblasst“ ist das Gemälde untertitelt, und „Hitler entdämonisiert“ schreibt Simone Erpel, eine der Kuratorinnen der Ausstellung im Katalog. Nein, der Versuch ist misslungen. An einer Entdämonisierung ist scheinbar niemandem wirklich gelegen. Sonst würde man Hitler einfach einmal als Mensch porträtieren ohne Insignien der Macht. Das hat er allerdings schon zu seinen Lebzeiten erfolgreich zu verhindern gewusst.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hitlers Charisma weiter verblassen zu lassen wäre ein legitimes Ziel der Ausstellung gewesen. Das ist ihr nicht nur nicht gelungen, das war von vornherein auch gar nicht konzipiert, wie die Beschreibung im Internet zum letzten Teil „Hitler und kein Ende“ sehr treffend kommentiert: &lt;blockquote&gt;„Jede Nachkriegsgeneration stellt sich aufs Neue die Frage, wie Hitler möglich war und legt sich ein eigenes Bild von Hitler zurecht. Hitler und seine Herrschaft behalten nach wie vor ihre widrige Faszinationskraft. Die politische Abgrenzung von der NS-Vergangenheit gehört mittlerweile zum Bestandteil unserer politischen Kultur. Auch darum sind wir mit Hitler noch längst nicht fertig.“&lt;/blockquote&gt;&lt;br /&gt;Hitler und kein Ende. Hitler als der große Führer, an dem wir uns auch heute noch mit Annäherungen und Gegenentwürfen abarbeiten? Eine Figur, die jede Generation neu interpretieren muss? Wieso nur Hitler?  Einzig überzeugend ist der Ansatz von Peter Steinbach, der in einem Essay im Katalog den Nationalsozialismus als politische Religion analysiert. Der Stellenwert, den Hitler dabei als eine Art messianische Person einnimmt ist nicht von der Hand zu weisen. Nun ist Religion etwas, das in den Köpfen der Menschen verwurzelt ist, und solange Charisma und Dämonisierung wirken bleibt auch der Glaube. Das trifft den Nagel auf den Kopf. Und zeigt damit einen erfolgversprechenden Weg auf, der Faszination, die Hitler nach wie vor zugeschrieben wird, ein Ende zu bereiten: Aufklärung. Dazu hat das DHM mit seiner Ausstellung nicht viel beigetragen, weshalb ein Besuch so unnötig ist wie eine Taschenlampe bei Sonnenschein.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Was bleibt ist auch heute noch die Angst, etwas Falsches zu sagen und ein diffuses Gefühl des Unwohlseins oder der Scham angesichts der im Namen einer fanatisierten Nation begangenen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, wie sie Außenminister Guido Westerwelle in seiner Rede anlässlich der Vorstellung der Studie „Das Amt und die Vergangenheit“ am 28.10.2010 artikulierte. Schuld? Sind natürlich nicht immer nur die anderen. Auch deshalb ist der Versuch, die Realität zu zeigen – dass nämlich auch die „Volksgemeinschaft“ sehr wohl wusste was geschah, wichtig. Elias Canetti hat in seiner scharfsinnigen Analyse von „Masse und Macht“ das Phänomen sehr ausführlich beschrieben, dass Unrechtbewusstsein durch das Gefühl einer Mehrheit anzugehören sehr leicht verdrängt werden kann. Allein, dies festzuhalten fehlt in der Ausstellung, und es fehlt im Katalog, und so bleibt sie was sie ist: der Versuch einigermaßen ausgewogen die Machtübergabe an Hitler, seine darauf folgende Machtergreifung und die vielfältigen Versuche des Machterhalts zu beschreiben. Diese beschränkte Sicht auf Hitler reicht bei weitem nicht aus um die Geschichte zu verstehen. Sie reicht allerdings aus, um den Eintrittspreis von 5 auf 6 Euro anzuheben und damit das Defizit, an dem das DHM offenbar laboriert, zu reduzieren. Der Andrang gibt den Ausstellungsmachern Recht. Und so wird Hitler einmal mehr erfolgreich zu einer Goldgrube.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Sorge, das Publikum könne die Objekte als Fetisch begreifen, ist tatsächlich unbegründet. Vor der Vitrine mit dem Objekt-Ensemble Spielfiguren bleiben zwei Frauen stehen, die vom Alter her so aussehen, als ob sie kurz nach dem Krieg geboren sind: Achtundsechziger Generation, das klassische Outdoor-Outfit, die Fleecejacke mit der Tatze und modischer praktischer Kurzhaarschnitt leicht angegraut. Die eine sagt zu der anderen mit der Freude des Wiedersehens beim Blick in die Vitrine: „Sieh mal, Göring. Die habe ich auch zu Hause“. Dann stockt sie kurz und ergänzt: „Mein Sohn hat das jetzt“.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Um mit Marcel Reich-Ranicki zu sprechen: „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Tatsächlich, es bleiben viele Fragen. Allen voran: Warum ziehen wir den Vorhang immer wieder zu?&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dr. Nikoline Hansen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Ein spezieller Dank geht an Vera Dörrier-Breitwieser, die mich durch ihre Hinweise auf die Präsentation der Ausstellung in den öffentlichen Medien zu diesem Kommentar motiviert hat.&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die zitierten Internetseiten wurden am 5.11.2010 abgerufen. Die lesenswerte Rede von Außenminister Guido Westerwelle finden Sie auf den Seiten des Auswärtigen Amts:&lt;br /&gt;http://www.auswaertiges-amt.de/diplo/de/Infoservice/Presse/Reden/2010/101028-BM-Historikerkommission.html&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen&lt;/span&gt;&lt;br /&gt;Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums&lt;br /&gt;Kuratoren: Prof. Dr. Hans-Ulrich Thamer, Dr. Simone Erpel, Klaus-Jürgen Sembach&lt;br /&gt; 15. Oktober 2010 - 6. Februar 2011&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Ausstellungsort: Deutsches Historisches Museum, Ausstellungshalle von I. M. Pei, Unter den Linden, Hinter dem Zeughaus, 10117 Berlin; Info-Telefon: +49 - (0)30 - 20304 – 444 www.dhm.de&lt;br /&gt;http://www.dhm.de/ausstellungen/hitler-und-die-deutschen/index.html&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 18 Uhr, Sonderöffnungszeiten: Freitags 18-21 Uhr&lt;br /&gt;24. und 25. Dezember geschlossen&lt;br /&gt;Eintritt: 6 Euro, Jugendliche bis 18 Jahre frei; Jahreskarte 30 Euro (berechtigt zur Mitnahme einer zweiten Person)&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-6230928114022699928?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6230928114022699928'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/6230928114022699928'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/11/hitler-und-die-deutschen.html' title='Hitler und die Deutschen. Volksgemeinschaft und Verbrechen - Gedanken über eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-1393829121785435705</id><published>2010-10-13T09:42:00.000-07:00</published><updated>2010-10-13T09:45:58.100-07:00</updated><title type='text'>Macht Wissen klüger?</title><content type='html'>„Beschreiben ist zwecklos, muss man gesehen haben“ schrieb Ludwig Borchardt am 6. Dezember 1912, als er die Büste der Nofretete entdeckte. Das gleiche kann man von dieser Ausstellung sagen: Sie ist, abgesehen von dem Erkenntnisgewinn, der sich durch die mannigfaltigen Denkanstöße ergibt, ein Genuss für die Sinne, denn sie wird von den Ausstellungsmachern liebevoll und künstlerisch präsentiert. Sie macht neugierig, vom ersten bis zum letzten Schritt. Sie setzt auf Ambivalenz: Schatten empfangen den Besucher, deren Verursacher auf der Rückseite des riesigen Regals zu sehen sind, Exponate, die mit Hilfe von Fernrohren erkundet werden können. Das Regal  als Symbol für die Ordnungssysteme, die Wissenschaft benötigt, um die Dinge einsortieren, bewahren und weitergeben zu können – es zieht sich als Motiv durch die Ausstellung, und es greift doch zu kurz. Weltwissen - 300 Jahre Wissenschaft in Berlin – ein ambitioniertes Thema, das abzudecken den Ausstellungsmachern bei aller Sinnenfreude nur sehr partiell gelingt. Insbesondere der historische Teil ist in einigen Perioden zu plakativ oder einseitig angelegt. Besonders fällt das auf in der Zeit nach 1945, deren Sichtweise auf die DDR und die Achtundsechziger begrenzt ist. Die schwierigen und beharrlichen Bemühungen der West-Berliner Forschungslandschaft in den Naturwissenschaften wieder an die vergangenen Blütezeiten anzuknüpfen werden ignoriert, obwohl sie mit kontinuierlicher Forschungsarbeit auf höchstem Niveau den Grundstein für den Anschluss an die Weltspitze gelegt hat, der Nobelpreis für Gerhard Ertl zeugt von dieser Erfolgsgeschichte. Gezeigt wird stattdessen die Entstehung der Topographie des Terrors aus östlicher und westlicher Sicht – sicher auch ein wesentlicher Beitrag deutscher Wissenschaft, aber nur ein Aspekt unter vielen. &lt;br /&gt;Das Wissenschaftsjahr 2010 präsentiert sich mit über 1000 Veranstaltungen – ein Kraftakt, der den Stellenwert zeigt, den die Wissenschaft in Berlin derzeit hat. 30 Nobelpreisträger hat die Stadt bereits hervorgebracht – und sie hat das Zeug dazu, diese Zahl in Zukunft kräftig anwachsen zu lassen. Wissen ist das Kapital Berlins – das war in der Vergangenheit so und ist überlebenswichtig für eine blühende Zukunft der Stadt über das gegenwärtige Wissenschaftsjahr hinaus.&lt;br /&gt; &lt;br /&gt;Warum 300 Jahre? Diese Frage bleibt so ungeklärt wie die Definition der Wissenschaften an sich. Die Staatsbibliothek feiert 2011 ihren 350. Geburtstag. 300 Jahre Charité, 300 Jahre erstes Statut der Akademie der Wissenschaften (gegründet wurde sie 1700), 200 Jahre Humboldt-Universität, 100 Jahre Max-Planck (zuvor Kaiser-Wilhelm)-Gesellschaft. Die Wahl des Jahres 2010 bleibt arbiträr.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Trotz aller Schwächen ist es die Ausstellung allemal wert, sich ausführlich mit ihr zu befassen: Sie ist eine logistische Meisterleistung mit über 1500 Objekten von über 150 Leihgebern, die auf mehr als 3200 Quadratmetern in zwei Erzählsträngen platziert wurden. Da gibt es zum einen den chronologischen Gang durch 300 Jahre Wissenschaftsgeschichte in Berlin und zum anderen Räume zu unterschiedlichen Wissenswegen, wie Entwerfen und Verwerfen, Experimentieren, Streiten und Kooperieren, Rechnen und Interpretieren.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wissen per se macht zwar nicht klüger, aber es kann helfen, die Welt zu verstehen. Klug wird man aus den Erfahrungen, die sich auch aus den Wissenschaften und den in diesem Zusammenhang stehenden Erfindungen und Entdeckungen ergeben. Für die Ausstellung gilt allemal: Beschreiben ist zwecklos. Man sollte sich die Zeit für einen Besuch nehmen. Den kann auch der Katalog der Ausstellung nicht ersetzen. Er bietet allerdings einen schönen Überblick über die Exponate und liefert kurze Einblicke in einzelne Topoi der gegenwärtigen Wissenschaftsdiskurse.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;WeltWissen. 300 Jahre Wissenschaften in Berlin.&lt;/span&gt; Bis 9. Januar 2011 zu sehen im Martin-Gropius-Bau Berlin&lt;br /&gt;Niederkirchnerstraße 7,  10963 Berlin Mittwoch bis Montag 10:00–20:00&lt;br /&gt;http://www.weltwissen-berlin.de&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag ein Katalog mit Beiträgen von H. Bredekamp, A. te Heesen, C. Markschies, H.J. Rheinberger, T. Schnalke, P. Nolte, A. Daum, H. Schmidgen, V. Hess, E. Tenorth, N. Doll, M. Kraus u.a. erschienen. 412 Seiten, 290 Abbildungen, ISBN: 978-3-7774-2701-0, 39,90 € (im Buchhandel), in der Ausstellung nur 25,00 €.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-style:italic;"&gt;Nikoline Hansen&lt;/span&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-1393829121785435705?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/1393829121785435705'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/1393829121785435705'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/10/macht-wissen-kluger.html' title='Macht Wissen klüger?'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-8688147203054365108</id><published>2010-10-12T13:55:00.000-07:00</published><updated>2010-10-12T13:56:13.317-07:00</updated><title type='text'>Cinemaviv – Israelisches Filmfestival Berlin</title><content type='html'>Vom 10.-12. Oktober fand in Berlin zum 2. Mal „Cinemaviv –Israelisches Filmfestival Berlin“ statt. Gezeigt wurden sechs Filme an drei Tagen, eine bunte Auswahl, wie schon die gegensätzlichen Filme des Eröffnungstages deutlich machten. Der Eröffnungsfilm aus dem Jahr 2008, „Lost Islands“ von Reshef Levi zeichnet ein israelisches Gesellschaftsbild der achtziger Jahre mit autobiographischen Komponenten: er schildert das Leben einer gutbürgerlichen kinderreichen Familie, eine heile Welt, die sich im Detail allerdings als oberflächlich erweist. Der Vater, der seinen Kindern predigt, wie wichtig es ist, sich Träume zu erfüllen, züchtet Kakteen – eine Metapher auf die Unbequemlichkeiten, die das Leben in Israel mit sich bringt; seinem Sohn, der zur Armee geht, rät er, sich bei Problemen in einem Kakteenfeld zu verstecken – niemand käme auf die Idee, ihn dort zu suchen. Ein zweifelsfrei weiser Rat. Er selbst allerdings befolgt diesen Rat nicht, und so kommt es zu einer Katastrophe, die das Leben der Familie nachhaltig verändert. Trotzdem: ein wunderbar vielschichtiger und emotional bewegender Film über das Erwachsenwerden und das Menschsein an sich. Wer die Gelegenheit hat: unbedingt sehen!!! Die Skype-Lifeschaltung nach Israel zur anschließenden Diskussion mit dem Regisseur zeigte die innovativen Möglich- aber auch Fehlbarkeiten moderner Technik.&lt;br /&gt;Ein ganz anderer Film ist „Year Zero“ aus dem Jahr 2004. Er könnte  genauso gut in Los Angelos oder einer anderen Metropole spielen: die Geschichte von sieben Menschen, deren Leben sich irgendwie kreuzt. Ein Puzzle, das sich irgendwann zusammenzufügen beginnt. So unterschiedlich diese Menschen sind, ihnen allen gemeinsam ist die Lebenskrise, in der sie sich gerade zu befinden scheinen. Dabei entwickeln sich ihre Geschichten mit der Verkettung sich steigernder Katastrophen, glissandoartig wandelt sich das Handeln von böse zu gut und von gut zu böse. Wo „Lost Islands“ trotz Katastrophen ein positives Lebensgefühl vermittelt lässt einen „Year Zero“ betroffen, verwirrt und tendenziell deprimiert zurück. &lt;br /&gt;Dass die Auswahl auf Vielfalt setzt zeigt „PICKLES“, ein Dokumentarfilm über acht israelisch-arabische Witwen, die ihr Leben erfolgreich selbst in die Hand nehmen und sich so ihre Unabhängigkeit erwerben. Festival – das ist vielleicht ein etwas hoch gegriffenes Wort. Und trotzdem eine begrüßenswerte Initiative: wann sonst bekommt man israelische Filme in Berlin im Original zu sehen? Bestenfalls auf der Berlinale – wo die Auswahl stets politisch motiviert ist oder bei den jüdischen Kulturtagen, deren Schwerpunkt anders gelagert ist. Dabei ist israelisches Kino, wie die Filme beweisen, Weltklasse. Deshalb: Mazel Tov für Cinemaviv 3!&lt;br /&gt;Information im Internet: http://cinemaviv.de/&lt;br /&gt;Nikoline Hansen&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-8688147203054365108?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/8688147203054365108'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/8688147203054365108'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/10/cinemaviv-israelisches-filmfestival.html' title='Cinemaviv – Israelisches Filmfestival Berlin'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-169369174867201372</id><published>2010-09-05T09:36:00.000-07:00</published><updated>2010-09-05T10:45:13.007-07:00</updated><title type='text'>Nachbarn - israelische Kunst in der Galerie im Körnerpark</title><content type='html'>Das Bezirksamt Berlin-Neukölln zeigt in der Galerie am Körnerpark die Ausstellung Nachbarn - Neighbours. Jüdische und palästinensische Künstler aus Israel. Die Eröffnung der Ausstellung erfolgte in Anwesenheit der Stadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport Dr. Franziska Giffey. Das Projekt, dessen Idee in Schöneberg entstand, wo das Kunstamt die inzwischen fest etablierte Ausstellung "Wir waren Nachbarn" zeigt, wagt sich an ein schwieriges Thema: sie untersucht "Identität und Raum" am Beispiel der nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung in Israel. Die von Reviva Regev kuratierte Ausstellung zeigt einen kleinen Überblick der israelischen Kunst, ausgehend von den 1970er Jahren bis heute.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Von großer Intensität ist etwa das Bild "Artificial Swan" (2006) der israelischen Künstlerin Vered Nissi M, das ihre Eltern zeigt. Sie selbst lebt im Tel Aviver Stadtteil Holon und engagiert sich besonders für Frauenrechte. Dabei unterstützt sie arabische Projekte, die dazu beitragen sollen, dass die Frauen eigenes Geld verdienen können - das eröffnet ihnen eine Möglichkeit, sich Freiräume zu verschaffen. Einen Eindruck von ihrer Arbeit kann man sich auf ihrer Internetseite&lt;br /&gt;http://verednissim.com/ machen.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Drei Fotos von großer Leuchtkraft und Ausdrucksstärke zeigt der israelische Künstler Ron Amir. Sein Projekt: Seit 2002 fotografiert er das Leben in dem Dorf Jassar Al Zarka. Jassar Al Zarka ist das einzige Dorf an der israelischen Küste, dessen Einwohner während des Kriegs 1948 nicht vertrieben wurden. Ron Amir hat mittlerweile über neunzig Fotos produziert, die in Tel Aviv gezeigt wurden (http://www.mouse.co.il/CM.articles_item,610,209,28915,.aspx)und von denen er drei mit nach Berlin gebracht hat, um sie in der Galerie am Körnerpark zu zeigen - darunter Masab Alnahar/River, 2006, auf dem Dorfeinwohner beim Angeln zu sehen sind und Yum Alaed/Holiday, 2005, das einen sehr belebten arabischen Friedhof zeigt. Das sind keine typischen israelischen Landschaften - aber sie sind mit Sorgfalt und dem sicherem Blick des Künstlers für das Detail gewählt. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Künstler - insgesamt sind 21 Künstlerinnen und Künstler mit Installationen, Videos, Fotografien und Gemälden präsent - haben ihre Werke mit dem Flugzeug selbst aus Israel mitgebracht und innerhalb einer Woche in der Galerie installiert. Am 31. Oktober 2010 ist im Rahmen der Finissage ein Symposium geplant.&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;span style="font-weight:bold;"&gt;Nachbar&lt;/span&gt;n&lt;br /&gt;Jüdische und palästinensische Künstler aus Israel&lt;br /&gt;5. September bis 31. Oktober 2010&lt;br /&gt;Galerie im Körnerpark&lt;br /&gt;Schierker Str. 8, 12051 Berlin&lt;br /&gt;U &amp; S-Bahn: Neukölln (U 7)&lt;br /&gt;Öffnungszeiten: Di – So 10–18 Uhr&lt;br /&gt;http://kultur-neukoelln.de/galerie-im-koernerpark-programm-veranstaltung-708.php&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-169369174867201372?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/169369174867201372'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/169369174867201372'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/09/nachbarn-israelische-kunst-in-der.html' title='Nachbarn - israelische Kunst in der Galerie im Körnerpark'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-9082583289067394024</id><published>2010-07-25T06:57:00.001-07:00</published><updated>2010-07-25T07:01:17.462-07:00</updated><title type='text'>1990 - Der Weg zur Einheit</title><content type='html'>Es irritiert, dass man einer Ausstellung so deutlich die Lieblosigkeit ansehen kann, mit der sie zusammengeschustert wurde: Irgendjemand in der Bundesregierung hatte wohl gemerkt, dass sich mit dem 20jährigen Jubiläum des Mauerfalls alle größeren Aktivitäten der historischen Aufarbeitung der Wiedervereinigung erschöpft hatten und gab deshalb dem Deutschen Historischen Museum den Auftrag, eine Ausstellung zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung zu erstellen. Wenig Zeit, wenig Geld, begrenzter Platz: Das aus den eigenen Sammlungen zusammengestellte Ergebnis bringt weder neue Erkenntnisse, noch würde es allein den Weg ins Museum lohnen. So ist es ein kleiner Zwischenruf, der ein paar Ereignisse in Erinnerung ruft, die besser nicht in Vergessenheit geraten sollten.  &lt;br /&gt;Immerhin: Kernstück der Ausstellung ist der Runde Tisch, an dem die Zwei-plus-Vier-Gespräche stattfanden, die die deutsche Einheit besiegelten. Eine nette Idee. Und eine der interessanten Anekdoten ist dann auch die Wiederauffindung desselben in einem Brandenburger Schuppen, nachdem er einige Zeit lang in einer Fahrschule Dienst getan hatte. Das ist symptomatisch dafür, wie die Objektsammlung des DHM zur deutschen Einheit zustande kam: sie besteht zum großen Teil aus Zufallsfunden beziehungsweise aus dem, was Bürger meinten entbehren zu können – eine in den Boden eingelassene Vitrine zeigt eine Auswahl der nunmehr wertlosen Abzeichen und Urkunden.&lt;br /&gt;Verfassungsdebatten, Währungsunion, Treuhand – der Weg zur deutschen Einheit wurde schnell beschritten, und er verlief mit einem wirtschaftlichen Ungleichgefälle, das uns noch heute strukturell zu schaffen macht. Auf Deutsch: Die DDR war pleite. Das viel mehr als die Unfreiheit eines totalitären Systems war Anlass für die Wiedervereinigung, und so ist die mancherorts gehegte Paranoia, dass das sozialistische System gestärkt durch die kapitalistische Finanzspritze der florierenden Wirtschaft der Bundesrepublik den langen Marsch durch die Instanzen fortsetzt nicht von der Hand zu weisen.&lt;br /&gt;Nach dieser Einsicht sollte nun schleunigst die Debatte um Demokratie und Freiheit auf Augenhöhe mit der Debatte um Antidiskriminierung und Gleichheit geführt werden. Sonst begeben wir uns auf einen Weg, der die Errungenschaften, die wir nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und den grundlegenden Artikeln unserer freiheitlichen Verfassung eingeschlagen haben, verlässt und in eine Zukunft führt, die sich diejenigen, die den Kampf um die Einheit aus bürgerrechtlicher Perspektive vorangetrieben haben, so sicher nicht vorgestellt haben. &lt;br /&gt;&lt;br /&gt;1990 - Der Weg zur Einheit&lt;br /&gt;Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums Berlin&lt;br /&gt;6. Juli 2010 - 10. Oktober 2010, Info-Telefon: +49 - (0)30 - 20304 - 444&lt;br /&gt;Ausstellungshalle von I. M. Pei, Unter den Linden - Hinter dem Zeughaus,10117 Berlin&lt;br /&gt;Öffnungszeiten Täglich 10 bis 18 Uhr Eintritt: Tageskarte für alle Ausstellungen: 5 € &lt;br /&gt;Jugendliche bis 18 Jahre frei&lt;br /&gt;Noch bis zum 24. Oktober ist die Sonderausstellung Burg und Herrschaft zu sehen. Bis zum 7. November wird im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg die Ausstellung Mythos Burg gezeigt.  Eine Besprechung der beiden Ausstellungen wird in der Oktoberausgabe der Mahnung erscheinen.&lt;br /&gt;© Nikoline Hansen Die Mahnung 8/9 2010&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-9082583289067394024?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/9082583289067394024'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/9082583289067394024'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/07/1990-der-weg-zur-einheit.html' title='1990 - Der Weg zur Einheit'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry><entry><id>tag:blogger.com,1999:blog-4428478830288152674.post-5185581319333559316</id><published>2010-06-11T01:54:00.000-07:00</published><updated>2010-06-11T05:44:25.595-07:00</updated><title type='text'>Ist Mode Kunst?</title><content type='html'>&lt;p class="MsoNormal"&gt;Berlin hat eine große Anzahl von Plätzen. Doch ausgerechnet der Bebelplatz erfreut sich für Veranstalter aller Art einer großen Beliebtheit.&lt;span style="mso-spacerun:yes"&gt;  &lt;/span&gt;Ein Herz für den Bebelplatz hat unter anderen&lt;span style="mso-spacerun:yes"&gt;  &lt;/span&gt;Mercedes-Benz: &lt;span style="mso-spacerun:yes"&gt; &lt;/span&gt;zweimal pro Jahr blockiert die „Fashionweek“&lt;span style="mso-spacerun:yes"&gt;  &lt;/span&gt;den Platz inzwischen mit einem riesigen Zelt, um dort mit großem Aufwand eine jeweils mehrtägige Modemesse zu veranstalten.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Warum ausgerechnet der Bebelplatz? Ausweichstandorte sind viele vorgeschlagen worden, es gibt eine Initiative Bebelplatz, die sich mit guten Argumenten und hochrangigen Persönlichkeiten, darunter der Berliner Ehrenbürger Edzard Reuter und die Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Kulturausschusses Monika Grütters, dafür einsetzt, die Messe auf einen anderen Standort zu verlagern. Auch der Bezirk Mitte sähe die Messe lieber an anderer Stelle. Derweil bleibt der Berliner Senat standhaft. Obwohl ursprünglich abgesagt, findet die Messe nun doch wieder vom 7.-10. Juli auf dem Bebelplatz statt und wird damit den Charakter des Platzes&lt;span style="mso-spacerun:yes"&gt;  &lt;/span&gt;und vor allem auch des von Micha Ullmann errichteten Denkmals zur Bücherverbrennung ad absurdum führen.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Nun ist prinzipiell nichts dagegen einzuwenden, dass auch Plätze, die den Nationalsozialisten für ihre verbrecherischen Aktivitäten gedient haben, heute wieder normal genutzt werden. In diesem Fall hat man sich allerdings für ein Denkmal entschieden, das nur in einer offenen Umgebung wirkt – denn obwohl es auf ersten Blick kaum auffällt weil es scheinbar unter der Oberfläche stattfindet, benötigt es den ganzen Platz, um seine Dimension zu entfalten. Deshalb protestiert auch der Berufsverband Bildender Künstler in Berlin, der als Notlösung die Auflage an die Veranstalter durchgesetzt hat, Micha Ullmans Denkmal der Bücherverbrennung jederzeit zugänglich zu machen. Eine Lösung die nichts taugt, weil es mit einem Blick durch die Glasplatte nicht getan ist. &lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Sicher, Mode ist Kunst. Und sicher wird alljährlich auf dem Bebelplatz auch ein Weihnachtsmarkt veranstaltet. Nur stellt sich trotzdem die Frage: gibt es nicht genügend andere Orte in Berlin für derartige Veranstaltungen? Orte, die vielleicht sogar geeigneter sind, nicht zuletzt der inzwischen mit erheblichem finanziellen Aufwand als „Parkanlage“ der Öffentlichkeit zugänglich gemachte Flughafen Tempelhof?&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;Mode ist Kunst. Aber es kann nicht sein, dass eine Kunst die andere Kunst totschlägt. Das hatten wir schon mal.&lt;/p&gt;  &lt;p class="MsoNormal"&gt;&lt;span class="Apple-style-span" style="font-size: 15px; line-height: 17px; "&gt;© Nikoline Hansen „Die Mahnung“&lt;/span&gt;&lt;/p&gt;&lt;div class="blogger-post-footer"&gt;&lt;img width='1' height='1' src='https://blogger.googleusercontent.com/tracker/4428478830288152674-5185581319333559316?l=bvnberlin.blogspot.com' alt='' /&gt;&lt;/div&gt;</content><link rel='edit' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/5185581319333559316'/><link rel='self' type='application/atom+xml' href='http://www.blogger.com/feeds/4428478830288152674/posts/default/5185581319333559316'/><link rel='alternate' type='text/html' href='http://bvnberlin.blogspot.com/2010/06/ist-mode-kunst.html' title='Ist Mode Kunst?'/><author><name>Nikoline Hansen</name><uri>http://www.blogger.com/profile/09993927659181798592</uri><email>noreply@blogger.com</email><gd:image rel='http://schemas.google.com/g/2005#thumbnail' width='31' height='22' src='http://1.bp.blogspot.com/-vWLFjKwxFTY/TdmJF4gSySI/AAAAAAAAF7o/aTbPEpQiAo8/s220/BVN-logo-2007.jpg'/></author></entry></feed>
